Im Einsatz für Düsseldorfs Erbe...

Mit der Gründung des Vereins „denkmal düsseldorf“ wollen zwei Männer aus Bilk die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich für den Erhalt von historischer Architektur zu engagieren und wenn nötig, vereint für das Erbe der Stadt einzusetzen.

 „denkmal düsseldorf“-Gründer Dr. Ingo Schiweck (l.) und Dr. Thorsten Graeßner vor dem ehemaligen WestLB-Gebäude am Fürstenwall - „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht!“.

„denkmal düsseldorf“-Gründer Dr. Ingo Schiweck (l.) und Dr. Thorsten Graeßner vor dem ehemaligen WestLB-Gebäude am Fürstenwall - „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht!“.

Foto: Nicole Gehring

Tausendfüßler, Schauspielhaus, Gaslaternen - die emotionalen, teilweise hitzigen Diskussionen über geschichtsträchtige architektonische Hinterlassenschaften der Stadt wurden zuletzt mit harten Bandagen geführt. Öffentliches Interesse, das Dr. Thorsten -Graeßner und Dr. Ingo Schiweck durchaus wohlwollend registrierten. „Das sind Themen, die die Menschen bewegen“, sagt Historiker Schiweck. Dennoch, gerade in den weniger öffentlichkeitswirksamen Vorgängen läge die Gefahr, dass „Düsseldorf sein architektonisches Erbe weiter mit Füßen tritt“, wie die beiden es durchaus geharnischt formulieren.

„Das Fass zum Überlaufen“ brachte für Geowissenschaftler und Hobby-Historiker Thorsten Graeßner, der für die Grünen in der Bezirksvertretung 3 sitzt, die Entscheidung der Stadtteilpolitiker für den Abriss des ehemaligen WestLB-Gebäudes an der Friedrichstraße/ Ecke Fürstenwall im September 2015. Graeßner stimmte als Einziger für den Erhalt des nicht unter Denkmalschutz gestellten Bauwerks. Die neoklassizistische Fassade vom Ende des 19. Jahrhunderts plus Neubau im Stil der 1950er Jahre - „Ein Bau, der uns über Jahrzehnte - durch die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Aufbaujahre der Bundesrepublik begleitet hatte, verschwindet einfach“, sagt Schiweck.

Verluste, die das Duo so nicht mehr hinnehmen will. Was ihnen jedoch seiner Meinung nach nicht leicht gemacht wird. „Das Amt für Denkmalschutz ist Teil der städtischen Verwaltung mit entsprechender Ausrichtung“, sagt Schiweck. „Zudem können die Mitarbeiter dort auch nicht alles im Blick haben.“ Auch spricht er von der Macht des Kapitals, was er nicht ideologisch verstanden wissen möchte, aber doch sein Misstrauen weckt. „Da üben große Investoren Einfluss aus, so dass vielleicht schon mal weg geguckt oder die Diskussion abgekürzt wird.“

Doch genau darum geht es Thorsten Graeßner: „Wir wollen mit dem Verein Ansprechpartner für die Düsseldorfer und Düsseldorferinnen sein, die ihre Umgebung durchaus kritisch beobachten sollen. Transparenz erzeugen, Diskussionen über den möglichen Verlust oder die Veränderung eines Bauwerks anstoßen, Interessen bündeln.“ Im Fokus hat er aktuell etwa das alte Albrecht-Dürer-Kolleg in Bilk, dessen Umzug nach Benrath beschlossene Sache ist. Graeßner: „In den Räumen ist Heimatdichter Heinrich Spoerl zur Schule gegangen. Auch hier könnte man über Denkmalschutz streiten.“

Für Ingo Schiweck und Thorsten Graeßner gibt es in Düsseldorf keine private Organisation, die das Ansinnen des Schutzes architektonischer Besonderheiten der Stadt effektiv verfolgen würde. „Wir sind fest entschlossen, das durchzuziehen und heißen jeden willkommen, der sich mit uns engagieren will“, so Schiweck. Etwaige Widerstände kalkuliert Thorsten Graeßner ein. „Am Anfang wird man uns vielleicht nicht ernst nehmen, aber wir haben keine Eintagsfliege geplant und einen langen Atem...“

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)
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