Hospizverein startet Trauer-Projekt für die Angehörigen von Corona-Toten Briefe an die Gestorbenen

Die Covid 19-Pandemie ist mit ihrem Fokus auf Zahlen mitunter auch rational und mathematisch - 7-Tage-Inzidenz, Impfquote, Infizierte, Genesene. Doch spätestens bei der Zahl der Corona-Toten wird es hoch emotional; in Düsseldorf sind es (Stand Mittwoch) 394. Für deren Angehörige und Freunde startet die Ökumenische Hospizbewegung Düsseldorf-Süd (ÖHB) in Benrath jetzt ein Trauerprojekt - Titel: „Ein Brief an Dich“

 Foto: Bruno /Germany auf 

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Foto: Pixabay

Heike Breitrück ist die leitende Koordinatorin des Vereins für Trauerbegleitung auf der Cäcilienstraße. „Die Trauerarbeit der Angehörigen von Menschen, die an Covid 19 verstorben sind, ist stark erschwert“, sagt sie. „Kein persönliches Abschied nehmen, die Opfer sterben allein, daraus resultieren eventuell Schuldgefühle, auch Wut.“ Zudem seien die Möglichkeiten bei der Bestattung stark eingeschränkt. „Die Menschen haben Angst davor, dass die Verstorbenen vergessen werden“, so Breitrück. Hinzu käme die teilweise polarisierte gesellschaftliche Debatte. „Wir hören von Erfahrungen von Angehörigen, die über den Tod eines lieben Menschen durch Corona berichten und durchaus die Frage gestellt bekommen: ‚Und woran ist er wirklich gestorben?’“, erzählt Breitrücks Kollegin Claudia Gelb.

Da auch die persönliche Hospiz-Arbeit durch die Kontakt- und Schutzmaßnamen leidet, ist man bei der ÖHB auf die Idee von „Ein Brief für Dich“ gekommen. Mitarbeiterin Angelika Ockel skizziert sie: „Zugehörige jeglichen Alters - schließlich haben auch Kinder ihre Großeltern verloren - sind eingeladen, in Briefform an ihre jeweiligen Verstorbenen Erinnerungen festzuhalten, an die Zeit der Krankheit, des Abschieds, der Trauer. Die Briefe können unterschiedlich lang sein, auch Fotos oder gemalte Bilder enthalten.“ Beispiele für die inhaltliche Herangehensweise: „Was ich dir noch hätte sagen wollen..., „Was ich noch fragen möchte...“ oder „Wie es mir jetzt geht...“. Heike Breitrück ergänzt: „Es geht sowohl um die direkte Ansprache an den gestorbenen Menschen als auch um die eigene Auseinandersetzung damit.“

 Heike Breitrück von der Ökumenischen Hospizbewegung Düsseldorf-Süd

Heike Breitrück von der Ökumenischen Hospizbewegung Düsseldorf-Süd

Foto: ÖHB

Für die Sammlung und Aufbewahrung der Beiträge hat man das Benrather Heimatarchiv gewonnen. Zunächst will man lokal starten, je nach Resonanz jedoch auch aufs gesamte Stadtgebiet in Zusammenarbeit mit weiteren Hospizvereinen ausdehnen. Auch ein Einband ist möglich, vor allem, um späteren Generationen als Dokument dieser Zeit und auch über das Leid zu dienen. Eine gewünschte Anonymität der EinsenderInnen sei dabei selbstverständlich.

 „Wir hoffen auf einen guten Widerhall in der Stadt“, sagt Angelika Ockel. Man sei aber auch froh, wenn die Hospiz-Arbeit auch auf der persönlichen Ebene wieder aufgenommen werden könne. „Gleichwohl ist das Thema ‚Sterben’ und insbesondere der ‚würdige Tod’ in dieser Zeit stärker ins Bewusstsein gerückt. Das kann unserer Arbeit nur nützen.“

Die Mailadresse für einen Brief, ein Bild oder Foto lautet: 

Auf dem Postweg: ÖHB Düsseldorf-Süd, Cäcilienstr. 1, 40597 Düsseldorf

Telefon: 0211 – 7022830

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