Wie sollten Friedhöfe der Zukunft aussehen angesichts des einschneidenden Wandels der Bestattungskultur in der Gesellschaft? Über die Herausforderung, die dieser Umbruch für die hauptbeteiligten Berufe des Bestattungsgewerbes und das Steinmetzhandwerk bedeutet, ging es beim Besuch in der Werkstatt von Steinbildhauermeisterin Anna Staudt am Friedhof Itter. „Das Steinmetzhandwerk und das Bestattungsgewerbe leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie begleiten Menschen in Zeiten des Abschieds mit Würde, Respekt und großer Verantwortung“, verdeutlichte Neubaur. „Entscheidend ist, Tradition und Innovation so miteinander zu verbinden, dass Erinnerungskultur lebendig bleibt und Raum für neue Formen des Gedenkens entsteht.“
Hintergrund: In der Trauerkultur vollzieht sich zurzeit ein tiefgreifender, sich weiter beschleunigender gesellschaftlicher Wandel. Während im christlich geprägten Kulturkreis vor allem Einäscherungen die früher übliche Erdbestattung immer stärker ablösen, vollzieht sich gleichzeitig generell bei allen rituellen Formen des Totengedenkens eine Öffnung in ethnischer und ethischer Hinsicht; nicht zuletzt die Nachfrage nach Grabmalen und Familiengräbern geht sukzessive zurück. Auch gestiegene Bestattungskosten stärken den Trend. Zugleich wird die Bedeutung des Friedhofs im Spannungsfeld zwischen individueller Selbstbestimmung, neuen Bestattungsarten und dem Friedhof als identifizierbarem Trauer-, Kultur- und Erinnerungsort neu diskutiert.
„Unser Ansinnen ist, den Friedhof als Gedenkort zu stärken,“ definierte der Vorsitzende des Bestatterverbands NRW, Andreas Niehaus, die Aufgabenstellung. Stefanie Kamp-Knorren, selbstständige Bestattermeisterin in Düsseldorf und Vorstandsmitglied der hiesigen Handwerkskammer, ergänzt: „Wir wollen auf diversifizierte Bedürfnisse reagieren, indem wir mit den Kommunen über neue Gestaltungskonzepte sprechen und den Friedhof moderner, nahbarer und auch grüner machen.“ Dabei gehe es auch um eine Liberalisierung der bislang oft starren Vorgaben für die Grabstätte – „wohlgemerkt: auf dem Friedhof und nicht jenseits davon,“ akzentuierte Gastgeberin Anna Staudt die Zielrichtung des Steinmetzhandwerks. So sollten auf den Begräbnisstätten künftig beispielsweise Grabfelder mit pflegefreien Sarg- und großzügig angelegten Urnengräbern erlaubt sein, die dennoch eine individuelle Kennzeichnung durch einen Grabstein ermöglichten.
Das Treffen mit der NRW-Wirtschaftsministerin war auf Anregung von Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert zustande gekommen. „Wir fordern die Kommunen und Städte auf, zeitgemäße Lösungen für die Bürger zu schaffen. Wenn wir keine attraktiven, pflegefreien und bezahlbaren Grabformen anbieten, wandern Menschen ab und suchen alternative Bestattungsmöglichkeiten außerhalb der Friedhöfe. Das gefährdet die Friedhofskultur und die Würde des Abschieds“, bezog Ehlert Position.