Repair-Café im Düsseldorfer Gerricusstift

Gerresheim hält dagegen : Neues Repair-Café im Stift: Reparieren statt entsorgen

Der Düsseldorfer Gerricusstift bietet ein Repair-Café an. Unter dem Motto „Reparieren statt entsorgen“ werden dort Reparatur-Versuche dem Neukauf vorgezogen.

Joachim Gerresheim zieht seine Mundwinkel nach unten. Er hat die Kompaktanlage geöffnet und da kullert eine Feder durchs Gehäuse. „Ich glaube, die hat einen Kurzschluss verursacht.“ Das war’s dann mit dem Reparatur-Versuch. Kein Hoffnungsschimmer für die Besitzerin.

Die macht noch einen Anlauf. Die Bedienungsanleitung habe sie mit. „Ja, aber ich bräuchte viel Zeit und vor allem die Schaltpläne. In Italien sind die immer dabei.“

Der 53-jährige Konstruktionsingenieur aus Gerresheim sagt zu einem schmalen Mann neben ihm: „Es läuft etwas schief in unserer Welt.“ Und hat gleich das Fachwort dafür, was er meint. Obsoleszenz - das bewusst herbeigeführte Veralten und Verenden von Produkten, damit man sich ein neues kauft. „Das hier ist mein kleiner Widerstand.“

Heute ist im neuen monatlichen Repair-Café im Kaminzimmer des Stifts viel zu tun: Eine Uhr tickt nicht mehr, trotz neuer Batterie; die Birnen eines stilisierten Weihnachtsbäumchens aus Holz bleiben dunkel; eine LED-Lampe hat die hineingeschraubte Discokugel-Birne nicht verkraftet, und der Kochwecker lässt sich nicht mehr aufziehen.

Alle Reparaturkunden erhalten Nummern in der Reihenfolge ihres Eintreffens. Nummer 4 ist die zweite Kompaktanlage an diesem Nachmittag. Joachim Gerresheim presst seine Lippen zusammen und sagt dann: „Die Geräte sind sogar manchmal verklebt, man kann sie nicht einfach so öffnen.“ Er nimmt Kontaktspray, säubert das CD-Laufwerk, „das ist oft das einzige, was man tun kann.“

Nummer 6 hat einen futuristisch anmutenden Ghettoblaster dabei. Minka Hauschild schildert den Fehler: „Einer der Lautsprecher scheppert.“ Sie dreht den Regler auf und für 30 Sekunden wird der ruhige Werkstattraum zum Sound-Labor. „Ich tippe mal auf das Tiefton-Chassis.“ Eine Garantie kann er nicht geben, aber er rät Minka Hauschild, einen Ersatz zu bestellen. „Dann rufen Sie mich an und wir sehen weiter.“ Nebenan hat ein Mitstreiter von Gerresheim inzwischen den Küchenwecker instand gesetzt. Seine Besitzerin strahlt. „Ich dachte schon, ich müsste einen neuen kaufen.“

Der Weihnachtsbaum braucht neue Birnen - oder am besten eine 20-er-Lichterkette, die bei einem der nächsten Termine eingesetzt werden kann.

„Sehen Sie: Der Bedarf ist riesig.“ Seniorenreferentin Gabriela Jaik steuert für die Bürgerstiftung Gerricus neben den Räumlichkeiten Kaffee und Kuchen bei.

Neben den Lösungsversuchen hält der Nachmittag auch eine Kontaktbörse bereit. „Wer kann ein kombiniertes Telefon-, Fax-, Anrufbeantwortergerät gebrauchen? Geschenkt natürlich.“ Ein Finger geht hoch.

Joachim Gerresheim sieht sich jetzt eine uralte Rechenmaschine an, „wo liegt der begraben, der sich damit auskennt?“ Eine Walze lässt sich nicht bewegen. Er nimmt die Dose mit dem Kriechöl WD-40 in die Hand, eine Geheimwaffe von Tüftlern seit ihrem Einsatz in den 1950er-Jahren in der Raketenindustrie, und sprüht damit das Innere der Maschine ein.

Gerade macht sich Joachim Gerresheim selbstständig, „zurzeit kann ich mir die Zeit noch selber einteilen.“ Wer kann das noch? fragt Gabriele Jaik den Stadtteil. (schrö)

Wo sind die ehrenamtlichen Helfer, die etwa kleine Elektrogeräte reparieren können? Gabriela Jaik, 0211 22957933, 01711969357, jaik@st-margareta.de

Das nächste Repair-Café öffnet am 19. Juni von 14.30 bis 18 Uhr im Stift, Gerricusstraße.

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