Ruhrfestspiele 2019: Poesie und Politik im Pott

Ruhrfestspiele 2019 : Poesie und Politik im Pott

Unter dem Motto „Poesie und Politik“ starteten am 1. Mai die Ruhrfestspiele, die ersten unter dem neuen Intendanten Olaf Kröck. Von da an ist sechs Wochen verdammt viel los in Recklinghausen

90 Produktionen mit rund 210 Veranstaltungen, darunter viel Theater, Tanz, Neuer Zirkus, aber auch Kabarett, Literatur und vieles mehr sind zwischen dem 1. Mai und dem 9. Juni im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen und in zahlreichen weiteren Spielstätten zu erleben. Drei Eigenproduktionen stehen auf dem Programm, eine Uraufführung, sieben Deutschlandpremieren und eine eigeninitiierte Kunstausstellung. Beteiligt sind mehr als 850 Künstler aus rund 16 verschiedenen Ländern, darunter Namibia, dem Libanon, Israel, Indien, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Griechenland und der Ukraine.

Zu den Höhepunkten des Festivals gehört die Eigenproduktion „What Is the City but the People?“, die nach einer Idee des renommierten Konzeptkünstlers und Turner-Preisträgers Jeremy Deller für das Manchester International Festival konzipiert wurde. Im Rahmen der Arbeit werden am 4. Mai auf dem Rathausplatz in Recklinghausen 100 ausgewählte Bürger der Stadt Recklinghausen ihre Lebensgeschichten auf einem Laufsteg inmitten der Innenstadt präsentieren – so soll ein lebendiges, berührendes Selbstporträt von Recklinghausen entstehen. Am 24. und 25. Mai ist im Ruhrfestspielhaus Karin Baiers Inszenierung von Albees modernem Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ zu sehen. An den Abenden stehen gleich zwei bekannte Fernseh-Gesichter auf der Bühne. Maria Schrader und Devid Striesow spielen die Hauptrollen in der abgründigen Ehehölle. Beide Vorstellungen sind allerdings schon ausverkauft. Noch Karten zu haben sind hingegen für den Abend mit Sandra Hüller und Hauschka am 29. Mai im Ruhrfestspielhaus. Schon seit Jahren haben die Schauspielerin und der Musiker und Komponist vor, ein gemeinsames Projekt für die Bühne zu realisieren. Jetzt hat es endlich geklappt, ihr Literatur- und Musikprogramm erlebt seine Premiere bei den Ruhrfestspielen.

Gleich fünf internationale Arbeiten aus dem Bereich Tanz sind in diesem Jahr während des Festivals zu erleben – alle Verantwortlichen sind in der einen oder anderen Weise durch die große Choreografin Pina Bausch geprägt. So auch der aus Israel stammende Choreograf, Tänzer und Musiker Hofesh Shechter. Shechter ist einer der zurzeit gefragtesten internationalen Künstler des zeitgenössischen Tanzes. Die Ruhrfestspiele zeigen seine neuste Arbeit „Grand Finale“ am 31.5. und 1.6. im Ruhrfestspielhaus. An gleicher Stelle ist zwischen dem 4. und 6.6. die Produktion „The Great Tamer“ des griechischen Choreografen Dimitris Papaioannou zu erleben. Papaioannou ist auch visueller Künstler. Er überschreitet in seinem Werk ebenso mühelos die Grenze zwischen Tanz und bildender Kunst, wie seine Tänzer mit unglaublich virtuoser Körperbeherrschung von einem bildgewaltigen Arrangement ins nächste wechseln.

Auch die Literatur spielt bei den Ruhrfestspielen traditionell eine wichtige Rolle. In diesem Jahr startet eine neue Reihe. In deren Rahmen begrüßt Literaturkritiker und Moderator Denis Scheck an drei Abenden drei Gäste: die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller kommt am 6.5. aus Berlin ins Ruhrfestspielhaus, der 97-jährige Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller am 14.5. aus Paris und der große amerikanische Anwalt und Autor Louis Begley am 25.5. aus New York. Mit Denis Scheck werden alle drei über ihre ganz besonderen Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart sprechen.

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