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Kultkneipe im Malkasten : Versunken im Creamcheese

Keine Kult-Kneipe ist kultiger, kein untergründiges Brauchtum lebt länger; dabei schloss der Laden schon vor Jahrzehnten. Sag’ Cheese, Creamcheese! lächle und tanz dich in Trance - beim letzten Mal im Malkasten. Aber vorher erzähl’ Veteranen-Geschichten.

„Ich bin hinten ’raus, weil meine Eltern vorn ’reinkamen und mich suchten.“ „Die Honig-Pumpe vom Beuys stand da herum und unter die Decke hatte der Uecker diese Sachen geklebt, alles auf dem Kopf, Aschenbecher, Kippen, Gläser, Münzen, Streichhölzer.“ „Zappa war mal da.“ „In Essen hab ich damals die Mothers of Invention gesehen.“ „Mein Gott, war das in Indien schmutzig.“

Dutzende solcher Stories, an diesem Abend freimütig erzählt, zeugen vom Geist der Zeit und von der Anziehungskraft dieser besonderen Gaststätte an der Neubrückstraße, zwischen Grabbeplatz und Ratinger Straße. Vom üblen Ruf des Etablissements, der junge Leute so elektrisierte. Mit 12, 14 Jahren haben manche Mädchen und Jungen hier herumgelungert. Sie warteten auf den Sound der ganz, ganz neuen Import-Platten aus London und starrten diese Individuen an, voll verstrahlt gekleidet - alles hier lief dem Establishment zuwider, aber hey: Je mehr Eltern entsetzt waren, umso besser.

Doch um zehn musste man dann dennoch raus in dem Alter, alles unter achtzehn, das Licht ging an, ein untanzbarer Song von Frank Zappa wurde gespielt, „Suzie Creamcheese“, von dem die Kneipe ihren Namen ableitete.

Später zog das „Creamcheese“ in die Flinger Straße um, verlor den Käse, und hieß nur noch „Cream“ - so wie alle, die Bescheid wussten, es schon vorher genannt hatten.

Michael Notowitz gehörte zu ihnen. Seit langem opfert er Zeit, Geld und Nerven, zusammen mit anderen aus dem „Creamcheese e.V.“, die das Banner Jahr für Jahr zweimal hochziehen. Stets müssen Hindernisse bezwungen werden: Raumprobleme, gebrochene Absprachen, Respektlosigkeit im Geschäftsleben.

Wie auch immer. Im Malkasten sind auch Szene-Fremde da. Es läuft „L.A. Woman“. „Doors - die kenn ich. Aber damals war ich eher in der Tanzschule Fern unterwegs und hab’ dort Platten aufgelegt“, sagt ein Besucher. DJ Micha dagegen, der seit Jahren für das musikalische Wannenbad der
Creamcheese-Gedächtnis-Veranstaltungen zuständig ist, monatlich in Köln die Baui-Party und in Bonn das Blow Up organisiert, dreht nun auf. Kein „Suzie Creamcheese“ um zehn. Zwar sind auch junge Gesichter zu sehen, aber Ü60 dominiert und die Lautstärke macht manchem zu schaffen.Lautlos, aber genauso creamig, sind die Lichteffekte, die erstmals der „Doktor“ beisteuert, Christian Koch von Vibravoid.

„Whole Lotta Love“ rollt aus den Boxen, einer von vielen Songs, die die Gäste kennen, seit sie frisch veröffentlicht wurden – prägend für ewig.

Als dann um halb elf Kraftwerks „Ruckzuck“ zu surren beginnt, muss auch der Chronist auf das winzige Tanzpodest. Er lebte vor 50 Jahren nicht hier, sondern in der Provinz, aber auch da spielte Kraftwerk live, so wie ein einziges Mal im „Creamcheese“, am 2. Weihnachtstag 1970.

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