1. Düsseldorf

Was ist ein Trauma?

Was ist ein Trauma?

Was muss ich beachten, wenn ich mit einem Menschen in Kontakt trete, der auf seiner Flucht Schlimmes erlebt hat? Das wollen Ehrenamtler wissen und zwei Spezialistinnen aus der LVR-Klinik antworten. Was zu vielen Aha-Erlebnissen führt.

Es war enorm, welche Begriffe den Helferinnen und Helfern im Stiftssaal von St. Margareta durch den Kopf schossen, als sie um Assoziationen zum Wort „Flüchtling“ gebeten wurden: „Heimat“ - „Angst“ - „Ausgrenzung“ - „Verlust“ - „Unsicherheit“ - „Fremdheit“ - „Rettung“ - „Tod“ - „Demütigung“ - „Trennung“ - „Hunger“ - „Sprachlosigkeit“ - „Neubeginn“ - „Kulturschock“ - „Sprachbarrieren“ - „Armut“ - „Den Beruf nicht mehr ausüben können“.

Diplom-Psychologin Monika Schröder begann dann mit Hintergrundinformationen. „Viele fliehen gar nicht nach Europa, sondern in andere Teile ihres Landes oder in ein Nachbarland.“ Weil sie eigentlich schnell wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen. Die meisten Flüchtlinge in Europa stammen aus Syrien, dem Kosovo, Serbien und Albanien. Wenn Krieg die Ursache ist, gibt es viele, die nicht erzählen von ihrer Flucht, die nicht erzählen können, „und die, die es auch nicht sollten“.

Dr. med. Ljiljana Joksimovic erklärte dann den Begriff „Trauma“: „Wenn wir körperlich oder seelisch so verletzt worden sind, dass es unsere Kräfte übersteigt, sind wir traumatisiert.“ Der Mensch kann nicht mehr funktionieren „und er fühlt sich als großer Verlierer.“ Viele empfänden Schuld. Er muss sich ungewollt immer und immer wieder an das Schlimme erinnern und die schreckliche Erinnerung ist hochlebendig. Körperliche Schmerzen erscheinen „und wir Ärzte mögen es überhaupt nicht, mit Schmerzen zu tun zu haben, die man nicht erklären kann.“

Frau Joksimovic sagte weiter: „Es macht mich immer wieder traurig, wenn ich sehe, wie viele sehr junge Menschen hohen Blutdruck haben oder Diabetes.“ Ein Drittel der Menschen entwickelt chronische Krankheiten.

Was hilft? Monika Schröder: „Psychotherapie.“ Problem: Den Dolmetscher bezahlt die Krankenkasse nicht. „Und ob wir alle sofort Deutsch lernen lassen sollten? Das kann auch inhuman sein.“ Weil Flüchtlinge in dieser Belastungssituation schlecht lernten. „Vielleicht sollten wir sie erst in einem zweiten Schritt dazu auffordern.“

Was kann man selbst tun? „Zunächst einmal lösen auch bei uns Ärzten Patienten ganz unterschiedliche Gefühle aus. Das ist nicht schlimm; man muss es nur wissen.“ Dann sollte man ihnen zu verstehen geben, dass es in Ordnung ist, das sie da sind - nicht nur mit Worten, sondern mit der eigenen Ausstrahlung. Gemeinsam kochen, basteln, wandern, langsam sprechen und sich immer wieder fragen: War ich schon selbst einmal in Not? Was hat mir geholfen?

Eine lebhafte Diskussion beendete den Abend, den die Bürgerstiftung Gerricus organsiert hatte.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)