Konzert in der Mitsubishi Electric Halle: Bluesrock von Meister Bonamassa

Konzert in der Mitsubishi Electric Halle : Bluesrock von Meister Bonamassa

Der amerikanische Gitarrist Joe Bonamassa kommt nach Düsseldorf. Am Dienstag, 14. Mai, spielt der Bluesrocker in der Mitsubishi Electric Halle. Autor Olaf Neumann sprach mit ihm über Gitarren, Eric Clapton und sein neues Album.

Zwei Dinge benötigt Joe Bonamassa wirklich: einen Verstärker und eine Gitarre. Bereits im Alter von zwölf Jahren spielte er im Vorprogramm von B. B. King, 30 Jahre später sind Gitarren nach wie vor sein Lebenselixier. Dank seines technisch brillanten Spiels wird er mit vielen bekannten Blues- und Rockmusikern verglichen, ohne diese bloß zu kopieren. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der 42-Jährige aus Los Angeles sein 13. Solo-Album. Auf „Redemption“ führt er den Blues mit leichthändigem Spiel in unbekannte Regionen und sucht nach neuen Ausdrucksformen.

Mr. Bonamassa, Ihre aktuelle Soloplatte „Redemption“ ist kein reines Blues-Rock-Album, es gibt dezente Anleihen an Country und Gospel, an die Dire Straits und sogar an Pink Floyd. Wollten Sie sich neu erfinden?

Was ich mit meinen Solo-Platten der letzten vier, fünf Jahre vor allem erreichen wollte, ist Diversität. Ich wollte starke und sehr direkte Songs schreiben, die die Zeit überdauern. Auf der aktuellen Platte sind wahrscheinlich einige der besten Sachen drauf, die ich seit langem geschrieben habe. Darauf bin ich sehr stolz, vor allem, wenn wir diese Stücke live spielen. Das Publikum weiß das zu würdigen und spendet uns bei den neuen Sachen immer besonders viel Applaus. Das sind für mich besonders schöne Momente.

Probieren Sie gern so viel verschiedene Stile aus, weil Sie schnell gelangweilt sind?

Nein, ich würde nicht sagen, dass ich besonders schnell gelangweilt bin. Ich will ganz einfach nicht immer nur Blues spielen. Wir haben auch härtere Sachen und sehr modernes Zeug drauf. Mein Publikum mag überhaupt alles mögliche. Die Leute legen sogar meine Platten auf, wenn sie mit dem Auto auf dem Weg zu einem meiner Konzerte sind. Ein Album ist für mich eine Verlängerung bzw. Erweiterung einer Show und umgekehrt.

Wie motivieren Sie sich, wenn Ihnen einmal nichts einfällt?

Manche sagen, die Kreativität würde leiden, wenn man unter Druck steht. Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich brauche Druck, damit mir etwas Gutes einfällt. Die besten Sachen entstehen aus einem Impuls oder einer plötzlichen Eingebung heraus. Da muss ich nicht groß drüber nachdenken, aber eine Deadline ist beim Plattenmachen sehr hilfreich.

Sehen Sie sich eher als Songschreiber oder als Performer?

Ich betrachte mich selbst als Entertainer, Songschreiber und Gitarrist. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Man kann sich darüber streiten, welche Aspekte meines Jobs ich am besten beherrsche. Mir ist es gleich, ob man mich als Meistergitarrist oder etwas anderes bezeichnet, solange das Publikum Freude an meiner Musik hat. Manche sagen: „Du spielst richtig geil Gitarre!“ Andere finden: „Ich hasse es, wie du spielst, aber ich liebe deine Songs!“ Ich bin für jeden Zuspruch dankbar und gehöre nicht zu jenen Künstlern, die vom Publikum genau so gesehen werden wollen, wie sie sich selbst sehen. Es ist nämlich so, dass einige der Songs, die ich geschrieben habe und mit denen ich nie wirklich zufrieden war, sich zu wahren Live-Krachern entwickelt haben. Und das habe ich einzig meinem Publikum zu verdanken.

Sie haben in den vergangenen 20 Jahren über 40 Alben veröffentlicht. Wie stellen Sie bei diesem hohen Output eine kohärente Setlist zusammen?

Bei dieser Tour versuche ich, einige Songs zu recyclen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gespielt habe. Mit der aktuellen Besetzung meiner Band kann ich im Prinzip alles spielen, was ich will. Es ist für uns extrem inspirierend, in meinen Backkatalog einzutauchen und nach vergessenen Perlen zu suchen. Auf diese Weise ist es uns gelungen, von dem ein oder anderen älteren Song die vielleicht beste Version überhaupt zu spielen.

Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Konzert?

Mein erster professioneller Gig fand im November 1998 in Upstate New York statt, also vor rund 30 Jahren. Eine Eintrittskarte kostete fünf Dollar an der Abendkasse und es kamen 600 Leute. Wir machten also einen Umsatz von 3000 US-Dollar und ich fühlte mich wirklich reich. Ich war an dem Abend sehr aufgeregt, vor so vielen Leuten zu spielen. Damals begann meine Sucht nach Auftritten. Seitdem liebe ich es, mit dem Publikum ein Erlebnis zu teilen.

Hatten Sie bereits damals Ihren Stil gefunden?

Ich weiß noch, dass ich als junger Mann ziemlich angstlos war und einfach drauflosgespielt habe. Damals ging es mir vor allem ums Gitarrensolo, heute hingegen um den Song. Songs funktionieren auch ohne Endlos-Soli.

War Ihr erstes Instrument eine billige Akustikklampfe?

Nein, es war eine Shortscale-E-Gitarre für Kinder. Ich war von Anfang an elektrischer Gitarrist. Das heißt aber nicht, dass ich bei meinen Konzerten nicht auch akustische Stücke spiele.

Sie wechseln bei Ihren Konzerten ziemlich häufig die Gitarre. Ist das geplant oder passiert es zuweilen auch spontan?

Es ist geplant, weil jeder meiner Songs einen bestimmten Klang oder eine bestimmte Stimmung erfordert. Wenn du nur ein oder zwei Platten gemacht hast, kommst du mit ein bis zwei Gitarren am Abend aus. Ich aber kann auf Material aus 20 Jahren zurückgreifen, dafür brauche ich verschiedene Gitarren. Mit jedem meiner Songs verbinde ich eine bestimmte Akustik und manche davon will ich originalgetreu spielen. Deswegen brauche ich bei einem Konzert immer acht oder neun Gitarren, wenn ich um die 17 Songs spielen möchte.

Sind die Möglichkeiten der Gitarre begrenzt?

Aber ja! Es gibt bei diesem Instrument definitiv klangliche Grenzen. Dies ist wahrscheinlich die letzte Tour, die ich mit meinem derzeitigen Gitarren-Aufbau spielen werde. Ich bin nicht wie Eric Clapton, der seit 1970 auf seiner geliebten schwarzen Stratocaster spielt. Ich will mich weiterentwickeln und werde in Zukunft nicht mehr über Marshall-Amps spielen, sondern mit anderen Verstärkern experimentieren. Mal schauen, wie das meinen Sound beeinflusst. Für das Publikum wird das vielleicht gar nicht so sehr anders klingen, aber für mich schon.

Spielen Sie anders, wenn Ihr Freund Eric Clapton am Bühnenrand steht und Ihnen zuschaut?

Ja, ich spiele dann schlechter! Ich weiß auch nicht, warum. Es hat etwas mit dem Kopf zu tun. Vor fünf Leuten bin ich nervöser als vor 5.000. Das war bei mir schon immer so. Aber vor einer großen Menge von Leuten fühle ich mich immer sehr, sehr wohl.

Hören Sie sich noch oft andere Gitarristen an?

Ja, das tue ich, aber zu Hause höre ich kaum noch Musik. Ich mache es zumeist beim Autofahren. Nach einer Tournee gönne ich meinen Ohren immer eine Pause. Ich vermeide dann für ein paar Tage alles, was mit Lärm zu tun hat.

Sie sind Gründer der Stiftung „Keeping The Blues Alive“. Was ist deren Ziel?

Alles, was ich mit meiner Stiftung tun kann, ist Kinder und Jugendliche zum Musikmachen zu ermutigen. Vielleicht wollen sie ja Profis werden, da kann ich ihnen mit meinen Erfahrungen behilflich sein. Ich bin das Produkt von 30 Jahren harter Arbeit – und nichts anderem. Ich liebe es wirklich, Gitarre zu spielen. Wenn ich das jungen Menschen vermitteln kann, bin ich happy. Mehr kann ich nicht tun.

Warum ist Musik so wichtig fürs Leben?

Musik ist zum Teil Realitätsflucht. Sie beeinflusst unsere Gefühle. Die Leute wollen sich nicht den ganzen Tag mit Politik und negativen Dingen beschäftigen, sie wollen lieber Songs hören. Musik beeinflusst uns vom ersten Tag unseres Lebens an, berührt uns im Innersten und kann uns zu Spitzenleistungen antreiben. Aber sie ist auch eine Realitätsflucht vor dem Leistungsdruck in der Gesellschaft.

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