Düsseldorf: Babylotsen unterstützen werdende Eltern

Starthilfe : "Babylotsen" unterstützen werdende Eltern

"Krisen verhindern, bevor sie entstehen": Das ist das Ziel der Babylotsen am Florence-Nightingale-Krankenhaus. Im Mai ist das Präventionsprogramm der Kaiserswerther Diakonie gestartet.

Seitdem beraten und unterstützen die Hebammen Nicole Bornewasser und Martina Engelen die werdenden Mütter und auch Väter. Über 50 Mal wurde das Angebot in den acht Monaten Laufzeit bereits in Anspruch genommen. Finanziert werden konnte es nicht zuletzt aufgrund einer großzügigen Spende der Stiftung Sterntaler Düsseldorf.

Die Kaiserswerther Diakonie ist die beliebteste Geburtsklinik in Düsseldorf. Über 2.500 Kinder kommen hier pro Jahr zur Welt. Natürlich ist ein Kind zunächst einmal ein großes Glück für die werdenden Eltern. Dennoch bedeutet jede Schwangerschaft, jede Geburt auch eine Herausforderung. Und die kann manchmal eben nicht ohne Hilfe bewältigt werden. "Die Babylotsen unterstützen werdende Eltern sowie Familien mit Neugeborenen, beantworten deren Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt, beraten und helfen beim Umgang mit Anträgen und Behörden. Bei Bedarf vermitteln sie auch externe Hilfen und Angebote, passgenau zur Situation der Betroffenen", erläutert Patricia Meckenstock. Meckenstock, weder verwandt noch verschwägert mit Manes, ist pflegerische Abteilungsleitung der Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus. Sie hat das Projekt "Babylotsen" in Kaiserswerth initiiert und brennt, das merkt man im Gespräch mit ihr sofort, für die gute Sache. Die Begrifflichkeit des Lotsen findet sie, wie sie betont, sehr treffend: "Wir lotsen die werdenden Eltern in den sicheren Hafen, was den Umgang mit und die Bindung zum Kind angeht."

Die Gründe dafür, das Angebot der Babylotsen in Anspruch zu nehmen, sind ebenso zahlreich wie individuell verschieden. Das geht bei Gewalterfahrungen los, die viele der Frauen in der Vergangenheit gemacht haben. Andere erwarten ein krankes Kind. Wieder andere fühlen sich mit der Situation schlichtweg überfordert oder haben Angst vor der Geburt. "Wenn Probleme auftauchen, merkt man das am ehesten in der Geburtsklinik", weiß Meckenstock. Eigens für das Projekt "Babylotsen" hat man in Kaiserswerth einen Screening-Bogen entwickelt, den alle Frauen bei der Anmeldung ausfüllen. Daraus gehe dann hervor, ob es Bedarfe gebe, erklärt Meckenstock. Die Betroffenen werden, ihr Einverständnis vorausgesetzt, an die beiden Hebammen vermittelt. Oft seien es gar nicht die ganz großen Probleme, die es aus dem Weg zu räumen gilt, es reiche vielmehr an kleinen Stellschrauben zu drehen.

So auch im Fall von Andrea (Name zum Schutz der Person geändert). Die Mutter wurde in der 30. Schwangerschaftswoche von Gynäkologen ins Krankenhaus überwiesen. Weil die Gefahr einer Frühgeburt bestand, musste sie absolute Bettruhe einhalten. Statt sich auf das Kind zu freuen, weinte die Patientin viel, sprach kaum und sank immer tiefer in eine Depression. Die Babylotsen stellten im Gespräch mit ihr fest, dass Andrea ihre zweijährige Tochter vermisste. Zusammen mit der jungen Frau fanden die Babylotsen eine Lösung: In Absprache mit den betreuenden Ärzten sorgten sie dafür, dass Andrea das Bett daheim hüten konnte, eng betreut von der Hebamme und dem Gynäkologen. Zudem bekam Andrea Unterstützung bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Inzwischen hat ihr zweites Kind gesund das Licht der Welt erblickt.

Entwickelt wurde das Konzept der Babylotsen bereits 2004 vom katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg. Mittlerweile haben viele weitere Kliniken die gute Idee adaptiert, so gibt es die Babylotsen nunmehr beispielsweise auch in Münster und Dortmund. In Berlin und Frankfurt kann man das Angebot mittlerweile gar an jeder Geburtsklinik der Stadt in Anspruch nehmen. Patricia Meckenstock wünscht sich das auch für Düsseldorf. Die Mutter-Kind-Bindung sei schließlich die wichtigste Bindung überhaupt: "Eine gute Mutter-Kind-Bindung ist die beste Prävention vor Gewalt und Vernachlässigung."

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