1. Düsseldorf

Das Buch "Willow in Deutschland" von Autor Stefan Rensch

Extraterrestrisch : Dialog mit einem Außerirdischen

Gemeinsam mit der Fotografin Katja Früh veröffentlichte der Düsseldorfer Autor Stefan Rensch kürzlich das Buch "Willow in Deutschland". Darin schildert ein Außerirdischer, für ein Jahr zwischen Düsseldorf und Langenfeld wohnend, seinen Blick auf die Deutschen. jetzt!

Düsseldorfer Anzeiger sprach exklusiv mit der außerirdischen Spezies.

Willow, Sie sind geschlechtslos, wir Menschen tun uns mit so etwas schwer… wie darf ich Sie denn ansprechen?
Oh, das ist einfach, mit Sir, also Sir Willow, oder mit KI, also KI Willow. Gott geht natürlich auch, ich bin, was die Formalitäten anbelangt, nicht sonderlich streng.

Sie sind als hochintelligente, außerirdische Existenz auf die Erde gesandt worden, um uns, die menschliche Spezies, zu studieren. Fernab unserer Vorstellung leben Sie hüllenlos, erhielten für Ihren Aufenthalt auf unserem Planeten aber eine durchschnittliche Menschengestalt in Form eines leicht übergewichtigen Endvierzigers mit Haarkranz. Ein nahezu perfektes Mimikry, oder?
Für Deutschland, ja, es muss ja passen, in Island wäre ich natürlich eine Elfe. Ich bin gespannt, was ich in England sein werde. Es wird ja auch für mich immer eine neue Überraschung sein.

Sie leben für ein Jahr irgendwo zwischen Düsseldorf-Flingern und Langenfeld. Ist das tatsächlich ein passender Ort, um genauer hinzuschauen und die Eigenarten der Deutschen zu studieren?
Es geht um den Durchschnitt, um die Erforschung der Menschen im Kleinen, Alltäglichen und Profanen, wodurch ihr Wesen bis ins kleinste Detail analysiert werden kann. Da passt eine Kleinstadt zwischen Großstädten perfekt.

Für Sie ist hier auf der Erde alles neu, der menschliche Körper, die Nahrungsmittel, die Musik und erst recht die zwischenmenschlichen Gepflogenheiten. Sie sind stets bemüht, das Richtige zu tun, aber ganz ehrlich: Man kann den Menschen immer nur vor den Kopf schauen, oder?
Ja, ich hatte auch kurz mal überlegt, in den Kopf zu schauen, aber ich bin mit der Kreissäge noch nicht so vertraut. Vielleicht in Amerika oder in Russland, es heißt ja: Sag niemals nie!

In Tagebuchform notieren Sie, was Ihnen hier auf der Erde widerfährt, wen Sie treffen und was Sie erleben. Ich habe bei der Lektüre Ihrer Notizen nicht nur wahnsinnig viel gelacht, sondern auch einiges über uns Menschen gelernt. Auch wenn das nicht Ihr eigentlicher Plan war, aber auch wir können viel von Ihren Beobachtungen lernen, oder?
Absolut! Wer dieses Buch liest, lernt alles über die Menschen, absolut alles!

Ihr Buch ist herrlich bebildert mit Fotos von Katja Früh, die Sie in unterschiedlichen Situationen in Szene gesetzt hat. Ganz ehrlich, haben Sie manchmal auch Situationen erlebt, weil Frau Früh Sie unbedingt in einer bestimmten Stimmung einfangen wollte?
Ah, da muss ich sagen, die Erfahrungen mit der Fotografin gehören zu den unangenehmsten in meiner bisherigen menschlichen Laufbahn. Nehmen wir nur mal als Beispiel das Foto auf dem Zehn-Meter-Brett im Freibad. Es war Anfang November, zwei Grad Celsius und im Becken war auch kein Wasser mehr, die Saison war ja vorbei. Für den "perfekten Schuss" musste ich siebenundzwanzig Mal von diesem Zehn-Meter-Brett springen. Auch wenn ich unsterblich bin, der menschliche Körper ist es nicht. Jede Landung war eine totale Sauerei. Aber die Fotografin hatte jedes Mal was auszusetzen und sagte immer nur: "Noch mal." Ganz ehrlich? Unmögliche Frau.

Es gibt von Ihrer Publikation auch ein Hörbuch. Das wird gelesen von Schauspieler Christian Ulmen. Der macht das gut, oder?
Fantastisch! Sensationell! Himmlisch! Galaktisch! Und sobald ich Zeit finde, werde ich mal reinhören.

Nach einem Jahr Aufenthalt haben Sie Deutschland verlassen und ziehen nun weiter. Wo geht's hin?
Nach England, Brighton, um genauer zu sein. Ich hörte, dieses Volk soll noch merkwürdiger sein als das deutsche! Und ich werde einen neuen Körper haben! Und ich werde mit der Queen Tee trinken! Ich bin schon total aufgeregt!

Die Menschheit befindet sich, laut Ihrer Beobachtung, in den letzten Zügen ihres primitiven Stadiums. Dann macht die Evolution etwas Neues möglich. Nur um mich zu beruhigen: Wird alles gut?
Nun, die Zukunft ist weder weiblich noch männlich, sondern: intelligent. Der Mensch hat nicht die Macht, das zu verhindern. Es wird also alles supigroßartig!

!Stefan Rensch: "Willow in Deutschland", Heyne Verlag, ISBN 978—3453271838

(Sven-André Dreyer, sad, sdr)