Alan Parsons kommt in die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf.

Alan Parsons im Interview : „Musik machen ist wie Magie“

Alan Parsons hat ein feinsinniges Gespür für den Zauber der Klänge. Gerade wurde er für seinen remasterten Klassiker „Eye In The Sky“ mit einem Grammy ausgezeichnet.

Die Trophäe ist noch warm, da legt der legendäre Pink-Floyd-Produzent und Beatles-Toningenieur auch schon wieder nach. Sein aktuelles Solowerk „The Secret“ ist ein Konzeptalbum rund um das Thema Magie. Darauf lässt Genesis-Mitbegründer Steve Hackett seine unverkennbare Gitarre erklingen.

Mr. Parsons, Sie haben zum ersten Mal seit 2004 wieder ein Studioalbum aufgenommen. Titel: „The Secret”. Welcher Sound schwebte Ihnen für die Platte vor?

Ich wollte zurück zum Originalstil des Alan Parsons Project. Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Mein letztes Album „A Valid Path“ war ein Experiment und sehr elektronisch. Es hat sich nicht besonders gut verkauft. Ich bin froh, dass ich wieder zu meinem klassischen Sound zurückgefunden habe. Auf diese Platte bin ich wirklich sehr stolz.

Der Song „Fly To Me“ klingt wie eine Hommage an die Beatles.

Ich glaube, das liegt daran, dass der Sänger des Songs – Mark Mikel – ziemlich nach John Lennon klingt. Ich hatte jedenfalls nicht bewusst vor, eine Hommage an die Beatles zu machen. Vielleicht habe ich es ja unbewusst getan. Jeder Musiker ist irgendwie von den Beatles beeinflusst. Es gefällt mir, wenn man meine Musik mit ihnen vergleicht.

„The Secret” ist Ihre erste neue Platte seit 2004 ...

Das stimmt und es ist kaum zu glauben, oder?

Neigen Sie als Perfektionist dazu, mit einer Arbeit niemals fertig zu werden?

Bevor ich von der Plattenfirma angesprochen wurde, hatte ich gar nicht die finanziellen Möglichkeiten, um ein neues Album realisieren zu können. Sie haben mir dann ein wirklich gutes Angebot für eine Studioproduktion gemacht. Zuvor hatten sie von mir eine Live-Platte veröffentlicht, die wir in Madrid aufgenommen haben. Frontier Records hat mich jahrelang regelrecht verfolgt mit der Bitte um eine neue Studioplatte. Am Ende machten sie mir ein unmoralisches Angebot, das ich einfach nicht ausschlagen konnte.

Geht Ihnen das Songschreiben heute leichter von der Hand als früher?

(lacht): Es fällt mir immer leichter, je näher der Abgabetermin rückt. Deadlines können sehr inspirierend sein. Aber schon in dem Moment, wo ich beschlossen hatte, eine neue Platte zu machen, kamen mir die ersten Ideen zugeflogen.

Wie haben Sie sich als Songschreiber weiterentwickelt?

Ich glaube, ich schreibe heute bessere Texte als früher. Immer wenn ich einen neuen Song mache, erfahre ich etwas über die Person, die ich vorher war.

Der Eröffnungssong der neuen Platte „The Sorcerer’s Apprentice“ („Der Zauberlehrling“) ist im Original die Vertonung der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe. Wie kamen Sie darauf, das Stück zu covern?

Das Stück wurde um 1890 herum von dem französischen Komponisten Paul Abraham Dukas geschrieben. Wir haben davon eine Rockversion gemacht. Wer Walt Disneys Zeichentrickfilm „Fantasia“ von 1949 gesehen hat, wird das Stück kennen. Die meisten Leute assoziieren den „Zauberlehrling“ tatsächlich mit Micky Maus, der Hauptfigur aus dem Film.

Ist „The Secret“ ein Konzeptalbum im klassischen Sinne?

Ja. Magie war immer ein Teil meines Lebens. Ich trete als Amateurmagier auf, seit ich denken kann. Ich liebe es, mir Zaubershows anzuschauen. Viele meiner Freunde sind Magier und ich bin selbst Mitglied der wohl berühmtesten Zauberkünstlervereinigung der Welt, The Magic Castle in Hollywood. Ja, ich liebe die Magie! Es war ein großer Spaß, Songs zu schreiben, die mit dem Thema zu tun haben.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zaubern und Songschreiben?

Definitiv. Das Talent, auf das man in der Welt der Zauberer trifft, ist verblüffend. Das sind unfassbar kluge Leute! Sie vollbringen mit ihren eigenen Händen echte Wunder. In einem abstrakten Sinn sind Musikmachen und Zauberkunst miteinander verwandt. Magier haben die Fähigkeit, Menschen zu täuschen und zu blenden. Sie schaffen es, dir etwas vorzuspielen, was gar nicht existiert. Das ist genauso eine Form von Unterhaltung wie das Musikmachen. Aber streng genommen sind es radikal unterschiedliche Künste.

Zuerst waren Sie ein Star hinter den Kulissen, als Produzent und Toningenieur von Pink Floyds Meisterwerk „The Dark Side Of The Moon“. Ist das Studio noch immer Ihr Lieblingsort, um Musik zu machen?

Es ist definitiv mein Lieblingsort! Heutzutage bestimmen der Computer und das Internet das Leben und die Arbeit der Menschen. Das will ich für mich nicht. Ich bin old school, ich will den Leuten in die Augen sehen, mit denen ich Musik mache. Ich bin gerade mit dem jungen Künstler Jordan Huffman in meinem Studio zugange. Er singt auch einen Titel auf meiner Platte, er heißt „The Limelight Fades Away“.

Schaffen Sie es, sich bei der Arbeit nicht von Dingen wie dem Internet oder dem Smartphone ablenken zu lassen?

Ich persönlich schaffe das, aber es ist sehr schwer geworden, Menschen dazu zu bringen, sich 40 Minuten lang Musik eines bestimmten Künstlers anzuhören. Das hat vor allem mit dem Smartphone zu tun. Es ist völlig verrückt, dass die meisten Leute es nicht schaffen, ihr Mobiltelefon mal für eine halbe Stunde aus der Hand zu legen.

Sie saßen bei den wichtigsten Platten der Beatles hinterm Mischpult. Haben Sie in Zeiten von Spotify noch Hoffnung für das Format Album?

Ja, wenn ich sehe, dass Vinyl wieder stark im Kommen ist. Wir haben unseren Backkatalog im LP-Format wiederveröffentlicht. Ich glaube, Vinyl wird die CD überleben. Und Blu-ray und High-Definition-Audio sind die digitalen Formate mit Zukunft. Aber es wird der Tag kommen, an dem man Musik nur noch downloaden wird.

Sie gehen mit „The Secret“ auf Tournee, am 19. Juni auch in Düsseldorf. Dreht sich die ganze Show um das Album?

Die etwa zweistündige Show enthält auf jeden Fall ein paar Songs von der neuen Platte. Der Rest der Show besteht aus meinen Hits aus der Vergangenheit wie „Eye In The Sky“ oder „Don’t Answer Me“. Ich gehe auch davon aus, dass wir auf der Bühne ein paar magische Momente und Illusionen haben werden.

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