Aufarbeitung schwerer Unfall Bahn-Kollision in der City - „So ein Unfall darf nicht passieren“

Nach der Kollision zweier Straßenbahnen der Linie 709 am vergangenen Samstag rund um den Japantag im Bereich Berliner Allee / Graf-Adolf-Straße laufen bei der Rheinbahn nach eigenen Angaben die technischen, betrieblichen und organisatorischen Untersuchungen weiterhin mit Hochdruck. Bei dem Unfall waren 30 Personen teils schwer verletzt worden.

Unfallstelle an der Kreuzung Berliner Allee vergangenen Samstag - „Wir müssen verstehen, warum vorhandene Sicherheitsbarrieren hier nicht ausreichend gegriffen haben“.

Foto: Einsatzfahrten und so Youtube

„Die Bilder und Folgen dieses Unfalls beschäftigen uns nach wie vor sehr. Unsere Gedanken sind bei den verletzten Fahrgästen“, sagt Rheinbahn-Vorständin Annette Grabbe. „Gleichzeitig belastet der Vorfall auch Mitarbeitende, die das Ereignis erlebt haben oder an der Bewältigung beteiligt waren. Ein solcher Unfall darf nicht passieren.“ Die genaue technische und betriebliche Ursache werde derzeit gemeinsam mit den zuständigen Fachstellen und Behörden untersucht. Dazu gehöre insbesondere die Auswertung von Fahrzeugdaten, Weichensteuerung und Signaltechnik sowie die Befragung des Fahrers.

Nach aktuellem Stand der Auswertungen zeigte das Fahrsignal die Freigabe für die Geradeausfahrt. Gleichzeitig befand sich die betroffene Weiche in gegenteiliger Stellung; das zugehörige Weichensignal war nach bisherigen Erkenntnissen dunkel. Wie es zu dieser Situation kommen konnte und warum die vorhandenen Sicherungsmechanismen in diesem Fall nicht ausreichend gegriffen haben, ist Gegenstand der laufenden technischen und betrieblichen Untersuchungen.

Die bisherigen Erkenntnisse aus früheren Unfällen zeigen aus Sicht der Rheinbahn, dass komplexe Betriebssituationen, technische Auffälligkeiten und menschliche Faktoren zusammenwirken können. Deshalb verfolge das Unternehmen bewusst einen systemischen Ansatz bei der weiteren Aufarbeitung. „Für uns geht es nicht darum, vorschnell einfache Erklärungen zu liefern“, so Grabbe weiter. „Wir müssen verstehen, warum vorhandene Sicherheitsbarrieren in dieser Situation nicht ausreichend gegriffen haben. Unser Anspruch ist klar: Das Gesamtsystem muss so robust sein, dass einzelne Fehler oder technische Störungen nicht zu schweren Unfällen führen.“
Bereits nach den vorangegangenen Vorfällen hatte die Rheinbahn nach eigenen Angaben umfangreiche zusätzliche Analysen und Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehörten unter anderem technische Weiterentwicklungen an Weichen- und Signalsystemen, zusätzliche Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen im Fahrdienst sowie die Überprüfung betrieblicher Abläufe und Sicherheitsprozesse. Gleichzeitig wird aktuell intensiv bewertet, ob die bereits eingeleiteten Maßnahmen ihre volle Wirksamkeit bereits entfalten konnten, ob zusätzliche Risiken bestehen und welche weiteren Maßnahmen erforderlich sein könnten. Grabbe: „Dazu zählen etwa zusätzliche technische Sicherungen an kritischen Weichenbereichen oder die Weiterentwicklung von Signal- und Weichenlogiken.“

Die bereits Ende des vergangenen Jahres eingerichtete Taskforce zur Aufarbeitung von Entgleisungen und Unfällen will die Rheinbahn nach dem aktuellen Ereignis zu einer erweiterten bereichsübergreifenden Taskforce „Sicherheitssteuerung“ weiterentwickeln. Ziel ist es demnach, Erkenntnisse schneller zusammenzuführen, Maßnahmen konsequent nachzuhalten, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen schneller in die Umsetzung zu bringen. „Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein lernender Prozess“, betont Grabbe abschließend. „Deshalb werden wir die bisherigen Maßnahmen konsequent weiterentwickeln, ihre Wirksamkeit überprüfen und zusätzliche externe Expertise einbeziehen.“

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