Verbraucherschutz mahnt „Druck“

Die Verbraucherzentrale verzeichnet nach eigenen Angaben in fast allen Bereichen eine gestiegene Nachfrage. Über 15.000 Anliegen wurden bearbeitet, darunter knapp 5.000 so genannte Rechtsbesorgungen. Das sind Fälle, in denen VerbraucherInnen - ähnlich wie bei einem Anwalt oder Organisationen wie dem Mieterverein - eine Rechtsberatung und außergerichtliche Rechtsvertretung in Anspruch nehmen können.

 Sebastian Dreyer ist Leiter der Verbraucherberatungsstelle Düsseldorf.

Sebastian Dreyer ist Leiter der Verbraucherberatungsstelle Düsseldorf.

Foto: Dominic Heidl

„Wir führen die gestiegene Nachfrage vor allem darauf zurück, dass die Düsseldorfer und Düsseldorferinnen mit ihren Problemen bei vielen Anbietern als Kunden selbst nicht mehr durchdringen,“ so Sebastian Dreyer, Leiter der Verbraucherberatungsstelle Düsseldorf. Vor allem in den Bereichen Energie und Kreditfinanzprobleme habe die Nachfrage zugenommen.

„Wir spüren, dass die Inflation viele Menschen unter Druck setzt“, so Verbraucherberaterin Hanna Bouazo. Die Verbraucherzentrale NRW habe im Jahr 2023 viele Energieanbieter abgemahnt, Klageverfahren laufen. „Energieprobleme waren das beherrschende Thema in unserer Beratungsstelle“, so Dreyer. „Wir mussten viele Stromsperren verhindern, konnten uns aber auf eine gute Kooperation mit der Stadt und den Stadtwerken verlassen.“

Die Verbraucherzentrale helfe immer dann, wenn Menschen in der Stadt Probleme mit Unternehmen haben, egal ob online oder im stationären Handel. „Vor allem bei telefonischen Verträgen, Haustürgeschäften und in Mobilfunkshops gibt es für Verbraucherinnen und Verbraucher immer wieder Ärger,“ weiß Hanna Bouazo. Ein Beispiel: Einer 72-jährigen Verbraucherin wurden in einem Düsseldorfer Einkaufzentrum drei Verträge untergeschoben. Dabei suchte sie nur nach Hilfe wegen Problemen mit ihrem WLAN-Router. Die Unterschrift wurde gefälscht und der Anbieter mauerte, als sich die Seniorin mit ihren Problemen an den Mobilfunkkonzern wendete. Die Dame sei schließlich über den Stress sogar krank geworden. Eine Strafanzeige wollte sie aus Angst vor dem Verkäufer im Handyladen nicht erstatten. Erst als sich die Verbraucherzentrale einschaltete, konnten der Betrugsversuch aufgedeckt und die Verträge storniert werden.

„Das ist leider kein Einzelfall,“ kommentiert Sebastian Dreyer die Situation der Seniorin. „Meine eigene Mutter würde ich nicht zur Vertragsverlängerung in einen Mobilfunkshop schicken,“ so der Verbraucherschützer. Zu häufig habe er erlebt, dass dort Kunden ungewollte Verträge untergeschoben werden. Sein Tipp: „Nicht alle Shops sind unseriös. Wenn Sie vor Ort im Ladenlokal einen Vertrag abschließen wollen, dann lassen sie sich vorab die sogenannte ‚Vertragszusammenfassung‘ aushändigen. Nehmen sie nach Möglichkeit einen Zeugen mit und unterschreiben Sie nur das, was Sie wirklich verstehen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.“

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