Rentner Bernd Steeg engagiert sich - Einsamkeit im Alter dürfe kein Schicksal sein Zusammen, nicht allein!

Bernd Steeg sagt: „Keine Aufgaben haben ist nicht mein Ding!“. Im Juni 2018 wechselte er von der Arbeit in den Unruhestand. In den letzten Jahren seiner vier Jahrzehnte Berufszeit war er als freigestellter Betriebsrat für die KollegInnen seiner Firma zuständig. Das Soziale, der Einsatz für andere, der liegt ihm im Blut.

 Bernd Steeg und Inge Wehrmeister - „Nun ist es Zeit, auch etwas zurück zu geben.“

Bernd Steeg und Inge Wehrmeister - „Nun ist es Zeit, auch etwas zurück zu geben.“

Foto: zentrum plus

„Als ich in Rente war, dachte ich: Du hast im Leben immer Glück gehabt. Nun ist es Zeit, auch etwas zurückzugeben!“ Erste Idee: Mitglied des Düsseldorfer Seniorenrates werden. Ein Tipp führt Steeg ins „zentrum plus“ der AWO an der Siegstraße, wo er Leiterin Inge Wehrmeister kennenlernt. Die erkennt ganz offensichtlich, wer da vor ihr steht. „Sie sagte, wenn das mit der Wahl nichts wird – wir können hier immer Hilfe gebrauchen!“ Und so wird der ehemalige Stadtwerke-Betriebsrat einer von 33 Ehrenamtlichen im „zentrum plus“ Unterbilk. Rentner Steeg (67) unterstützt etwa ältere, mobilitätseingeschränkte Menschen, indem er für sie einkaufen geht. Auch hat er mit angepackt, als der Vorgartenbereich des „zentrum plus“ neugestaltet wurde. Ehrenamtler bauten etwa eine alte Telefonzelle zum öffentlichen Bücherschrank um, Sitzgelegenheiten entstanden. Der Familienmensch Steeg strahlt, wenn er erzählt, wie gut das bei schönem Wetter angenommen wird. Mütter lesen, während ihre Kinder sich mit Spielen aus dem Schrank beschäftigen.

Inge Wehrmeister gesellt sich zum Gespräch dazu. Man merkt schnell, wie sehr ihr die Pandemie zugesetzt hat. Die Idee einer Begegnungsstätte auf Augenhöhe für Menschen, die auch ermutigt werden, hier selbst Initiative zu ergreifen, wird durch einen Lockdown ad absurdum geführt. Im ersten verfügen von rund 300 Stammgästen ihrer Einrichtung  gerade einmal 100 über eine E-Mail-Adresse. Unter den Prämissen „Was ist wichtig?“ „Was bietet Beschäftigung?“ beginnt sie zu netzwerken. Per E-Mail, auch ganz traditionell per Post. Gerade am Anfang wird viel telefoniert. Ganz pragmatisch werden dann etwa Einkaufsdienste organisiert. „Dafür haben auch viele junge Menschen ihre Hilfe angeboten. Das war toll!“

Noch vor der Pandemie hatte Bernd Steeg Dr. Hartmut Mühlen vom Seniorenrat kennengelernt. Er ist dort Sprecher für den Arbeitskreis „Einsamkeit“. Dieser entwickelte die Broschüre „Zusammen weniger allein“. Hier sind Hilfsangebote, aber auch Initiativen und Angebote für Senioren gebündelt. „Wie wichtig dieses Thema ist, wurde mir erst durch die ehrenamtliche Tätigkeit deutlich“, sagt Bernd Steeg. Einsamkeit im Alter – das dürfe und müsse kein Schicksal sein.

Am Ende seien es oft die kleinen Initiativen in den Stadtteilen, die Menschen aus ihrer Isolation holen und dabei beinahe unbemerkt arbeiten. So wie Inge Wehrmeister im Dezember 2020. „Aus zwei Autos haben wir eine Art Weihnachtsmarkt vor der Türe improvisiert. Und mit einem dieser Autos habe ich dann auch Hausbesuche gemacht. Mit Glühwein und Keksen.“ Mit der Angebotsmischung aus Begegnung, Engagement und Bewegung leiste man in den „zentren plus“ einen wichtigen Beitrag für ältere Menschen.

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