„So hatte ich mir das nicht vorgestellt“ Grabstätte überfüllt? Hinterbliebene aus Hassels ist enttäuscht

Der älteren Dame, die vor der Grabstätte auf dem Friedhof Hassels steht, sieht man an, dass es in ihr arbeitet. Drei Steine mit eingravierten Namen, darunter der ihres Mannes, stechen heraus. Der vordere Teil des Grabes ist gefüllt mit Utensilien der Trauer; Blumen, Gestecke, Kerzen, auch kleines Spielzeug, weiße Keramik-Engel. „So habe ich mir das nicht vorgestellt“, sagt die Frau.

Erika Rollie am Urnengemeinschaftsgrab, in dem auch ihr Mann bestattet ist - „So hatte ich mir das nicht vorgestellt“.

Foto: Stefan Pucks/Stefan Pucks

Erika Rollie ist 87 Jahre alt, dreifache Mutter, seit Kurzem auch Urgroßmutter. Zeit ihres Lebens ist sie in Hassels zu Hause. Sie macht einen leisen, aber doch bestimmten Eindruck. 2023 verstarb ihr Mann. Er wurde auf dem Stadtteil-Friedhof, fußläufig für sie erreichbar, begraben. Ihre Wahl fiel auf ein Urnengemeinschaftsgrab der Friedhofsgärtner Düsseldorf eg. Der Vertrag beinhaltet u. a. die Kostenteilung mit allen Hinterbliebenen inklusive Stein mit Namensinschrift und die Grabpflege für 20 Jahre. „Eine Stätte, die nicht anonym ist, die ich besuchen kann, war wichtig für mich, da ich gerne auf dem Friedhof bin, Ruhe und Erholung finde“, sagt Erika Rollie. Ihre Kinder könnten die Pflege zeitlich nur schwer leisten, auch daher die Wahl.

Die Vereinbarung regelt auch das Aufstellen von Grabschmuck, „an Stellen, die dafür vorgesehen sind“, wie es dort heißt. „Hier kam dann immer mehr dazu. Engelchen, manchmal Stofftiere, sogar die Steine wurden schon ‚gekapert’“, sagt Rollie. Sie könne die Trauerbekundungen grundsätzlich verstehen, „das ist ein sensibles Thema.“. Aber: „So habe ich mir das nicht vorgestellt, das Grab ist überfüllt.“

Erika Rollie hat sich mit ihrem Anliegen bereits an die Friedhofsgärtner Düsseldorf eg gewandt. Die bietet seit 2019 die Form des Urnengemeinschaftsgrabs an. Die Idee von Kostenteilung und Pflegeübernahme, der Unterschied etwa zu anonymen Rasengräbern, findet offenbar Anklang. „Wir zählen inzwischen 34 Grabstätten dieser Art auf verschiedenen Friedhöfen im gesamten Stadtgebiet“, sagt eg-Geschäftsleiterin Corinna Sommer-Boncuglu. „Alle haben einen eigenen Charakter, die kooperierenden Friedhofsgärtnereien gestalten - natürlich in Absprache mit uns - relativ frei.“ Man wolle das individuell halten.

In der Grabstätte in Hassels sind 60 Urnen bestattet, „das sind schon recht viele“, sagt Sommer-Boncuglu, „in der Regel sind es etwa 40 Urnen.“ Beim Grabschmuck kann sie Erika Rollies Ansicht nicht teilen. „Es gibt vielfältige Ausdrucksweisen der Trauer, wir wollen das bewusst nicht einschränken.“ Aber klar sei: „Verwelkte Blumen oder Gestecke, beschädigtes Spielzeug, Abgeblättertes oder Verblichenes, werden von uns entsorgt.“ Dennoch tue es ihr sehr leid, dass die Dame aus Hassels so enttäuscht sei.

Offenbar: Erika Rollie, die ursprünglich auch ihre letzte Ruhestätte hier vorgesehen hat, überlegt inzwischen, ob sie das wirklich noch will. „Eigentlich nicht“, sagt sie. Vertraglich ist das schwierig, die Vereinbarung ist mit Bestattung ihres Mannes auf 20 Jahre festgelegt. „Wenn Frau Rollie sich nun gar nicht mehr umstimmen lässt, würden wir da wohl einen Weg finden können, „sagt Sommer-Boncuglu. „Aber eine Umbettung wäre kostenträchtig und auch ein verwalterischer Akt. Ich hoffe einfach, dass sie es sich wieder anders überlegt.“

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