Dr. Stefanie Arndt erforscht bei MOSAiC-Expedition den Klimawandel

Im ewigen Eis : Dr. Stefanie Arndt erforscht den Klimawandel

Es ist die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: Seit Herbst 2019 driftet der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern eingefroren durch das Nordpolarmeer. Auf der MOSAiC-Expedition (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) erforschen Wissenschaftler, darunter auch die Meereisphysikerin Dr. Stefanie Arndt vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, die Arktis im Jahresverlauf.

Kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt. Ziel der Expedition ist, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Die Forschungsergebnisse sollen auch Einblick geben in Möglichkeiten, den Klimawandel einzudämmen. Ein Meilenstein für die Klimaforschung, die daraus resultierenden Daten wertvoll für Generationen. Dem Düsseldorfer Anzeiger beantwortete Dr. Stefanie Arndt drei Fragen.

Frau Dr. Arndt, Sie werden eine von rund 600 Forscherinnen und Forschern aus 19 Nationen sein, die an der MOSAiC-Expedition teilnehmen. Was wird Ihre Aufgabe an Bord der „Polarstern“ sein?

Ich werde von Mitte Januar bis Mitte April an Bord der Polarstern sein und vor Ort das international besetzte Meereis-Team leiten. Darüber hinaus werde ich für alle Aufgaben rings um das Thema Schnee zuständig sein. Dabei geht es im Wesentlichen darum zu sehen, wie sich die physikalischen Eigenschaften der Schneeauflage über das Jahr verändern. Das ist auf unserem Abschnitt ganz besonders spannend, da Ende Februar, Anfang März langsam die Sonne zurückkehren wird, die den Schnee und die damit verbundenen Prozesse maßgeblich verändern wird.

Die zentrale Arktis ist weit entfernt von Deutschland und gilt dennoch als Wetterküche auch unserer Breitengrade. Ihre Forschungsergebnisse werden einfließen in die Prognosen zum Thema Klimawandel. Sind Sie zuversichtlich, dass die Erkenntnisse der Reise Einfluss haben werden auf politische Entscheidungen der Zukunft?

Ja, ich bin sehr zuversichtlich. Grund für meine Zuversicht ist, dass nach den zwei sehr heißen und trockenen Sommern, die auch in Deutschland hinter uns liegen, keiner mehr die Augen vor den anhaltenden Veränderungen verschließen kann. Somit ist das Thema Klimawandel und dessen Folgen ein Thema geworden, das die Gesellschaft interessiert und wo die Gesellschaft immer mehr Einsicht, Reaktionen und vor allem Konsequenzen von der Politik fordert. Und dem kann und wird sich unsere Politik nicht entziehen können.

E-Roller und Umweltspuren – es mutet gering an, was deutsche Städte derzeit unternehmen, um den Klimawandel aufzuhalten. Ist es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung oder eigentlich vergeblich?

Ich denke, es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Innenstädte sollen autofrei gemacht werden. Öffentlicher Nah- und Fernverkehr soll günstiger und attraktiver gestaltet werden. E-Roller und „shared“- Fahrräder dominieren mehr und mehr das Stadtbild deutscher Großstädte. Diese Maßnahmen scheinen auf den ersten Blick alles unnütze Kleinigkeiten zu sein. Wenn man sie aber in ihrer Gänze sieht und den geplanten größeren Ausbau all dieser Infrastrukturen betrachtet, bin ich grundsätzlich großer Freund davon. Denn wir werden nicht über Nacht zu einem klimafreundlicheren Staat. Stattdessen ist es ein langwieriger Prozess, der mit genau solchen Maßnahmen beginnt. Und wir müssen damit beginnen; das ist das Wichtigste.

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