1. Düsseldorf

Im Wettbewerb "Gedenkort für Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher Vielfalt" gibt es einen Gewinner

Gedenkort für geschlechtliche Vielfalt : Figurengruppe von Claus Richter gewinnt Wettbewerb

Der Siegerentwurf im Wettbewerb "Gedenkort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt" stammt von Claus Richter. Er überzeugte mit einer lebensgroßen Figurengruppe aus Bronze.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf soll ein Ort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt entstehen. Hierfür hatte die Kunstkommission Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem "LSBTIQ+ Forum Düsseldorf" einen zweiphasigen und anonymen Wettbewerb ausgelobt. Der Entwurf von Claus Richter, eine lebensgroße Figurengruppe aus Bronze, ging daraus jetzt als Sieger hervor.

Am 30. April beschloss der Kulturausschuss auf Empfehlung der Kunstkommission die weitere Bearbeitung und deren Umsetzung. Claus Richter, geboren 1971 in Lippstadt, hat an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert. Er lebt und arbeitet in Köln. Insgesamt waren 14 Künstlerinnen und Künstler eingeladen worden, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Der Entwurf von Claus Richter reiht sich auf den ersten Blick ganz bewusst in die Vielzahl bestehender Bronzefiguren in Düsseldorf ein.

Erst die nähere Betrachtung und Auseinandersetzung zeigt die ironische Brechung. Der Entwurf sieht eine Figurengruppe vor, die die Hände zum Teil zu Fäusten geballt oder zum Victory-Zeichen verschränkt empor streckt. Die Gruppe steht vereint auf einem Stufensockel aus Beton. Die vier Figuren symbolisieren alle Spektren sexueller Ausrichtung: eine feminine, scheinbar biologisch männliche Figur, eine eher maskuline, scheinbar biologisch männliche Figur, eine glatzköpfige scheinbar biologisch weibliche Figur und eine eher feminine scheinbar biologisch weibliche Figur.

Die genau definierten Gesichter heben sich bewusst von den grob modellierten Körpern ab. Ergänzt wird das Denkmal um eine traditionelle Tafel mit folgender Inschrift: "Ort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. Dieser Ort ist den Lesben, Schwulen, Bi- und Trans*, die Opfer von Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung in Düsseldorf wurden, gewidmet. Und all denen, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt einstehen."

Die Jury lobte ausdrücklich die Idee des "Trojanischen Pferdes". Gabriele Bischoff vom "LSBTIQ+ Forum Düsseldorf" zeigte sich sehr angetan: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Verfahren und der Vorgehensweise der Kunstkommission. Der ausgewählte Entwurf entspricht genau meinen Vorstellungen und den von den involvierten Personen geäußerten Wünschen. Ich freue mich sehr auf die Realisierung". Als nächster Schritt steht nun an, den genauen Realisierungsort mit dem Künstler, der Bezirksvertretung sowie den weiteren Betroffenen abzustimmen. Anschließend wird die Plastik in einer Düsseldorfer Gießerei produziert.

Hintergrund: Seit vielen Jahren gibt es den großen Wunsch, mit einem Mahnmal im öffentlichen Raum der Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgeschlechtlichen zu gedenken. Denn in der Zeit des Nationalsozialismus war Düsseldorf die Stadt mit den meisten Festnahmen nach § 175 des Strafgesetzbuches in ganz Westdeutschland. Bis August 1938 verhaftete allein die Gestapo in Düsseldorf etwa 400 Männer.

Die Kunstkommission wurde im Sommer 2018 vom Kulturausschuss der Landeshauptstadt Düsseldorf beauftragt, einen offenen Wettbewerb für die Realisierung des Erinnerungsortes in Rheinnähe zwischen Rheinkniebrücke und Oberkasseler Brücke durchzuführen. Vorangegangen war bereits ein Werkstatttag im März 2018 in der Mahn- und Gedenkstätte, bei welchem erste Vorstellungen zu einem Gedenkort in der Stadt ausgetauscht wurden. Den zweistufigen Wettbewerb hatte die Kunstkommission in Zusammenarbeit mit dem "LSBTIQ+ Forum Düsseldorf" mit geladenen Kunstschaffenden ausgelobt.

Zu dem internationalen Teilnehmerfeld gehörte unter anderem der Düsseldorfer Konzeptkünstler Mischa Kuball sowie Sharon Hayes (New York), Lena Henke (Frankfurt/New York) und Erez Israeli (Tel Aviv). Für die Umsetzung und künstlerische Gestaltung stellt die Stadt Düsseldorf insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung. Am 1. April 2019 fand zudem eine gut besuchte öffentliche Informationsveranstaltung in der Kunsthalle statt, um über den Stand der Dinge und die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zu informieren. 40 Kunstschaffende und Interessierte waren der Einladung gefolgt.