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Timo Boll im Interview mit dem Düsseldorfer Anzeiger

Tischtennis-Star Timo Boll im Gespräch : Der Titelsammler

Im ersten Teil unserer Interview-Reihe mit Olympia-AthletInnen des Düsseldorfer Teams 2021 spricht Oliver Bendt mit Tischtennis-Titelsammler Timo Boll.

Verfolgst Du die Diskussion rund um die Spiele? Stichwort Corona…

 Ja klar verfolgt man das auf einem Auge, auf der anderen Seite bereitet man sich so vor, als wenn es normale Spiele werden. Aber man hat schon das Gefühl, dass da eben keine normalen Wettbewerbe auf einen zukommen. Es muss einem klar sein, dass dort nicht die Stimmung vorherrschen wird, die man sonst von Olympischen Spielen kennt. Ist natürlich besonders schade für die Sportler, die vielleicht nur einmal die Chance haben, hier dabei zu sein. Für mich ist es nicht so tragisch, wenn es etwas anders sein wird, denn ich war ja schon bei einigen Spielen.

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 Kann man das als Sportler ausblenden, wenn keine Zuschauer da sind? Hat man sich da schon dran gewöhnt?

 Es wäre sehr traurig, wenn keine Zuschauer rein dürfen, denn ich kenne die Halle, in der wir spielen werden. Eine große, sehr schöne Arena. Ich habe da schon wahnsinnige Spiele bei Weltmeisterschaften ausgetragen, auch gegen die Japaner. Vor einer tollen Kulisse. Bitter, wenn es diesmal nicht so sein kann. Klar sind wir es schon gewöhnt, dass keine Zuschauer in der Halle sind. Aber bei den Spielen würde das besonders weh tun.

 Es sind jetzt deine sechsten Olympischen Wettbewerbe, an denen du teilnimmst. Hast du als Jugendlicher davon zu träumen gewagt?

 Nein, als ich auf einer Steinplatte angefangen habe, war es die größte Herausforderung, den Nachbarn zu schlagen. Das war damals das Wichtigste, also der Ehrgeiz war schon da. Aber ich habe mir nie erträumt, einmal Profi zu werden und meinen Unterhalt mit Tischtennis-Spielen zu verdienen. Von daher hatte ich eine Bilderbuch-Karriere, für die ich sehr dankbar bin.

 Du hast mit der Mannschaft bei den Spielen einmal Silber und zweimal Bronze geholt. Ist so ein Erfolg wieder drin?

 Wir haben eine starke Mannschaft, eine Medaille ist schon realistisch. Auch wenn die Konkurrenz sehr stark ist, gerade in Asien. Aber wenn wir alle gut drauf sind, glaube ich an eine Medaille. Allerdings gehe ich auch mit viel Respekt in die Wettbewerbe, denn die Olympischen Spiele sind immer noch was Spezielles. Die Nerven sind noch angespannter und es ist nicht so einfach, sein Leistungsniveau abzurufen.

 Das kann man also auch als erfahrener Olympia-Hase nicht ausblenden?

 Ich hatte immer Probleme damit. Gar nicht so sehr in der Mannschaft, aber im Einzelwettbewerb. Da habe ich nie die Leistung gebracht, die ich spielen kann. Ich würde jetzt nicht sagen, dass mich das ärgert, aber ich bin immer noch heiß. Vielleicht kann ich die kleine Chance die ich als 40jähriger nur noch habe, diesmal nutzen und eine Überraschung schaffen.