Düsseldorf: Urban Art Walk präsentiert Kunst im öffentlichen Raum

Mit neuen Augen sehen : Urban Art Walk zeigt Kunst im öffentlichen Raum

Einmal wöchentlich, jeweils an einem Samstag um 12 Uhr, lädt Klaus Rosskothen zum "Urban Art Walk" ein. Und dazu, die Stadt mit ganz neuen Augen zu sehen.

Die Unterführung am Mintropplatz hallt wider von vorbeifahrenden LKW. Ein Autofahrer hupt und gestikuliert wild, als er einen Radfahrer, der auf der Fahrbahn statt auf dem Radweg fährt, überholt. Hier, an der Grenze zum Stadtteil Oberbilk, beginnt Klaus Rosskothen mit seinem Rundgang, der Interessierte an öffentliche Kunstplätze in Düsseldorf führt.

"Wem gehört die Stadt?" Die Frage mahnt dekorativ in der Unterführung, das mitunter auch politische Thema Street Art steht im Zentrum des rund zweistündigen Ausflugs, zu dem der 50-jährige Rosskothen über den Anbieter Düsseldorf Tourismus einlädt, um nicht nur Touristen, sondern insbesondere auch Düsseldorfern die Kunst im öffentlichen Raum näher zu bringen.

Und die ist geprägt durch facettenreiche, ausdrucksvolle Äußerungen, manchmal Slogans und schnelle Botschaften, häufig aufwendig gestaltete Bilder oder Installationen. Das Besondere: Nicht Museen und Galerien allein sind heute Ausstellungsort moderner Kunst, insbesondere abseits geschlossener Räume findet immer häufiger aufregende, progressive und spannende Kunst statt. So verbinden Urban-Art-Künstler etwa klassische Kunstrichtungen mit Pop, Punk, Graffiti oder Streetart und reflektieren dabei — häufig unter einem Künstlerpseudonym — die Gedanken und die Stimmungen der heutigen Zeit, stets geprägt von einem urbanen Umfeld.

Genau das nutzen die unterschiedlichen regionalen, nationalen und internationalen Künstler auch in Düsseldorf dabei als größtmögliche Galerie, um so den öffentlichen Raum mit großen Wandbildern, aber auch Stickern oder kleinen Installationen zu rekultivieren. "Urban Art ist Kunst von Künstlern, die, ganz klassisch, auch in Ateliers arbeiten, die, gegebenenfalls auch museal, Ausstellungen machen, die aber auch das Bespielen des öffentlichen Raumes als Bestandteil ihrer Kunst begreifen", erklärt Rosskothen. Seit zwölf Jahren betreibt er die Galerie Pretty Portal an der Brunnenstraße, eine Galerie, die sich mit der Kuratierung und Ausstellung internationaler Street-Art etablieren konnte. Der Fokus: Urban Art.

"Viele der Künstler hatten ihren Ursprung im Umfeld der Graffiti-Szene", erzählt der Galerist. Auch das eine Auseinandersetzung mit der sie umgebenen Urbanität. Die Weiterentwicklung ihrer Kunst ist schließlich vielfältig: Illustrativ, narrativ, figurativ aber auch mitunter abstrakt arbeiten die Künstler heute mit unterschiedlichen Werkstoffen und Ausdrucksformen, mit Schablonen oder schnellen Botschaften und transportieren so politisch-soziale Äußerungen genauso wie die Darstellung und Umsetzungen ihrer eigenen Gefühlswelten.

Allen gemein ist, dass sie ästhetische Ansprüche haben und — durch die Anbringung im öffentlichen Raum, und damit anders als in Museen oder Galerien — durch ein breites Publikum wahrgenommen werden können und wollen. So ist aber nicht nur die aktive regionale Graffiti-Szene Bestandteil der von Rosskothen auf seinen Rundgängen besuchten öffentlichen Kunstorten, auch die über die Jahre von internationalen Künstlern angebrachten Werke erläutert der Galerist auf seinem Weg durch die Stadtteile Oberbilk, Friedrichstadt und Bilk. Dabei sind es nicht allein die opulenten und weithin wahrnehmbaren Werke, auf die Rosskothen aufmerksam macht, auch die kleine, mitunter versteckt angebrachte Kunst ist Gegenstand seiner Ausflüge in die Szene. Er führt die Teilnehmer zu Werken von Jana&JS und FinDAC, Pixelpancho oder L.E.T.. Und nebenbei entdecken sie PDOTs Geister mit kugelrunden Augen, Sticker-Art und Paste-ups von ebenfalls regionalen und internationalen Künstlern. Zudem Kunst, geschaffen aus Bügelperlen etwa oder aus Holz. Hintergrundinformationen zur Entstehung der Werke, zu den Künstlern sowie kurze Einblicke in die Düsseldorfer Stadtgeschichte runden die Urban Art Walks von Klaus Rosskothen ab und sorgen so in Zukunft vielleicht für eine veränderte Wahrnehmung des öffentlichen Raums und der darin verborgenen Kunst mit öffentlicher Relevanz.

Jeden Samstag, 12 Uhr, Führungen sind hier buchbar

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