Ärzte helfen Wohnungslosen - der Verein ist 30 Jahre alt Kreislauf durchbrechen

Das 30-jährige Bestehen des Vereins Medizinische Hilfe für Wohnungslose in Düsseldorf, welches jetzt vor dem Lambertus-Saal der Katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus gefeiert wurde, ist ein Jubiläum – und gleichzeitig eine leise, unbequeme Bestandsaufnahme.

Dr. Stefan Reuter (r.), ist Vorsitzender des Vereins für Medizinische Hilfe in Düsseldorf, Dr. Carsten König (m., mit Jubiläumsurkunde, überreicht von OB Stephan Keller) Mitstreiter der ersten Stunde.

Foto: Jochen Rolfes/jochen rolfes

Denn gefeiert wurde nicht, weil das Problem gelöst wäre. Im Gegenteil. In Düsseldorf leben Menschen ohne Wohnung, die keinen Zugang zu regulärer medizinischer Versorgung haben. Keine Krankenversicherung, keine festen Ansprechpartner, keine Chance auf kontinuierliche Behandlung. „Die Unsicherheit des Lebens auf der Straße macht krank – und Krankheit verschärft wiederum die Notlage. Ein Kreislauf, der ohne Hilfe kaum zu durchbrechen ist.“ erklärt Prof. Dr. med Stefan Reuter, neuer Vorstand des Vereins.

„Wer sagt, das bisschen Obdachlosenhilfe bringe doch eh nichts, dem würde ich antworten: Für den einzelnen Menschen macht es den entscheidenden Unterschied“, sagt Oberbürgermeister Stephan Keller, der beim Jubiläumsakt anwesend ist. Es gehe nicht um abstrakte Zahlen, sondern um konkrete Leben. Und um Menschlichkeit. „Der Verein leistet etwas von unschätzbarem Wert – schnelle Hilfe ohne unnötige Hürde. Die ehrenamtlichen Helfer begegnen den wohnungslosen Menschen auf Augenhöhe.“ Es sage nämlich viel über eine Stadt aus, wie sie mit den Schwächsten umgehe.

Seit 30 Jahren organisiert der Verein medizinische Versorgung für Menschen, die sonst keine hätten – niedrigschwellig, pragmatisch, oft unter schwierigen Bedingungen. Wohnungslose Düsseldorfer können zur Praxis auf der Neusser Straße 35 kommen oder zur Neanderkirche auf der Bolkerstraße 36 – die aktuellen Sprechzeiten stehen auf www.medhilfe-duesseldorf.de/die-praxis. Aktuell investieren fünf Allgemeinmediziner und viele weitere ehrenamtliche Helfer Zeit, Fachwissen und Energie.

Stefan Reuter bringt es nüchtern auf den Punkt: „Ich möchte Strukturen stärken, die verlässlich helfen – und gleichzeitig neue Menschen dafür gewinnen. Der Erfolg des Vereins beruht auf Team- und auf Zusammenarbeit mit Partnern.“ Aber: Es gehe nicht um punktuelle Aktionen, sondern um Kontinuität. „Wir brauchen mehr Ärztinnen und Ärzte, mehr MTA, mehr helfende Hände. Und wir brauchen Menschen, die mitdenken, mitplanen, neue Ideen einbringen.“

Die Arbeit des Vereins lindere Not, verhindere Leid und gebe Menschen Würde zurück. Dr. Christoph Humburg über seinen Vereinseinsatz: „Was ich aus der langen Arbeit hier gelernt habe, ist: Jeder, wirklich jeder, kann obdachlos werden. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass wir, die es können, da sind, um die Menschen, die ganz unten sind, aufzufangen.“

Stephan Reuter wird in seiner Arbeit zukünftig von Dr. Verena Nowastowski und Dr. Christoph Humburg unterstützt. „Das schätze ich sehr.“ Auch Dr. Carsten König, der von Anfang an den Verein tatkräftig unterstützt habe, bleibe dem Verein mit Rat und Tat erhalten. Reuter: „Man muss nicht die Welt retten. Aber man kann Düsseldorf – und damit die Welt – für einige Menschen ein kleines bisschen besser machen.“