„Kriminalprävention/Opferschutz“ der Düsseldorfer Polizei möchte Opferzahlen reduzieren

Opferschutz fester Bestandteil von Polizei-Arbeit : Es geht nicht nur um Täter

Taschendiebstähle, Telefon-Trickbetrüger, Gewaltstraftaten, Wohnungseinbrüche – es gibt Verhaltenstipps, die dabei helfen können, kein Opfer von Straftaten zu werden. Das Kriminalkommissariat „Kriminalprävention/Opferschutz“ der Düsseldorfer Polizei setzt sich dafür ein, Opferzahlen zu reduzieren.

In unserer Serie „Straftaten vorbeugen“ stellen wir die Bereiche der kriminalpräventiven Arbeit und die jeweiligen Ansprechpartner der Polizei vor. Weiter geht es mit Kriminaloberkommissarin Juliane Bosselmann. Sie ist für den Bereich Opferschutz zuständig.

Und dann passiert es doch: In die Wohnung wurde eingebrochen, beim Altstadtbummel die Handtasche gestohlen. Opfer einer Straftat zu werden, ist für jeden Menschen ein unangenehmes Erlebnis. Mitunter auch ein verstörendes. Besonders dann, wenn man Opfer eines Raubes oder einer Gewalttat wurde. Also was tun, wenn man bestohlen, beraubt, erpresst, missbraucht oder verprügelt wurde?

„Sofern es möglich ist, sollte man am besten schon aus einer solchen Situation heraus die Polizei unter der 110 alarmieren. Bei einem Überfall auf der Straße gibt es oftmals Zeugen, die die Polizei rufen. Spielt sich das Verbrechen eher im privaten Umfeld - Stichwort häusliche Gewalt - ab, dann zögern Opfer sogar und melden sich nicht bei uns“, sagt Kriminaloberkommissarin Juliane Bosselmann und weist darauf hin, dass sich Betroffene auch im Nachhinein unbedingt bei der Polizei melden sollten: „Eine Straftat sollte immer angezeigt werden. So können wir die Ermittlungen einleiten und den Täter zur Rechenschaft ziehen.“

Doch der Beamtin geht es nicht nur um die Täter. Auch der Opferschutz beziehungsweise die Opferhilfe sind feste Bestandteile der polizeilichen Arbeit in Düsseldorf. Die Ausnahmesituation, in der sich Opfer befinden, zu berücksichtigen, adäquate Hilfsangebote zu vermitteln und über Opferrechte und den Ablauf eines Strafverfahrens zu informieren - das liegt Juliane Bosselmann am Herzen. Direkten Kontakt zu Opfern einer Straftat hat sie in der Regel weniger. Die Hauptaufgabe der Kriminaloberkommissarin besteht darin, auf regionaler Ebene Netzwerke mit Hilfeeinrichtungen wie der Frauenberatungsstelle, dem Weißen Ring e.V., ProMädchen und anderen Einrichtungen, zu initiieren und zu unterstützen.

Zudem schult sie ihre Kollegen im Umgang mit Opfern und der Vermittlung von Informationen rund um die Themen Opferschutz und Opferhilfe. „Bereits bei der Anzeigenaufnahme erklären die Kollegen bei Bedarf, welche Hilfemöglichkeiten wir hier in Düsseldorf haben. So gibt es unter anderem die Ambulanz für Gewaltopfer, die sich an Menschen richtet, die physische, aber auch psychische Gewalt erlebt haben. In bestimmten Fällen besteht zudem auch die Möglichkeit finanzielle Unterstützung zu erhalten“, so Bosselmann.

Wichtig: Die Polizei begleitet Opfer nicht therapeutisch. Sie agiert als Vermittler und verweist an entsprechende Stellen. „Suchen Opfer Hilfe, können wir sie an die entsprechenden Hilfeeinrichtungen vermitteln“, sagt die Expertin. Über die Jahre habe sich der Fokus in der polizeilichen Arbeit immer mehr auch auf die Opfer von Straftaten verlagert, erzählt Juliane Bosselmann. „Wir leisten mit unserer Arbeit alles dafür, dass Betroffene Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Oft höre ich unterwegs, wie sich Jugendlich gegenseitig als Opfer beschimpfen. Einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, ist belastend. Natürlich löst nicht jeder Einbruch oder Taschendiebstahl ein Trauma bei Betroffenen aus. Dennoch finde ich, dass man sich Gedanken darüber machen sollte, was es eigentlich heißt, bestohlen, belästigt, misshandelt oder verprügelt - also ein Opfer geworden - zu sein. Das Wort Opfer sollte kein Schimpfwort sein.“

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