Düsseldorf: Plattensammler Diethelm Kröhl im Interview

Schönste Form von Erdöl : Interview mit Plattensammler Diethelm Kröhl

Diethelm Kröhl hat eine Leidenschaft für Schallplatten. Seit Jahrzehnten sammelt der Düsseldorfer das schwarze Gold. Über 14.000 Platten nennt er mittlerweile sein Eigen. Anlässlich des „Record Store Day“ hat jetzt! Düsseldorfer Anzeiger am Wochenende mit ihm gesprochen.

Am kommenden Samstag ist Record Store Day. Wie begehst du als passionierter Plattensammler diesen Tag?

Wie jeden Samstag auch, da für mich jeder Tag Record Store Day ist. Am RSD sind die Läden proppevoll und eher ungemütlich.

Im Gegensatz zu dir konsumieren viele Menschen Musik heute über Streaming-Dienste, Youtube oder CD. Wie erklärst du denen, dass du gerne nach vier, fünf Songs aufstehst, um die Platte umzudrehen? Will sagen: Was macht die Faszination für Vinyl für dich aus?

Vinyl ist die schönste und vielleicht auch nachhaltigste Form von Erdöl. Durch ihren Erwerb besitze ich tatsächlich die Musik. Zudem sind die Vinylformate wie Album oder auch Single erprobt und die Chance ist groß, das Werk eines Musikers in dem Spannungsbogen zu erleben, der vorgesehen war. Auch das Wenden der Scheibe. Natürlich spielen Haptik, großzügige Covergestaltung und so weiter ebenfalls eine Rolle.

Wie umfangreich ist deine Plattensammlung?

Schätzungsweise 12.000 LPs und Maxis und rund 2.500 Singles.

Und wie viele CDs stehen dem gegenüber?

Ein paar Dutzend. In den letzten 15 Jahren war „Der schwere Duft von Anarchie“ von Rocko Schamoni die einzige CD, die ich kaufte. Dieses wunderbare Album kam leider nie auf Vinyl raus und als ich sie auf dem Flohmarkt für einen Euro sah, musste ich zugreifen.

Welche war deine allererste Platte?

Meine erste LP war „A Night at the Opera“ von Queen. Ich sammelte auf einem Volksfest Bierkrüge und kaufte vom Pfanderlös gleich am nächsten Tag die Scheibe.

Welche erinnert dich an eine große Liebe?

Oh, sehr viele. Was aber eher an meinem fortgeschrittenen Alter liegt. „Before and after Science“ von Brian Eno erinnert mich an meine erste große Liebe.

Welche hörst du, wenn du wütend bist?

Wut ist eine kostbare Energie und mir will ad hoc keine Scheibe einfallen, die diese Energie auf Albumlänge durchhält. Deshalb stellvertretend einige Songs: The Hives mit „Hate To Say I Told You So“, Scratch Acids „Mary Had A Little Drug Problem“, oder auch Wipers‘ „When It’s Over“.

Gibt es eine Stimmungslage, in der du auf keinen Fall eine Platte auflegen würdest?

Vielleicht gibt es solch eine Stimmungslage. Aber im Moment fällt mir keine ein.

Welche Platte hast du nur wegen des Covers gekauft?

Eine ägyptische Platte mit arabischer Aufschrift in hellblau. Darauf war eine Bauchtänzerin zu sehen. Es klang dann auch wie Bauchtanzmusik. Irgendwie.

Zum Plattensammeln gehört es ja auch, regelmäßig durch Läden zu ziehen, über Trödelmärkte und Börsen, um nach Platten zu schauen. Welcher ist dein liebster Plattenladen?

Börsen finde ich meist eher langweilig und die Zeit der Schnäppchen auf den Trödelmärkten ist dank Discogs-App leider auch vorbei. Im „Disco Duck“ in Prag fühlte ich mich sehr wohl.

Und wo kaufst du deine Platten hier in Düsseldorf ein?

Volkers „Heimindustrie Records“ auf der Brunnenstraße. Es ist drei Minuten zu Fuß von mir entfernt und Volker hat immer irgendetwas Interessantes für den schmalen Geldbeutel. Und natürlich mein liebster Plattenladen der Welt, keine Lüge: Das „Hitsville“ auf der Wallstraße. Großes Angebot auf kleinem Raum mit 2nd Hand-, aber auch neuen Scheiben. Von Jazz über Kraut bis Punk reicht der Bogen und Ralf ist ein untypisch netter Plattenladenbesitzer. Volker natürlich auch.

Dein liebster Gesprächspartner, wenn es um Platten geht?

Volker zum Beispiel. Aber auch all die Auflegekollegen wie Magic, Don Trosi, Marty Berowsky, Shlomo Szejbenszpyler, Phasenmensch, Stefan Jürke und und und… Eigentlich jeder Mensch, der Platten liebt. Ich liebe es, wenn Menschen über ihre Sammelleidenschaften schwärmen.

Du bist nicht nur Sammler, sondern auch als Aufleger aktiv. Als solcher nimmst du allerdings keine Wünsche entgegen. Eine Freundin hat dir sogar ein Schild geschenkt, auf dem steht „Heute keine Wünsche“. Verstehst du dich, was das Auflegen angeht, als Künstler?

Ja.

Auch das von dir erfundene Format „Vinylpredigt“ dreht sich um schwarze Scheiben. Die erste Predigt fand im August 2013 im „4 Wände Marie“ statt. Mittlerweile hast du 106 Themen abgefrühstückt. Wann und wo findet die nächste statt und zu welchem Thema?

Thema 107 ist „Kind“, nach „Vater“, „Mutter“ und „Familie“. Zu erleben in der Christuskirche auf der Kruppstraße, am 24. April ab 20 Uhr.

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