Ai Weiwei Ausstellung in Kunstsammlung NRW Düsseldorf

Alles ist Kunst : Ai Weiwei in der Kunstsammlung NRW

Everything is art. Everything is politics. So lautet das Leitmotiv der gigantischen Werkschau, die die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ab sofort zeigt. Es ist die bisher größte Ausstellung von Werken des Künstlers Ai Weiwei weltweit.

Es war 2007. Und ich war tief beeindruckt von einer Skulptur, die den Namen „Template“ trug und im Rahmen der documenta 12 aufgebaut war auf der Kasseler Karlswiese, einer großen Rasenfläche vor der Orangerie der Stadt. Der chinesische Künstler, Kurator, Regisseur, Fotograf und Architekt Ai Weiwei, 1957 in Peking geboren, hatte damals 1001 hölzerne Türen und Fenster traditioneller Gebäude der Ming- und Qing-Dynastie, die dem chinesischen Modernisierungswahn zum Opfer gefallen waren, für „Template“, also Schablone, zu vier Flügeln montiert und so arrangiert, dass sie in ihrem Inneren den Hohlraum eines Tempels nachbildeten. Man konnte sich, sitzend auf einem Sockel der Skulptur, anlehnen an das sonnenwarme Holz, an Relikte einer verschwindenden chinesischen Alltagskultur, die sich in seinem Werk schließlich zu einem Ort der Leere verbanden. Bei Sonnenuntergang nahm die Holzkonstruktion einen goldenen Farbton an. Vier Tage nach Eröffnung der Skulptur brach sie aufgrund eines Unwetters über Kassel in sich zusammen. Weiwei nahm es gelassen. Durch den Einsturz, sagte er, zeige sich die Kraft der Natur.

Überhaupt nimmt der Künstler einiges gelassen, anderes hingegen kritisiert er scharf. Ai Weiwei gilt als Künstler, der Aktivist ist. Und als Aktivist, der Kunst schafft. Lange war er in seinem Heimatland verfolgter Dissident, äußerte sich regimekritisch, war inhaftiert und mit einem Reiseverbot belegt. Seine Arbeitsweise brachte der international bekannte Gegenwartskünstler, der unter anderem ein Atelier in Berlin sein Eigen nennt, in komprimierter Form auf den Punkt: „Everything ist art. Everything ist politics. – Alles ist Kunst, alles ist Politik.“ Es ist die Erweiterung des Kunstbegriffs, die Ai Weiwei damit sicherlich nahe rückt an die Gedanken Joseph Beuys’. „Das macht unsere kommende Ausstellung – gerade hier in Düsseldorf – so bedeutsam“, erklärt Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die schafft einen umfassenden Überblick über sein Werk des vergangenen Jahrzehnts und konzentriert sich auf Schlüsselthemen, die sein Schaffen seit den 1980er-Jahren auszeichnen: die Flüchtlingskrise, etwa mit den Werken „Laundromat“ und „Human Flow“, sowie das Spannungsfeld von Individualität und Staat („Sunflower Seeds“). Allesamt Grundgedanken der Humanität.

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