„Freies“ Ensemble „Komische Oper am Rhein“ zeigt Don Giovanni im „Hof“ Oper, die passiert

Er ist ein Verführer. Er ist ein Lügner. Ein Mann, der bekommt, was er will — durch Charme, durch Macht. Immer ohne Reue. Er könnte heute in den Nachrichten sein. Dabei schrieb ihn Mozart schon 1787: Don Giovanni. Der kommt jetzt unter anderem in den Ratinger Hof...

Inszenierung von „Don Giovanni“ durch die „Komische Oper“ in der Zentralbibliothek am Hauptbahnhof - „Ein Publikum, das nicht zuschaut, sondern mittendrin ist.“

Foto: Anja Otto

Aktueller kann eine Oper nicht sein. Und die „Komische Oper am Rhein“ (KOR) holt ihr Publikum hinein in diese zeitlose Geschichte, in der ein vermeintlich strahlender Verführer seinem düsteren Schicksal entgegen geht. Gespielt wird Mozarts Werk im April, Mai und Juni wieder an zwei verschiedenen Orten: Im Ratinger Hof und in der Zentralbibliothek. Zwei Orte. Zwei Stimmungen. Kein Orchestergraben trennt Bühne und Publikum. Das Düsseldorfer Ensemble hebt diese räumliche Distanz immer wieder auf. Was für das Theater längst gängig ist, bleibt für die Oper eine absolute Ausnahme.

Und genau hier liegt seit 2017 die Motivation von Elsa Garcia Tarraga und ihrer „Komischen Oper“. Sie gehört zur „Freien Szene“ - für Oper in Deutschland immer noch eine Rarität. Kein festes Haus, kein großes Orchester, kein Vorhang. Stattdessen: ein Aquarium, eine Bibliothek, ein Club, eine Leinwand, Instagram. Die Bühne? Ist das Leben, sind die Menschen.

Oper werde hier nicht erklärt oder verteidigt. Sie passiere, sagt Tarraga. Chöre aus Menschen, die noch nie gesungen haben. Rapper auf der Bühne. Ein Publikum, das nicht zuschaut — sondern mittendrin ist, ohne es geplant zu haben. „Von einem Abend auf dem Sofa bis in ein großes Opernhaus ist es ein weiter Weg. Irgendwo dazwischen muss etwas sein. Das sind wir“, so Garcia Tarraga weiter. Wer kommt? „Menschen, die noch nie eine Oper erlebt haben. Und Menschen, die schon Hunderte Opern gesehen haben.“ Alle gingen anders raus, als sie reingekommen seien. „Was sich verändert, ist nicht die Musik. Es ist die Distanz, der Zugang.“

Seit 2024 widmet sich die KOR Mozarts Da-Ponte-Trilogie — drei Werke, die zusammen ein unerbittliches Porträt menschlicher Schwäche zeichnen. Liebe, Verrat, Macht, Begehren. Den Auftakt machte Così fan tutte im Aquazoo - Mozarts zynischstes Liebesdrama zwischen Pinguinen und Piranhas. 2025 folgte Don Giovanni. Im Herbst kommt „Le nozze di Figaro“. „Mozart“, sagt Elsa Garcia Tarraga, „gehört der Stadt.“

An der Theke
Neue Touristen-Information neben Alt-Brauerei An der Theke