Fortuna-Coach Christian Preußer über Baustellen, Ballruhe und Balance „Dann wirken wir zu brav“

Neun Spiele, elf Punkte, Rang zwölf in einer 2. Liga mit hoher Leistungsdichte, in der sich kein wirklicher Spitzenverein heraus kristallisieren will. Auch deshalb ist das Zwischenfazit des neuen Fortuna-Coaches Christian Preußer in einem notorisch aufgeregten Umfeld mächtig durchwachsen. Oliver Bendt spricht im Interview Preußer über Baustellen, Ballruhe und Balance.

 Trainer Christian Preußer - „Wir glauben, dass es nur an Kleinigkeiten liegt.“

Trainer Christian Preußer - „Wir glauben, dass es nur an Kleinigkeiten liegt.“

Foto: Horstmueller GmbH/HORSTMUELLER GmbH

Herr Preußer, nach neun Spielen können Sie als selbstbewusster Trainer einer selbstbewussten Mannschaft mit dem Blick auf die Tabelle nicht zufrieden sein. Platz 12 mit 11 Punkten ist zu wenig...

 Wir haben zu wenig Punkte, das stimmt. Wenn man sich die Spiele einzeln anschaut, ist es auch so, dass wir gerne mehr Zähler geholt hätten. Insbesondere zu Hause. Aber wir glauben auch, dass es nur an Kleinigkeiten liegt, dass es noch ein Prozess ist und wir auch schon Einiges richtig machen. Wir werden weiter daran arbeiten.

Ein großes Problem der Mannschaft war bisher die defensive Stabilität!?

 Und das sind mehrere Baustellen, wenn man sich ansieht, wie der Gegner Tore schießt. Das waren Standardsituationen, aus Kontersituationen, aber auch aus unserem eigenen Ballbesitz heraus. Da geht es bei uns um Themen wie Absicherung, aber auch Zweikampfhärte im eigenen Strafraum. Wir haben 15 Gegentore bekommen, das ist zu viel. Auch daran gilt es zu arbeiten.

Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass die Baustellen in jedem Spiel woanders liegen. Mal ist es die Innenverteidigung, dann die linke Seite, dann der Torwart.  Die Probleme variieren. Das macht es für Sie als Trainer extrem schwer, an den Problemen zu arbeiten…

 Ja, das macht es schwer, weil viele Dinge nicht vorhersehbar sind und man sich immer wieder mit individuellen Fehlern beschäftigen muss. Das gehört beim Fußball dazu und die Jungs dürfen auch Fehler machen. Aber wir benennen diese Fehler, sprechen sie klar an und versuchen sie abzustellen.

 Ist die Mannschaft zu brav?

 Das wirkt dann so, wenn man Zweikämpfe verliert. Ich finde das eigentlich nicht, aber wir müssen besser im Zweikampf werden, körperlicher werden. Wir haben jetzt einige Gegentore nach Flanken bekommen. Da können wir sicher auch besser verteidigen, aber generell können wir im individuellen Zweikampfverhalten schon noch zulegen.

 Ein anderes Thema ist die Ruhe am Ball. Auch die geht dem Team leider immer mal wieder verloren.

 Da geht es darum, wie bringt man Spiele zu Ende, wie gehe ich mit Führungen um. Und vor allem dürfen wir nicht so viele Bälle in der eigenen Vorwärtsbewegung verlieren, weil dadurch Kontersituationen entstehen. Wir hätten auch gerne mehr Tore schießen können, wenn ich zum Beispiel an die Spiele in Aue oder Ingolstadt denke. In Ingolstadt wird es deswegen zum Beispiel noch einmal eng und das muss nicht sein.

Erwarten Sie da von ihren erfahrenen Spielern, dass sie in solchen Momenten mehr Ruhe ausstrahlen?

Generell finde ich, dass wir unsere Schwankungen im Spiel besser ausgleichen müssen und ein Gespür für die Spielsituation entwickeln. Also Tempo raus nehmen, wenn nötig. Aber wir hatten auch genug Situationen, wo wir mehr Tempo gebraucht hätten. Diese Balance und diese Spieleinschätzung muss besser werden. 

Sie haben gesagt, dass Sie der Mannschaft das Saisonziel „oben mit zu spielen“ weiterhin zutrauen. Auch wenn es in der Momentaufnahme danach gerade nicht aussieht.

 Die Saisonzielsetzung können wir erreichen, dafür müssen wir einige Dinge abstellen und besser machen. Aber die Qualität des Kaders ist gut, ich bin von der Mannschaft überzeugt und wir entwickeln unsere Ideen weiter. 

Sie glauben also weiter, dass etwas Gutes entstehen kann und die Mannschaft lernfähig ist?

 Davon bin ich überzeugt. Wir integrieren bereits viele junge Spieler. Sei es in der Startelf oder über Einsätze. Und Spieler aus dem NLZ werden in den Trainingsbetrieb eingebunden. So entwickeln sich unsere Nachwuchskräfte. 

Kommen wir noch zum Torwart-Thema. Sie wollen jetzt in der Länderspielpause alle Partien bewerten und dann eine Entscheidung treffen?

 Da befinden wir uns gerade mitten in der Analyse und werden uns auch diese Zeit geben. Wir haben natürlich auch auf der Torwartposition eine Konkurrenzsituation und werden dort kommende Woche vor dem HSV-Spiel eine Entscheidung treffen.

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