„Alles Wurschd“ im Kom(m)ödchen: Auch für Vegetarier

„Alles Wurschd“ im Kom(m)ödchen : Auch für Vegetarier

Der Name academixer steht zunächst mal für eine deutschlandweit einzigartige Spielstätte: Im Windschatten der Monumentalbauten MDR-Hochhaus, Gewandhaus und Oper am Leipziger Augustusplatz befindet sich im Keller des ehemaligen Messehauses „Dresdner Hof“ in der Kupfergasse die Spielstätte academixer-Keller.

1980 bezog man die mit Rezeption, Friseur, Wannenbad, Post und Bar repräsentativ eingerichtete ehemalige Empfangshalle des in den 1920er-Jahren erbauten Messehauses. Auch nach dem Umbau zu einer Kleinkunstbühne haben die Räume ihren Charme keinesfalls verloren. Entstanden ist eine reizvolle Melange aus Nostalgie und Funktionalität, in der bis heute fast täglich Programm stattfindet.

Nun hat das Haus, ähnlich wie sein Düsseldorfer Pendant Kom(m)ödchen, auch ein eigenes Ensemble. Dessen aktuelles Programm hört auf den Titel „Alles Wurschd“ und hatte vor zwei Jahren in Leipzig Premiere. Am 23. und 24. August ist das fünfköpfige Ensemble – vier Darsteller und ein Musiker – damit in Düsseldorf zu erleben. So viel ist klar: Es geht um Fleischliches, spielt das Ganze doch in der topmodernen Metzgerei „Fleischboutique Meating Point“. Die wird von einer Dame namens Solli Janka betrieben. Der Bundestagsabgeordnete Günther Korf speist jeden Mittag in der Metzgerei. Endlich mal ein Politiker, der einem was nützen könnte, denkt Solli Janka. Doch dann verschwindet der Mann einfach.

Das wäre an sich wurschd, wäre da nicht der hässliche Verdacht, dass der Abgeordnete Korf in der Metzgerei zu Bierschinkenwurst verarbeitet wurde. Wer könnte ein Interesse daran haben, dass Korf verwurstet wird? Sollis Opa, der das Schlachten noch von Stalin persönlich gelernt hat? Raschid, der indische Metzgerei-Mitarbeiter, der zwar besser deutsch kann als ein ganzer Pegida-Aufmarsch, aber bei dem man nicht sicher ist, ob seine Integrationsfassade hält, wenn heilige Kühe in den Schlachthof müssen? Fragen über Fragen, denen das academixer-Ensemble in seinem Programm nachgeht.

Mit Erfolg, wie die „Leipziger Volkszeitung“ nach der Premiere befand. Von zündender Komik und einem wandlungsfähigen Ensemble war dort zu lesen. „Carolin Fischer glänzt vor allem als leicht manipulierbares und Internet-süchtiges Dummerchen“, urteilte die LZ. Zudem bereite es Vergnügen, Jens Eulenberger in den Metamorphosen zwischen Inder, Kommissar, Kunde und Geschäftsmann zuzusehen. Auch Ralf Bärwolff zeige nicht zum ersten Mal darstellerisch wie komödiantisch seine Klasse. Und der „spielerisch und körpersprachlich starken Elisabeth Hart“ stellen die Journalisten aus Leipzig ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Der Regisseur, der all das inszeniert hat, ist in Düsseldorf übrigens alles andere als ein Unbekannter: Hans Holzbecher zeichnet nämlich auch am Kom(m)ödchen für die Inszenierung der Ensemble-Stücke verantwortlich.

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