Über die NRW-Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität“ „Nicht alles ist top!“

Die Mehrheit der Menschen in NRW fühlt sich in ihrer Wohngegend sicher und vertraut der Polizei. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Ergebnisse der über den Fond für die Innere Sicherheit der EU kofinanzierten Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024“ für das Bundesland, dass ein Teil der erlebten Straftaten nicht angezeigt wird und somit im sogenannten Dunkelfeld bleibt.

NRW-Innenminister Herbert Reul (Bildmitte), neben Düsseldorfs OB Stephan Keller bei einem früheren „Polizei“-Termin in der Landeshauptstadt.

Foto: Stadt Düsseldorf/Ingo Lammert

Die Studie, die jetzt zusammen mit NRW-Innenminister Herbert Reul in Düsseldorf vorgestellt wurde, ergänzt die polizeiliche Kriminalstatistik, indem sie Erfahrungen mit Kriminalität, das Anzeigeverhalten, Einstellungen zur Polizei und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erfasst. Die periodisch angelegte bundesweite Studie wird in NRW durch die Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle (KKF) des Landeskriminalamtes begleitet.

Die zweite Erhebungswelle der Studie fand im Frühjahr 2024 statt. Bundesweit wurden mehr als 186.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren befragt. Davon entfielen rund 40.000 Befragte auf NRW. Der Rücklauf hier betrug 35,6 Prozent und umfasste rund 14.000 auswertbare Fragebögen. Damit sei eine sehr große Datengrundlage geschaffen worden, so die Initiatoren. Die Ergebnisse sind demnach für die hiesige Wohnbevölkerung ab 16 Jahren repräsentativ.

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen überwiegend sicher in ihrer Wohngegend fühlen. Unsicherheitsgefühle treten insbesondere nachts an bestimmten Örtlichkeiten auf - etwa in Parks oder Parkanlagen sowie im öffentlichen Personennahverkehr“, so die Studienmacher. Insgesamt fühlten sich die Menschen im Vergleich zur ersten Erhebung 2020 im öffentlichen Raum etwas sicherer. „Befragte waren durchschnittlich eher wenig beunruhigt davon, Opfer bestimmter Straftaten zu werden. Am stärksten war dabei die Sorge vor Kriminalität ohne Gewalt, etwa Betrug im Internet oder Sachbeschädigungen.

Die Befragung zeigte demnach auch, wie viele Menschen tatsächlich Opfer von Straftaten werden. 35,2 Prozent in NRW gaben an, im Referenzjahr 2023 mindestens einmal Opfer von einer der abgefragten Formen von Kriminalität ohne Gewaltanwendung geworden zu sein. Erfahrungen mit mindestens einer der abgefragten Formen von Gewaltkriminalität gaben rund 22,1 Prozent an.

Zu den am häufigsten berichteten Delikten gehören:

- Beleidigung außerhalb des Internets:

- Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen

- Waren- und Dienstleistungsbetrug im Internet

- Missbrauch persönlicher Daten im Internet

- Fahrraddiebstahl

- Beleidigung im Internet

Gleichwohl hätten die Ergebnisse zugleich gezeigt: Ein erheblicher Teil der Straftaten wird nicht angezeigt. Von 12.154 berichteten Opfererfahrungen mit Formen von Kriminalität ohne Gewaltanwendung wurden 33,7 Prozent der Fälle der Polizei gemeldet. Erfahrungen mit Gewaltkriminalität (insgesamt 2.437 Fälle) wurden sogar nur in 7,4 Prozent der Fälle der Polizei gemeldet.

„Die Studie zeigt, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Bundesland sicher fühlen. Das sind gute Ergebnisse und passen zu den aktuellen Zahlen der unserer Kriminalstatistik“, so Herbert Reul. Gewaltdelikte und Straßenkriminalität seien zurückgegangen. „Gleichzeitig ist klar: Nicht überall ist alles top. Denn sich sicher fühlen und sicher sein sind zwei verschiedene Paar Schuhe.“ Wie wirksam allein die sichtbare Polizei-Präsenz sei, werde oft unterschätzt. „Die Studie hat auch das Vertrauen in die Polizei beleuchtet: Das Bild ist überwiegend positiv, aber viele sehen, dass die Beamten an ihre Grenzen kommen.“ Genau deshalb habe man eine „Effizienzinitiative“ gestartet: „Wir prüfen sehr konkret, welche Aufgaben die Polizei heute erledigt, für die eigentlich andere zuständig sind. Von solchen Altlasten wollen wir sie befreien, damit sie mehr Zeit für ihre Kernaufgabe hat: Sicherheit.“

Ingo Wünsch Direktor des Landeskriminalamts NRW, ergänzt: „Dunkelfeldstudien sind ein wichtiger Baustein moderner Kriminalitätsforschung. Sie helfen uns noch besser zu verstehen, welche Straftaten nicht angezeigt werden und wo Menschen Unsicherheiten wahrnehmen. Diese Erkenntnisse sind somit mitentscheidend für eine wirksame Präventions- und Polizeiarbeit.“

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