Ab September liegt die „Brause“ unterm Kirchplatz in Bilk Zweites Wohnzimmer

Der Verein Metzgerei Schnitzel, besser bekannt als „Brause“, erhält am Kirchplatz in Düsseldorf einen neuen Standort. Die ehemalige öffentliche Toilettenanlage unter dem Platz wird derzeit saniert und zu einem rund 100 Quadratmeter großen Kulturort umgebaut. Die Eröffnung ist für September 2026 geplant.

Protest 2019 vor der seinerzeit frisch abgerissenen „Brause“.

Foto: Archiv/ Bauer

Im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens wurde der Verein als künftiger Betreiber ausgewählt, meldet jetzt die Stadt. In seiner Bewerbung überzeugte er demnach mit einem spartenübergreifenden, soziokulturellen Programm, das nicht nur die eigene Vereinsarbeit stärkt, sondern auch den Kirchplatz mit einem vielfältigen Angebot neu beleben soll.

Der Verein ist seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Düsseldorfer Kulturlandschaft. Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt er einem Witz aus den Tim und Struppi-Comics – mit Wurstwaren hat die Initiative jedoch nichts zu tun. Vielmehr steht die Brause für Kunst, Musik und soziokulturelle Projekte in Düsseldorf.

Bis Mitte 2019 war das Vereinsheim in einer ehemaligen Tankstelle an der Bilker Allee in Friedrichstadt beheimatet. Dort entwickelte sich die „Brause“ zu einem lebendigen Veranstaltungsort für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Filmabende und zahlreiche weitere kulturelle Formate. Das Besondere: Jede und jeder war willkommen, der Eintritt war stets frei.

Kurz vor dem 18. Vereinsgeburtstag musste die „Brause“ im Mai 2019 ihre damaligen Räumlichkeiten verlassen, nachdem das Grundstück verkauft wurde. Art und Weise des Endes der Einrichtung sorgten seinerzeit für gewaltige Unstimmigkeiten - so rückten etwa bereits Abrissbagger heran, obwohl die Stadt offenbar noch ein Verfahren zur Unterschutzstellung der Tankstelle unter Denkmalschutz prüfen ließ. Die Verwaltung legte die Baustelle still, der Eigentümer klagte und bekam vom Verwaltungsgericht Düsseldorf recht. Der Abriss durfte weitergehen, die „Brause“ war an dieser Stelle Geschichte.

Seitdem ist der Verein weiterhin aktiv. In den vergangenen Jahren fand man in der Adersstraße 44 ein temporäres Zuhause und setzte dort ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm fort. Mit über 60 Mitgliedern, von denen sich viele regelmäßig engagieren, organisiert der Verein Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und interdisziplinäre Formate. Das Vereinsheim versteht sich dabei nicht nur als Veranstaltungsort, sondern als offener Treffpunkt der freien Szene - für viele als eine Art „zweites Wohnzimmer“.

Auch bei städtischen Veranstaltungen ist die „Brause“ seit Jahren präsent, unter anderem bei den Kunstpunkten, der Nacht der Museen, dem Büdchentag oder im Karneval. Mit immer neuen Formaten verfolgt der Verein das Ziel, lokales Engagement weiter auszubauen und dauerhaft zu verankern.

Mit dem neuen Standort am Kirchplatz soll Kunstschaffenden auch künftig eine Plattform geboten werden, ihre Arbeiten zu präsentieren, sich zu vernetzen und gemeinsam neue Projekte zu entwickeln. Zugleich entsteht ein niedrigschwelliger Ort der Begegnung für die Nachbarschaft und die gesamte Stadtgesellschaft.

Protest 2019 vor der seinerzeit frisch
Zweites Wohnzimmer
Ab September liegt die „Brause“ unterm Kirchplatz in Bilk Zweites Wohnzimmer