Düsseldorfer Obdachlosenzeitung „fiftyfifty“

Obdachlosenzeitung „fiftyfifty“ : Schüler engagieren sich für Wohnungslose

Bereits seit vielen Jahren unterstützen Schülerinnen und Schüler der Lore-Lorentz-Schule ehrenamtlich und durch unterschiedliche Projekte Wohnungslose. Nun sprachen sie mit dem Düsseldorfer Musiker Ralf Dörper - und stellten das Interview der Obdachlosenzeitung „fiftyfifty“ zur Verfügung.

Ralf Dörper ist ein echtes Schwergewicht unter den Düsseldorfer Musikern. Der heute 59-Jährige trat im Rahmen der Düsseldorfer Punkbewegung Ende der 1970er Jahre erstmals in Erscheinung und enterte mit den Bands „Die Krupps“ und seinem Folgeprojekt „Propaganda“ weltweit die Hitparaden. Bis heute tourt er musikalisch um die Welt und wird von nachfolgenden Musiker generationen geschätzt für sein innovatives Werk.

Nicht nur seine bis heute ungebrochene Popularität, auch seine kritische Auseinandersetzung mit Themen der Zeit reizte die Schülerinnen Kim Kollig und Sophie Schilmar (beide 17) nun, mit Dörper ein Interview zu führen. Beide absolvieren den Bildungsgang Literatur mit Abitur an der Lore-Lorentz-Schule in Eller und engagieren sich, neben ihrer Ausbildung im unter anderem journalistischen Bereich, dort auch in der Schülerzeitungs-AG für das Schülermagazin „Lologramm“. Das Besondere an dem kürzlich geführten Interview aber wird sein, dass die Schülerinnen ihren Text einem anderen Magazin zur Verfügung stellen werden: Das Düsseldorfer Obdachlosenmagazin „fiftyfifty“ wird das Gespräch mit dem Musiker in der bald erscheinenden April-Ausgabe veröffentlichen.

„Das soziale Engagement an unserer Schule wird seit jeher groß geschrieben“, erklärt Marcel Riedel, unter anderem Lehrer für das Unterrichtsfach Mediendidaktik sowie Sprache und Literatur. Und so währt auch die Zusammenarbeit mit fiftyfifty, einer gemeinnützige Organisation zur Unterstützung von Obdachlosen im Raum Düsseldorf, bereits seit dem Jahr 2005.

Dabei folgen die von den Schülern der Lore-Lorentz-Schule initiierten Aktionen oft kreativen Ansätzen. So engagierten sie sich bereits im Jahr 2013 zugunsten einer Sonderpublikation des Magazins der Obdachlosenhilfe und setzten sich literarisch, etwa in Kurzgeschichten und Gedichten, mit dem Thema Wohnungslosigkeit auseinander. Weitere Projekte, unter anderem das Anfertigen fotografischer Arbeiten, Postkartenaktionen und Ausstellungen folgten. Und auch mit den regelmäßig stattfindenden Wohltätigkeitskonzerten unter dem Titel „Pogo-Lore“, die von Schülern des Ausbildungsgangs der Erzieher seit 2010 organisiert werden, unterstützt die Schülerschaft unter Hilfestellung ihrer Lehrer regelmäßig. Dazu zählt auch das Sammeln und Spenden von Kleidung und Hygieneartikeln zugunsten des Trebe-Cafés, einer Einrichtung der Diakonie, die in ihren Räumen an der Kölner Straße 148 junge, auf der Straße lebende Frauen betreut.

„Kern des Engagements der Schüler war stets, über die Missstände der Obdachlosen aufzuklären und so die Hilfsbereitschaft auch anderer Menschen zu steigern“, erzählt Riedel. Dazu zählt einerseits, sich den Betroffenen vorsichtig und sensibel zu nähern und andererseits wider der anfänglich eigenen Ressentiments Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit zu forcieren.

Davon profitieren nicht zuletzt auch die Schüler selbst: Getreu des Schulmottos „positiv dagegen“ - so hieß das erste, 1947 inszenierte Ensembleprogramm von Namenspatronin Lore Lorentz am Düsseldorfer Kom(m)ödchen - wollen sie gegen die Kommodität des Nichtstuns vorgehen. Und dazu zählt auch, Grenzen aufzulösen, die oft gegenüber Obdachlosen aufgebaut werden. Die Schüler rufen dazu auf, Mitmenschen ohne Dach und Pass bewusster als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen und ihnen Achtsamkeit entgegen zu bringen.

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