Ausflug ins Siebengebirge und zum Drachenfels

Rheinromantik : Ausflug zum Drachenfels

Ich glaube, wir sind nicht die einzigen, die auf die Idee gekommen sind“, sagt mein Begleiter. Recht hat er! Unsere Idee: ein Ausflug zum Drachenfels. An einem frühlingshaft-sonnigen Sonntag noch dazu. Nein, alleine sind wir damit nicht. Schon im RE8, der uns auf der rechten Rheinseite von Köln nach Königswinter bringt, ist der Wanderrucksack das Standard-Accessoire schlechthin.

Manch ein Mitreisender hat sogar hochgebirgserprobtes Schuhwerk und Wanderstöcke dabei. Vom Bahnhof Königswinter folgt der gar nicht so kleine Tross den Hinweisschildern zur Talstation der Drachenfelsbahn. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Jene, die es kommod mögen, nehmen die Zahnradbahn, übrigens die älteste ihrer Art, die noch in Betrieb ist (Baujahr 1883). Sie überwindet auf der 1,5 Kilometer langen Strecke einen Höhenunterschied von 220 Metern und bewältigt dabei trotz ihres Alters Steigungen von bis zu 22 Prozent.

Uns, die wir uns zu Fuß auf den Weg machen, geht es kaum besser. Gerade das erste Stück des sogenannten Eselswegs ist schweißtreibend steil! Die Esel, die am Fuße des Berges bereitstehen, um Besucher hinaufzutragen, sind bei unserem Besuch noch im Winterurlaub (und nehmen ohnehin nur Kinder auf ihre Rücken). Also los, soll ja ein Wanderausflug sein! Zunächst mal ist aber Slow Motion angesagt: Schneckengleich kriechen wir und unsere Mitwanderer bergan. Wären wir nicht so aus der Puste, würden wir spätestens jetzt den in die Jahre gekommenen Karnevalshit „Es war in Königswinter“ anstimmen, aber wir müssen uns leider aufs Atmen konzentrieren. Unser Fußtrupp könnte übrigens diverser nicht sein: Ein asiatisches Paar mit Kind, zwei dampfplaudernde Frauen mit Kopftüchern und jede Menge rüstige Senioren sind mit uns unterwegs gen Drachenfels. Gemeinsam passieren wir Weinreben, Terrassenlokale, die Nibelungenhalle nebst Drachenhöhle und Reptilienzoo und Schloss Drachenburg. Fazit: Definitiv zu viele Drachen hier!

Davon einmal abgesehen wirkt die Umgebung so, als sei die Zeit schon vor Jahrzehnten stehengeblieben. Wie auf einem Ölgemälde der Düsseldorfer Malerschule, die sich hier einst von der Natur inspirieren ließ. Überhaupt, die Künstler, große Fans der Rheinromantik. Auch Johann Wolfgang von Goethe und Hölderlin waren hin und weg. Nach einer dreiviertel Stunde Aufstieg wissen wir, warum sich dieser Ort schon seit dem 19. Jahrhundert extremer Beliebtheit erfreut. Makler würden sagen: Lage, Lage, Lage. Will heißen: Der Ausblick ist einfach gigantisch! Auf der einen Seite nichts als bewaldete Hügel. Auf der anderen Seite der Rhein mit den zwei Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth vor Bad Honnef, der Bonner Post Tower (162,5 Meter), weiter hinten meint man den Kölner Dom zu erkennen. Über uns die Drachenfels-Ruine, 270 Meter unter uns das Wein-Städtchen Königswinter.

Wohin man schaut, sieht man glückliche Gesichter. Das mag auch an der guten Verpflegungssituation liegen. Von Kuchen bis Pommes, von Wurst bis Eis, von Bier bis Limo ist so ziemlich alles zu haben, was sich der hungrige Wandersmann (oder Zahnradbahn-Fahrer) wünscht. Selbst der beleibte Herr im Trikot von Borussia Mönchengladbach wirkt zufrieden. Dabei hat sein Verein am Vortag 3:1 bei Fortuna Düsseldorf verloren.

Mehr von Düsseldorfer Anzeiger