Der Maler Norbert Tadeusz wird zum ersten Mal seit 28 Jahren in einer Ausstellung in Düsseldorf gezeigt.

Norbert Tadeusz im Kunstpalast : Figur im Raum

Ich male, was ich gesehen habe.“ Mit diesem Satz wurde der Künstler Norbert Tadeusz häufig zitiert. Der gebürtige Dortmunder studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys und nahm mit seinem gegenständlichen, expressiven Malstil schnell eine Sonderstellung innerhalb der Lehranstalt ein.

Vom 29. August an werden nun über 40 seiner Gemälde im Kunstpalast gezeigt – nach 28 Jahren Pause ist Tadeusz‘ Werk damit erstmals wieder in einem Düsseldorfer Museum zu sehen.„Mit dieser Präsentation bringen wir dem Publikum einen der wichtigsten figurativen Maler seiner Generation in Erinnerung“, betont Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalast. „Tadeusz‘ ebenso virtuose wie provokante Bilder haben nichts von ihrer Brisanz eingebüßt.“

Gewalt, Tod, Eros – das sind die Themen, die den 2011 verstorbenen Maler umtrieben. Aufsehenerregende Körper- und Raumdarstellungen waren es, die Tadeusz auf die Leinwand brachte. In großformatigen, häufig monumentalen Gemälden zeigt er seine Figuren nicht selten aus ungewöhnlichen Blickwinkeln.

Geradezu besessen war der Maler von dem Thema Frau. Als Muttergottheit und Verkörperung der Natur, aber auch als geliebte, verkehrte, einschüchternde oder gar bedrohliche Partnerin des Mannes. Seine Vorstellungen von der Frau als Projektionsfläche der männlichen Ängste, Sehnsüchte und Begierden äußern sich von Beginn an in einer nahezu manisch erscheinenden Produktivität. Seine Gemälde zeichnen sich dabei durch ihre distanzierte Formensprache aus, ihre Inhalte sind häufig irritierend, manches Mal gar verstörend. „Mit seiner Malerei markierte Tadeusz im Vergleich zu den während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie vorherrschenden konzeptuell minimalistisch oder abstrakt ausgerichteten Arbeiten schnell einen eigenständigen Stil“, sagt Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst im Kunstpalast und Kurator der Ausstellung. In seiner figurativen Malerei habe sich Tadeusz mit zeitgenössischen formalen Fragen auseinandergesetzt, sei dabei aber immer von archaischen Vorstellungen beeinflusst geblieben.

Das Spektrum der Ausstellung im Kunstpalast reicht von Arbeiten der frühen 1960er-Jahre über die sogenannten Sakral-Raum-Bilder und die Serie der „Nighthawks“ bis hin zu den überformatigen Seerosenbildern. Sämtliche Arbeiten lassen erkennen, dass Tadeusz ein aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung war. Naturbeobachtung und der intensive Dialog mit anderen Künstlern – das sind die Quellen, aus denen sich seine Kunst speiste. Zu Tadeusz‘ Inspirationsquellen gehören venezianische Meister der Spätrenaissance ebenso wie die Farbfeldmalerei von Ellsworth Kelly. Seine charakteristischen weiblichen Aktbilder, die durch teils extreme Posen auffallen, sowie die Darstellungen von Tierkadavern darf man zu den radikalsten Bildfindungen der westlichen Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen.

Mehr von Düsseldorfer Anzeiger