Die Band Pur spielt am 20. Juli ein Konzert in Mönchengladbach

Pur genießen : Die fünf Jungs aus Bietigheim-Bissingen

Eine gemeinsame Sommernacht „zwischen den Welten“ versprechen die Veranstalter des Open-Air-Konzerts der Band Pur im SparkassenPark in Mönchengladbach. Mit dabei: aktuelle Songs des gleichnamigen Albums. Aber auch viele der Hits aus 30 Jahren Pur-Geschichte.

„Das wird unser ganz spezielles Sommermärchen 2019, für Freunde und Freude – lasst es uns zu Ende träumen!”, sagt Sänger Hartmut Engler, Frontmann der Formation, mit Blick auf das anstehende Konzert seiner Band am Niederrhein. Und mit der ist es ja so: Es gibt Bands, deren bloße Kenntnis man gerne negieren würde. Dennoch ertappt man sich hin und wieder bei fundiertem Textwissen. Oder bei grundlegender Melodiekenntnis. Oder doch wenigstens bei dem Reflex, einige wenige Töne – vorausgesetzt, man ist allein – leise mitsummen zu wollen. Und zu können. Dann bemerkt man, was man da tut und schämt sich ein wenig.

Tatsächlich ist es nicht von der Hand zu weisen: Die Band polarisiert, seitdem es sie gibt. Und insbesondere in den 1990er-Jahren ernteten die Jungs reichlich Spott von Musikredakteuren und Humorarbeitern, die da verbalisierten, was sie von der Musik der Schwaben hielten: „Schonkost für Ohren und Verstand“ hieß es da etwa, oder „musikalische Einbahnstraße“. Nicht sonderlich schmeichelhaft wurde der – nüchtern betrachtet – Poprock mit dezenten Folkeinflüssen beschrieben. Und betrachtet man die textliche Gattung, so bewegt sich Pur „meist im Bürgerlich-Privaten, regelmäßig werden aber auch gesellschaftspolitische Themen – etwa rechte Gewalt oder der Umgang mit Behinderten und alten Menschen – verarbeitet, durchaus mit einem gewissen pädagogischen Gestus“, so ein Kulturwissenschaftlicher Essay über den Gegensatz von Pur-Fans und Pur-Hassern, erschienen 2005.

Die Band Pur bleibt sich dennoch treu, denn es gibt, bei aller Häme, ja auch den großen Erfolg: Plattenverkäufe in Millionenhöhe und ausverkaufte Stadien mehrfach hintereinander. Man fragt sich stets, wer so etwas hört und wer die zahlreichen Konzerte der Band besucht. Und während man sich noch wundert, ist schon wieder eine Tournee ausverkauft und das dazu passende Album mit Platin ausgezeichnet. Ein Qualitätsmerkmal allein ist das nicht, klar. Und dennoch: Es gibt zahlreiche Gründe für diesen Erfolg.

Einer kann sein, dass das Quintett von der Pike auf das Musikgeschäft kennengelernt hat. Und tatsächlich: Der Weg der Band ist lang, die Musiker fleißig. Roland Bless und Ingo Reidl, zwei Gymnasiasten aus Bietigheim-Bissingen, gründen 1975 eine Schülerband, Sänger Hartmut Engler nimmt 1976 bei Reidl zunächst Klavierunterricht, singt schließlich vor und ergattert den Job als neuer Sänger der Band, die damals noch Opus heißt und nichts gemeinsam hat mit der gleichnamigen Band aus Österreich. Ein Glücksgriff, denn ab 1980 liefert Engler auf die eingängigen Melodien der Band deutschsprachige Texte, die leicht zugänglich sind und eine Menge Gefühl, Erfahrung und Nachdenklichkeit transportieren. Die ersten beiden eigenständig produzierten Alben verkauft man im Eigenvertrieb auf den Konzerten. Und auch der Sieg des Wettbewerbs „Bundesrock“, zunächst auf Landes-, dann auch auf Bundesebene im Jahr 1986, hilft den emsigen Baden-Württembergern auf das überregionale Radar.

Das 1990 von Dieter Falk produzierte Album „Unendlich mehr“ taucht in den deutschen Album-Charts auf und wird damit auch ein erster kommerzieller Erfolg. Das Anschlussalbum „Nichts ohne Grund“ startet schließlich richtig durch, beinhaltet es doch unter anderem das Stück „Lena“ – und damit die Positionierung der Band auf den vorderen Plätzen der deutschen Charts für lange Zeit. Große Hallen, Auszeichnungen, Fernsehshows. Pur ist plötzlich allgegenwärtig. Daran ändert sich auch in den Folgejahren wenig. Und auch Peter Maffay lässt sich viele Texte von Hartmut Engler schreiben, nicht ein Morgen auf WDR4 ohne die Band aus Baden-Württemberg. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Sie nun live zu erleben, kann für die einen das Glück pur bedeuten. Und die anderen gehen eh nicht hin.

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