Ali Özek von Folienmarkt: „Die meisten unterschätzen, was moderne Fensterfolien im Altbau leisten können"

Beim Thema Altbausanierung denken die meisten sofort an Stemmen, Staub und wochenlange Baustellen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf eine Technologie, die bislang eher im Schatten der großen Sanierungsmaßnahmen steht. Spezialisierte Fensterfolien können den Wärmeschutz bestehender Gebäude verbessern, ohne dass Eigentümer ihre Fenster austauschen oder aufwendige Umbaumaßnahmen in Kauf nehmen müssen.

Ali Özek kennt die Herausforderungen vieler Altbaubesitzer und hat sich mit seinem Unternehmen Folienmarkt auf solche Lösungen spezialisiert.

Er beobachtet eine wachsende Nachfrage aus dem Sanierungssektor. Häufig sind es denkmalgeschützte Gebäude oder Häuser mit gut erhaltenen Originalfenstern, bei denen ein kompletter Austausch weder wirtschaftlich noch baulich sinnvoll erscheint. Manche Eigentümer wollen schlichtweg die historische Bausubstanz bewahren, stehen aber trotzdem vor dem Problem hoher Heizkosten. Was auf den ersten Blick wie ein Dilemma wirkt, lässt sich mit der richtigen Folientechnik lösen.

Wärme reflektieren statt entweichen lassen

Die Funktionsweise ist simpel und genau deshalb so überzeugend. Spezielle Isolierfolien werden von innen auf die Fensterscheiben aufgebracht und reflektieren die Wärme zurück in den Raum. Die hauchdünne Schicht wirkt wie ein zusätzlicher Schutzmantel, der verhindert, dass teure Heizenergie nach außen entweicht. Besonders bei einfachverglasten Fenstern, wie sie in Altbauten noch häufig zu finden sind, macht sich der Effekt bemerkbar. Özek spricht von Einsparungen bei den Heizkosten von bis zu einem Drittel, abhängig vom Ausgangszustand der Fenster.

Ein konkretes Beispiel aus dem Kundenkreis verdeutlicht das Potenzial. Familie Bergmann bewohnt ein Fachwerkhaus aus den 1920er Jahren im Bergischen Land. Die historischen Kastenfenster sollten erhalten bleiben, doch gerade im Winter wurde jede Wohnstunde zur Kostenfalle. Nach der Montage der Isolierfolien registrierte die Familie nicht nur einen deutlichen Rückgang der Energierechnung, sondern auch ein verändertes Raumgefühl. Die unangenehme Kälteabstrahlung direkt am Fenster, die viele aus Altbauwohnungen kennen, verschwand nahezu vollständig. Auch das lästige Kondenswasser an den Scheiben gehört seitdem der Vergangenheit an.

Doch wie kommt es, dass diese Technologie noch nicht flächendeckend bekannt ist? Özek vermutet, dass viele Planer und Eigentümer schlicht nicht wissen, welche Möglichkeiten moderne Fensterfolien bieten. Der Begriff wirkt zunächst banal, fast zu simpel für ein ernstzunehmendes Sanierungsprojekt. Dabei hat sich die Folientechnologie in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Die Materialien sind langlebiger geworden, die optischen Eigenschaften lassen sich präzise steuern, und die Montage ist auch für Laien mit etwas Geschick machbar. Wer es sich nicht zutraut, kann auf professionelle Montagedienste zurückgreifen, die bundesweit verfügbar sind.

Wenn der Denkmalschutz mitredet

Ein weiterer Fall aus der Praxis zeigt, wie vielseitig die Anwendungsmöglichkeiten sind. Ein Architekturbüro in einem denkmalgeschützten Gründerzeitbau hatte mit massiven Hitzeproblemen im Sommer zu kämpfen. Die großen Südfenster heizten die Räume auf, gleichzeitig verbot die Denkmalschutzbehörde den Einbau moderner Sonnenschutzsysteme. Die Lösung kam in Form einer speziellen Sonnenschutzfolie, die von außen kaum sichtbar ist, aber einen Großteil der Sonneneinstrahlung reflektiert. Das Raumklima verbesserte sich spürbar, die Klimaanlage läuft seitdem deutlich seltener.

Was viele nicht auf dem Schirm haben: Der Sanierungsbedarf im Gebäudebestand ist gewaltig. Millionen von Wohnungen und Häusern in Deutschland müssen in den kommenden Jahren energetisch ertüchtigt werden, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Nicht jeder Eigentümer kann oder will jedoch fünfstellige Summen in eine Komplettsanierung investieren. Hier bieten Folienlösungen einen pragmatischen Zwischenweg. Sie ersetzen keine umfassende Dämmung, können aber als Ergänzung oder Übergangslösung durchaus Sinn ergeben. Besonders bei Mietobjekten, wo die Refinanzierung teurer Maßnahmen schwierig ist, rechnet sich der Einsatz schnell.

Özek betont, dass Transparenz bei der Beratung wichtig ist. Folien sind kein Wundermittel und können marode Fenster nicht dauerhaft retten. Wenn das Glas selbst Risse aufweist oder die Rahmen undicht sind, müssen diese Probleme zuerst behoben werden. Aber in Fällen, wo die Bausubstanz grundsätzlich in Ordnung ist und lediglich die thermischen Eigenschaften verbessert werden sollen, erweisen sich Folien als effiziente Alternative. Die Montage dauert in der Regel nur wenige Stunden pro Fenster, es entsteht kein nennenswerter Schmutz, und die Bewohner können während der Maßnahme im Haus bleiben.

Versicherer entdecken den Zusatznutzen

Ein spannendes Detail am Rande: Auch die Versicherungsbranche hat das Thema mittlerweile entdeckt. Einige Versicherer bewerten Gebäude mit zusätzlichem Folienschutz positiver, da bestimmte Folien auch gegen Einbruch und Glasbruch schützen. Das mag auf den ersten Blick seltsam klingen, macht aber durchaus Sinn. Eine mehrschichtige Sicherheitsfolie hält die Scheibe auch nach einem Schlag zusammen und erschwert das gewaltsame Eindringen erheblich. Manche Eigentümer kombinieren daher thermische Verbesserungen mit erhöhter Sicherheit.

Die Zahlen sprechen für sich. Nach Angaben des Unternehmens hat sich die Nachfrage nach Isolierfolien in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Özek führt das auch auf gestiegene Energiepreise zurück, die viele Eigentümer zum Handeln zwingen. Während eine neue Isolierverglasung schnell mehrere tausend Euro pro Fenster kosten kann, bewegt sich die Folienlösung im mittleren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich pro Quadratmeter. Die Amortisationszeit ist entsprechend kurz, meist rechnet sich die Investition bereits nach zwei bis drei Heizsaisons.

Natürlich gibt es auch Grenzen. Bei sehr großen Glasflächen oder speziellen Anforderungen stößt die Folientechnik irgendwann an ihre Kapazitäten. Auch die Lebensdauer ist begrenzt, wenngleich moderne Folien durchaus zehn bis fünfzehn Jahre halten können. Trotzdem handelt es sich nicht um eine dauerhafte Lösung im klassischen Sinn. Özek sieht die Folien eher als flexible Option, die sich an verschiedene Lebenssituationen anpassen lässt. Wer zur Miete wohnt, kann sie bei einem Umzug theoretisch wieder entfernen. Wer ein Haus gekauft hat und zunächst die gröbsten Schwachstellen beseitigen möchte, gewinnt Zeit für eine umfassendere Planung.

In Skandinavien längst Standard

Interessant ist auch der Blick in andere Länder. In skandinavischen Staaten, wo Energieeffizienz seit Jahrzehnten ein Thema ist, gehören Fensterfolien längst zum Standard. In Deutschland hingegen werden sie noch häufig belächelt oder schlicht übersehen. Das könnte sich ändern, denn die Förderlandschaft entwickelt sich weiter. Manche Bundesländer berücksichtigen mittlerweile auch kleinere Effizienzmaßnahmen in ihren Programmen, sofern sie nachweislich zur Energieeinsparung beitragen. Özek rät Interessierten, sich vorab bei ihrer Kommune oder einem Energieberater zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass nicht jede Sanierung mit Presslufthammer und Großbaustelle beginnen muss. Manchmal sind es die unscheinbaren Lösungen, die im Alltag den größten Unterschied machen. Gerade im Altbaubestand, wo jede bauliche Maßnahme mit Unsicherheiten verbunden ist, bieten Folien einen niedrigschwelligen Einstieg in die energetische Optimierung. Sie mögen nicht die glamouröse Lösung sein, aber sie funktionieren.