Goethe-Museum Düsseldorf: Interaktives Faust-Labor und neue App

Goethe-Museum Düsseldorf : Interaktives Faust-Labor und neue App

Das neue Faust-Labor im Goethe-Museum ist eröffnet. Das Labor ist der erste Raum der neu geplanten Dauerausstellung und zeigt anhand Goethes Naturforschung und der Wissenschaftskritik in seinem Werk "Faust", wie modern Goethe und sein Werk waren bzw. noch heute sind.

Goethes berühmteste Dramenfigur Faust verzweifelt an der Welt. Fausts Sinne reichen nicht bis ins Herz. Er hat das reine Bücherwissen satt und fragt nach dem, was das Lebendige ist. Er möchte wissen, "was die Welt im Innersten zusammenhält."

Im Faust-Labor wird diese Frage aufgegriffen: Es wird gezeigt, wie Goethe geforscht hat. Unter anderem werden so Goethes Beschäftigung mit Anatomie und Mythologie, aber auch die Themen Zauberei und Erschaffung eines künstlichen Menschen im "Faust II" beleuchtet. Dieser künstliche Mensch, ein sogenannter "Homunculus", wird von Faust in einer Phiole erschaffen. Das Goethe-Museum wirft die Frage auf, wie sich Goethe wohl gegenüber den Themen der heutigen Biotechnologie verhalten hätte.

Auch die Frage der Körperoptimierung beschäftigte schon die Goethezeit. Im Faust-Labor lässt sich so das Buch des Mediziners Christoph Wilhelm Hufeland mit dem Titel "Über die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" finden. Doch wie sah es bei Goethe selbst aus? Von ihm existieren zahlreiche Büsten, die ihn geschönt und nahezu "göttergleich" verherrlichen. Im Faust-Labor können die Besucherinnen und Besucher den "schönen Mann" Goethe, in Form von Büsten, entdecken, aber auch Goethe, wie er in Wirklichkeit aussah - mithilfe einer Lebendmaske. Diese Lebendmaske des 58-jährigen Goethe wird Das Goethe-Museum wirft die Frage auf, wie sich Goethe wohl gegenüber den Themen der heutigen Biotechnologie verhalten hätte.den Besuchern über eine Augmented-Reality-Anwendung zugänglich gemacht. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Innovationshub der Hochschule Düsseldorf entwickelt.

Goethe konnte aufgrund seiner jahrelangen anatomischen Forschung zeigen, dass der Mensch anatomisch gesehen den Säugetieren gleichgestellt ist. Wie Goethe zu diesem Ergebnis kam, wird im Faust-Labor anhand von zwei Schädel-Exponaten und einer Animation in der Goethe-Museums-App gezeigt. Für Goethe bestand der Unterschied zwischen Tier und Mensch eben nicht in der Anatomie, sondern in geistiger Hinsicht. Ein besonderer Schatz der Kippenberg-Sammlung, die Goethe-Hymne "Das Göttliche", eröffnet einen weiten Diskursraum über Humanität und der Frage nach dem Lebendigsein in Zeiten des heutigen technologischen Wandels.

Der Raum wird in einer Art "Grundausstattung" eröffnet und soll stufenweise weiterentwickelt werden, also Work-in-Progress. Bei der weiteren Ausgestaltung des Raums sollen dabei auch die Rückmeldungen der Besucher miteinbezogen werden. Das geschieht unter anderem über die Social-Media-Kanäle des Museums. Alle Aktionen werden dort mit dem Hashtag #FaustLabor und #Goethe begleitet.

Die Goethe-Museums-App (iOS, Android) wurde als moderner Zugang zu Goethes Themen entwickelt. Die App erschließt das Faust-Labor auf Deutsch und Englisch mit Clips und Texterläuterungen. Mit der App gelangen die Inhalte vor Ort über Bluetooth automatisch auf die mobilen Geräte der Besucher. Die App können sich Besucherinnen und Besucher kostenlos im Museums-WLAN auf ihr Smartphone herunterladen; im Museum stehen aber auch Leihgeräte zur Verfügung. Die Entwicklung des Raums und der App wird von der Beisheim Stiftung gefördert. Kuratiert wird das Faust-Labor von Damian Mallepree, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Goethe-Museums.

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