Betrug Senioren Enkeltrick

Betrügereien an Senioren nehmen zu : Abgezockt

„Rate mal, wer hier ist?“ Die Masche ist immer die gleiche: Trickbetrüger rufen ältere Menschen an, geben sich als Verwandte oder Bekannte aus, täuschen eine Notlage vor und bitten ihre Opfer um hohe Bargeldbeträge. Im Glauben, ihren Angehörigen zu helfen, heben die Senioren die geforderte Summe von der Bank ab und übergeben sie einem Boten, der vom vermeintlichen Verwandten geschickt wurde. Damit sind ihre Ersparnisse unwiederbringlich verloren. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Betrugsfälle durch den sogenannten „Enkeltrick“ erneut stark gestiegen.

In diese Rubrik fallen auch jene Delikte, in denen sich die Täter als Polizeibeamte ausgeben.284 Enkeltrick-Taten verzeichnete das Landeskriminalamt (LKA) NRW bis Ende September 2019. Ohne die Zahlen für das letzte Quartal, die noch nicht vorliegen, waren dies bereits 74 Fälle mehr als im gesamten Vorjahreszeitraum. Dabei erbeuteten die Täter fast 11,2 Millionen Euro (2018: 3 Millionen Euro). Erfasst sind hiermit nur jene Fälle, in denen die Täter auch Erfolg hatten. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn vielfach gehen die Betroffenen aus Scham nicht zur Polizei.

Im Düsseldorfer Seniorenrat ist die Enkeltrick-Abzocke ein großes Thema, das häufig diskutiert wird. „Wir sind da sehr sensibilisiert und weisen immer wieder darauf hin“, sagt die Vorsitzende des Seniorenrats Ulrike Schneider. Schon mehrfach waren Mitarbeiter der Polizei bei den öffentlichen Sitzungen des Seniorenrats zu Gast, um über die Betrugsmasche zu informieren (nächster Termin im Frühjahr, das Datum stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest).

Dass die Fallzahlen steigen, obwohl immer wieder vor dem Enkeltrick gewarnt wird, erklärt Ulrike Schneider unter anderem mit folgendem Grund: Berichtet werde darüber in der Zeitung, „aber eine Zeitung können sich viele ältere Menschen mit einer kleinen Rente oder Grundrente nicht leisten“. Hinzu kommen altersbedingte körperliche Faktoren. Das Seh- und/oder Hörvermögen nimmt ab, die Reaktionsfähigkeit lässt nach, manche Menschen sind verwirrt oder dement. Und viele sind schlichtweg einsam: „Die freuen sich, wenn sie mal jemand anruft.“

Fündig werden die Betrüger auf der Suche nach ihren Opfern im Telefonbuch, das sie nach altmodischen Namen wie Wilhelm, Josef, Hedwig oder Gerlinde durchforsten. Ulrike Schneider rät daher dazu, Telefonbucheinträge oder Klingelschilder so abzuändern, dass der Vorname entfällt oder abgekürzt wird.Seit einiger Zeit greift eine besonders perfide Betrugsmasche um sich: Die Täter geben sich als Polizei- oder Kriminalbeamte aus und warnen ihr Opfer beispielsweise, dass ein Einbruch bevorstehen würde. Zum eigenen Schutz solle man Geld und Wertgegenstände einem „Kollegen“ aushändigen. Dabei lassen die Betrüger eine 110 im Display erscheinen.

Die Täter sind hoch professionell organisiert; zumeist agieren sie aus Callcentern im Ausland. Zur Verschleierung nutzen sie das sogenannte „Call-ID-Spoofing“, das es erlaubt, mittels Internettelefonie eine frei wählbare Nummer im Display des Angerufenen anzuzeigen. „Auf die 110 fällt jeder rein“, so Seniorenrats-Vorsitzende Ulrike Schneider. Zumal bei vielen Älteren gegenüber der Polizei noch besonderer Respekt vorherrsche.

Merke: Bei einem Anruf der echten Polizei wird niemals die 110 im Display eingeblendet. Auch holt die Polizei unter keinen Umständen Bargeld oder Wertgegenstände ab. Dies gilt im Übrigen auch für Bankmitarbeiter.Zur „Vorbeugung von seniorenspezifischen Straftaten“ bietet das Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz (KK KP/O) Informationsmaterial sowie diverse Beratungsprogramme für Seniorengruppen. Eine solche Gruppe kann man auch selbst zusammenstellen – ab fünf Personen kommen die Beamten auch gerne zu Ihnen nach Hause.

Informationen gibt es telefonisch unter der Nummer 8706881 oder 8706878. Des Weiteren rät die Polizei: Seien Sie misstrauisch, wenn Sie jemand telefonisch um Geld bittet. Legen Sie auf. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Rufen Sie ihn zurück – aber nicht mit der Rückwahltaste, sondern unter der Ihnen bekannten Nummer.Geben Sie am Telefon keine Auskunft über finanzielle oder persönliche Verhältnisse.Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an fremde Personen. Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig erscheint: 110! Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei, wenn Sie Opfer geworden sind, und erstatten Sie Anzeige.