Freiwllige helfen in der Düsseldorfer Landschaftsstation Hexhof

Als Bufdi in der Landschaftsstation Hexhof : Freiwillige vor!

Ion Schuur und Tom Bartmann erzählen, was sie in den letzten Monaten als Bundesfreiwillige getan haben und was sie persönlich voranbrachte.

Ein Gehöft im Regen: die Landschaftsstation Hexhof am Rande der Großstadt. Zwei junge Männer in grünen Hosen stehen an der Schiebetür der Scheune und wissen sofort, dieser grauhaarige, schmale Typ wird sie gleich interviewen, sie, die beiden Bufdis. „Bufdis?“ Niemand kennt den Sinn hinter der Abkürzung. Vielleicht eine neue gesellschaftliche Gruppe, wie die Hippies? Nichts könnte falscher sein.

Die beiden Männer leisten den Bundesfreiwilligendienst: Ion (sprich: Jon) Schuur, 19 Jahre alt, aus Ratingen-Lintorf und Tom Bartmann, ebenfalls 19, aus Angermund, der eine seit Oktober dabei, der andere seit September. Bufdi, also so etwas wie Zivi, Zivildienstleistender, nur auf freiwilliger Basis. Vermittelt hat das Gespräch Nina Jäger, Diplom-Forstingenieurin, die jetzt mit ihrer Hündin Erbse zuhört, was ihre beiden Schützlinge zu sagen haben. 

Ion und Tom drucksen keinen Moment lang herum, sie geben offenherzig Antwort, klar und, ja, klug, oft im Gleichklang. Sie verstehen sich als Team? „Das stimmt“, sagen sie wie aus einem Mund, gucken erstaunt und grinsen sich an. Welche Entscheidungen haben sie hierher gebracht, wo sie etwa – wie heute morgen – einen alten Zaun herausreißen mussten, während es von oben schüttete und der Matsch ihnen die Hosen sprenkelte?

„Ich hatte mich bei der Stadt um eine Ausbildung zum Forstwirt beworben“, sagt Tom, „aber es klappt mit der Lehre erst dieses Jahr.“ Seine Patentante gab ihm den Tipp, es mit dem Bundesfreiwilligenjahr auf dem Hexhof zu versuchen. „Und das hat mich persönlich bisher echt vorwärts gebracht.“ Ion sagt: „Ich weiß noch nicht, was ich später machen will, aber ich brauche ein Jahr Praxis, um mein Fach-Abitur zu vervollständigen.“ Für beide Bufdis hat sich eine neue Welt aufgetan. Tom erinnert sich ans letzte Wochenende: „Ich habe einem Kollegen bei der Amphibiensammlung geholfen. Ich glaube, wir haben um 8 Uhr angefangen – und dann diese Geräuschkulisse: Kein Auto und gar nichts – das ist schon etwas.“ Ion mag, dass sie nicht nur hier auf dem Hexhof arbeiten, sondern viel in der Stadt herumkommen. „Zum Beispiel im Süden, im Himmelgeister Rheinbogen. Und wir arbeiten mit allen Geräten.“ „Natürlich nicht mit der Kettensäge“, setzt er schnell hinzu, „dazu muss man einen Extra-Schein haben.“ Aber sie haben Brombeeren gekappt, Wegearbeit geleistet, das Lichtraumprofil nachgebessert und Kopfweiden zurückgeschnitten. 

Der Hexhof: Ausführendes Organ der Biotop-Arbeit in der gesamten Landeshauptstadt. Nina Jäger zählt die Aufgabengebiete auf: Teiche, Tümpel, Feuchtwiesen, Schilfflächen, Mähwiesen, Brachen, Naturdenkmale, Feldgehölze, Hecken, Kopfweiden, Artenschutzprojekte wie Fledermaus-Bunker und Steinkauzkästen.

Welche Reaktionen löst die Bufdi-Arbeit bei Verwandten und Freunden aus? Tom spricht als Erster: „Alle sind sehr positiv angetan und fragen auch konkret nach, etwa: Wie viel Kröten habt ihr heute gesammelt?“ Und, wie viele waren es gestern? „Nicht so viele, weil es kälter geworden ist.“ „Aber insgesamt haben wir schon zweitausend Tieren auf ihrem Weg ins Laichgebiet geholfen.“

Ion muss sich bei Bekannten öfter erklären. „Viele denken, ich bin ein FSJ-ler, also jemand, der ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.“

Karriere: Einer der profiliertesten Biologen in den Diensten der Stadt, Tobias Krause, hat vor Jahrzehnten auf dem Hexhof seinen Zivildienst geleistet.

Welche Rolle spielt in den beruflichen Überlegungen der Klimaschutz? Tom antwortet: „Also, wir helfen mit, hier etwas hochzuziehen. Die Erholungsfunktion der Wälder zum Beispiel ist eine wichtige Aufgabe.“

Auch von ihrer persönlichen Weiterentwicklung während der letzten Monate sind die beiden überzeugt. Tom: „Ich habe früher nicht so gern jemanden angerufen, heute greife ich schnell zum Hörer, schreibe eine E-Mail und hänge mich total ’rein.“ Er könne nur jedem empfehlen, ein solches Jahr zu machen. „Obwohl die ersten Wochen waren schon hart.“ 5 Uhr 20 aufstehen, Vollzeit-Job - das war eine gravierende Veränderung gegenüber der Schulzeit.

Das merkt auch der Hexhof. Nina Jäger sagt: „Es gibt nicht viele Bewerber, und es gibt erst recht nicht viele gute Bewerber.“ Dabei hat die Zeit auf dem Hexhof auch denen viel zu bieten, die später studieren wollen. „Sie haben dann nämlich schon praktische Erfahrung.“

Für sie und ihr Team sind früher Zivis und heute Bufdis nach wie vor eine Herausforderung, das Stichwort heißt Fluktuation. „Man hat sich gerade aneinander gewöhnt, da ist das Jahr schon wieder zu Ende.“ Diese Integration muss zudem im laufenden Betrieb bewältigt werden. Und der ist anspruchsvoll. Das Wichtigste: „Wir müssen den Überblick behalten, alle Arbeiten koordinieren und immer die Augen offen halten.“ Wo ist Not am Mann, da hat man vor zwei Jahren an der Hecke schon mal etwas gemacht, aber die ist jetzt super gewachsen oder in einem Trockenjahr gibt’s sehr viel Totholz, das beseitigt werden muss. „Da muss man sich voll auf seine Mitarbeiter verlassen können, die ja im ganzen Stadtgebiet unterwegs sind.“

Auch der Klimawandel hat Konsequenzen. „An der Rennbahnstraße bringen wir zurzeit die Amphibien zu ihrem Biotop auf dem Gelände der Klinik - aber das Biotop ist nur noch eine Pfütze, die wir jetzt auffüllen müssen.“

Bei diesen ganzen Arbeiten haben sich die Bufdis auf dem Hexhof zu einer festen Größe entwickelt und können auch mit Zuspruch rechnen. „Dann hört man schon mal den Satz, ohne euch wäre das deutlich komplizierter gewesen.“ Und jetzt grinsen Tom und Ion wieder.

Klaus Schröder

Hexhof

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