1. Düsseldorf

Mehr Einschränkungen nach steigenden Infektionszahlen in Düsseldorf

Corona : Unsere Pappenheimer

Seit einer knappen Woche ist auch Düsseldorf bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner Corona-Risikogebiet.

Die Stadt hat die Zügel angezogen: Reduzierte Ansammlungen von Personen im öffentlichen Raum (fünf aus unterschiedlichen Haushalten, zehn an Tischen in Gaststätte), eine Kneipensperrstunde zwischen 1 und 6 Uhr, parallel dazu ein Alkoholverkaufsverbot, auch für Büdchen und Tankstellen. Die verstärkten Einschränkungen gelten zunächst bis Ende der Herbstferien.

Gerade die Sperrstunde sorgt bei Gastro-Betreibern vor allem in der scharf kontrollierten Altstadt für ebensolche Kritik. Ordnungsdezernent Christian Zaum hält sie dagegen für „verhältnismäßig, weil die groben Verstöße gegen die Schutzordnung vor allem nach Mitternacht zunehmen.“ Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann unterstreicht: „Bei 10 bis 15 Betrieben in der Altstadt sind stets Mehrfachverstöße zu verzeichnen. Wir kennen unsere Pappenheimer.“

Zimmermann will nicht verschweigen, „dass die meisten der rund 260 Gastrobetriebe in der Altstadt verantwortungsvoll mit den Bestimmungen umgehen und umgegangen sind.“ Aber er nennt auch Zahlen: 75 Prozent des Einsatzaufkommens beim Ordnungs- und Servicedienst (OSD) haben aktuell mit Corona-Verstößen zu tun. Das summiert sich auf bis zu 13.000 Einsätzen seit etwa acht Monaten. Bis Stand 11. Oktober waren 1319 Bußgeldverfahren angestoßen worden. Die Strafen können happig werden, sie betragen mindestens 250 Euro sind aber bis zu 5000 Euro steigerbar. Dennoch: Bei steigendem Alkoholkonsum und ausgelassenerer Stimmung seien Abstände und Masken vielfach vergessen.

Sorglose Partys in Corona-Zeiten sind mit Sicherheit als Quell sprudelnder Neuansteckungen ausgemacht, auch wenn Dr. Michael Schäfer, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes, von „allgemein diffusen Infektionswegen“ spricht. „Die Hälfte der Neuinfizierten kann nicht sagen, wo sich angesteckt wurde.“ Gleichwohl sei die medizinische Betreuung insgesamt nicht überlastet. Zu Beginn der Woche lagen 46 Covid 19-Patienten in den Krankenhäusern, 37 auf normalen Stationen, neun im Intensivbereich, wovon vier beatmet wurden. Die Stadt halte über 200 Beatmungsplätze vor. Schäfer: „Das ist noch nicht besorgniserregend.“

Ordnungsdezernent Zaum lobt zugleich die deutliche Bereitschaft der übergroßen Mehrheit der sich aktuell in Quarantäne befindlichen Menschen, besonnen zu agieren. Er appelliert auch bei den Maskenempfehlungen für eine Reihe Stadtteilzentren an die Eigenverantwortung der Düsseldorfer und Düsseldorferinnen, „wenn es dort mal enger wird. Wir wollen mit den Maßnahmen noch schwerwiegendere Einschnitte verhindern. Da kann man natürlich nicht ausschließen, dass es Leute trifft, die sich regelkonform verhalten.“

Das ist für Isa Fiedler, Sprecherin der Altstadtwirte und Besitzerin des „Knoten“ auf der kurze Straße, ein zu schwacher Trost: „Diese Maßnahmen sind purer Aktionismus und treffen erneut Branchen, die mit wenig Aussicht auf eine mittelfristige Besserung der Situation ohnehin schon am Rande der Existenz stehen“, schreibt sie Mitte der Woche auf Facebook. „Sperrstunden und Ausschankverbote befeuern, dass sich auch weiterhin Menschen privat in zudem schlecht belüfteten Räumen treffen.“ Dabei habe man sogar noch in schweren Zeiten investiert, um die Kneipenbesuche so sicher wie möglich zu gestalten. In Luftfilteranlagen oder auch Trennsysteme.

Zusammen mit anderen Gastronomen der Stadt prüft sie derzeit einen Eilantrag gegen die Verordnung. Bekommen die Kläger recht, hätten sie Anspruch auf Schadenersatz. Fiedler: „Unser Versprechen gilt: wir werden auch weiterhin alles in unserer Macht stehende dafür tun, dass alle sich bei uns sicher fühlen können. Wir wollen gemeinsam erreichen, dass diese Pandemie nicht auch noch unsere schöne Altstadt zerstört.“

(SP)