Olli Bendt, in dunklen Zeiten wie diesen erinnert man sich gerne an Anfänge - Dein erstes Fortunaspiel als Fan war...?
Das muss Mitte der 1980er gewesen sein. Ein 1:1 gegen Bayer Uerdingen. Den Ausgleichstreffer der Krefelder erzielte Matthias Herget mit einem abgefälschten Freistoß. Den Torschützen für die Fortuna habe ich nicht mehr parat (lacht).
Wo ordnest Du diesen Abstieg nach so vielen Jahren bitterer aber auch schöner Erfahrungen als Fortuna-Begleiter ein?
Es hat mich seltsamerweise am vergangenen Sonntag nicht so sehr mitgenommen. Es war irgendwie etwas diffus. Die ganze Saison über war ich mir relativ sicher, dass wir absteigen. Das Team war so schlecht zusammengestellt, war oft einfach miserabel. Nach dem Elversberg-Spiel habe ich dann gedacht - wir schaffen es doch noch. Der Eindruck war: Alexander Ende hatte als Trainer was bewegt, wir kommen mit anderthalb blauen Augen davon...
Und dann das...!
Mit so einem Einbruch, dieser Nichtleistung in Fürth, war von meiner Seite aus zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu rechnen. Doch generell wunderte mich die Performance dieser Truppe dann wiederum gar nicht. Es fehlte bei vielen, nicht bei allen, mit Sicherheit die Identifikation mit dem Verein, die Kaderstruktur hatte ich schon benannt. Führungspersönlichkeiten bildeten sich überhaupt nicht heraus, ein Tim Oberdorf etwa - und das ist nur ein exemplarisches Beispiel - war mit dieser ihm offenbar zugedachten Rolle komplett überfordert. Der Mannschaft fehlte es vollkommen an Tempo. Sie war weder für die Herangehensweise von Trainer Daniel Thioune als auch später Markus Anfang konzipiert. Letzterer war dann offenbar auch nicht bereit, sich umzustellen.
Worauf umstellen?
Mit dieser Truppe konntest du nach meinem Empfinden nur mit Viererkette in der Abwehr spielen, das, was Alexander Ende dann auch gemacht hat. Abgesehen von seinem sicher schwachen Eingewöhnungsspiel in Magdeburg, wo nichts ging, waren die Spiele gegen Dresden, auch in Schalke, trotz knapper Niederlage beim souveränen Aufsteiger, und vor allem gegen Elversberg überzeugend. In den Partien hatte man den Eindruck, dass die Spieler das umsetzten, was der Trainer vorgegeben hatte. Letzten Sonntag war das dann alles weg, ein Komplettversagen. Und es war am Ende nicht nur das eine nicht erzielte Tor, was den Ausschlag gegeben hätte. Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen konnte, welcher Fortune diesen Treffer eigentlich erzielen sollte, hätte das Spiel auch ohne Weiteres 6:0 für Fürth ausgehen können.
Wie schätzt Du die Chancen der Fortuna in der 3. Liga ein, wie groß ist vielleicht sogar die Sorge vor einem Totalabsturz?
Stand jetzt ist meine Angst, dort erneut gegen den Abstieg zu spielen deutlich größer als die Hoffnung darauf, dass wir oben mitspielen. Für Letzteres sehe ich - wie gesagt aktuell - keinerlei Anzeichen, weil wir so viele Baustellen haben, dass es meiner Meinung nach für den Verein derzeit nur darum gehen kann, das erste Jahr 3. Liga zu überleben.
Was muss sich personell ändern, was ist realistisch?
Nun, der Verbleib des einzig komplett überzeugenden Akteurs Cedric Itten ist gleich Null. Der wird sich - berechtigterweise - nach einem Platz in der Bundesliga umsehen. Das hat er sich auch verdient, den musst Du komplett aus der Verantwortung für das Desaster nehmen. Und Florian Kastenmeier wird nach Bremen gehen. Und auch das ist in Ordnung!
Der Kader?
Unter den zehn Spielern, die einen Vertrag für die 3. Liga haben, sind auch ein Tim Oberdorf bzw. ein Satoshi Tanaka. Bei Letzterem bin ich mir sehr sicher, dass man ihn verkaufen wird, wenn es einen Abnehmer gibt. Das wird man auch müssen, um einigermaßen investieren zu können. Man wird Erlöse brauchen. Im Kern bleiben also erst einmal nur die jungen, talentierten Akteure wie etwa Sauck oder Paulina, die das Erlebnis auch erst einmal verkraften müssen. Ende will nach eigener Aussage neben erfahrenen Spielern auf hungrige Akteure setzen. In dem Zusammenhang fände ich Gespräche um einen möglichen Verbleib mit Matthias Zimmermann oder auch um eine Rückkehr von André Hofmann nicht schlecht.
Der Coach?
Der Trainer hat eine Menge Drittliga-Erfahrung, das ist gut und wir haben an dieser Stelle mal keine Baustelle. Mit einer kleinen Einschränkung - dieser Abstieg haftet natürlich auch an ihm und wenn die ersten Spiele nicht so laufen wie gewünscht, dann wird es in Düsseldorf nach vier, fünf Spieltagen ungemütlich.
Die Klubführung?
Es ist erst einmal ein Vorteil, dass wir Sven Mislintat als Sportvorstand halten. Er hat sich sicher schon mit der 3. Liga beschäftigt - das ist ein Pluspunkt. Andererseits ist er auch mit dafür verantwortlich, was passiert ist, weil er im Winter nicht die richtigen Leute holen konnte, etwa einen Außenverteidiger, was zwingend nötig gewesen wäre. Er wird jetzt liefern müssen, das ist er bislang schuldig geblieben.
Die Fans, gewinnt man Sie nach dieser bitteren Enttäuschung zurück?
Wenn die Fans ein Team sehen, das ackert, das arbeitet, mit dem man sich identifizieren kann, dann kann man mit dieser Arena im Rücken ganz, ganz viel bewegen. Das hat auch die Vergangenheit immer wieder gezeigt. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und man muss nicht erneut eine derart seelenlose Truppe wie zuletzt ertragen, werden die Fans da sein - hundertprozentig.