Düsseldorfer Lologramm wurde als beste Schülerzeitung Deutschlands gekürt

Beste Schülerzeitung Deutschlands : „Viel, viel mehr als nur Schreiben“

Schüler des Düsseldorfer Berufskollegs Lore-Lorentz-Schule wurden kürzlich im Bundesrat in Berlin ausgezeichnet – ihre Schülerzeitung „Lologramm“ hat den bundesweiten Schülerzeitungswettbewerb der Länder in der Kategorie „Berufliche Schulen“ gewonnen. Ein Redaktionsbesuch.

Neben der überaus professionellen Gestaltung war es wohl insbesondere auch das Titelthema – ein Städtevergleich der Konkurrenten Düsseldorf und Köln – in der neunten Ausgabe des „Lologramm“, der Schülerzeitung des Berufskollegs Lore-Lorentz-Schule und erschienen im Frühjahr 2018, das die Jury des bundesweiten Schülerzeitungswettbewerbs überzeugte. Mindestens ebenso wichtig für die Auszeichnung zur besten Schülerzeitung Deutschlands in der Kategorie „Berufliche Schulen“ war auch etwas anderes: eine in der Schülerzeitung begonnene Diskussion über die Zensur des Gedichtes einer Schülerin, das bei einer schulinternen Veranstaltung nicht vorgetragen werden durfte.

Der damalige Chefredakteur Nikolas Beitelsmann (21), heute Student an der Universität Wuppertal, hatte dazu einen Kommentar veröffentlicht und damit eine schulweite Debatte ausgelöst. Daraufhin diskutierten Schüler und Lehrer damals nicht nur über den untersagten Vortrag des Gedichtes, „auch die Rolle der Öffentlichkeitswirksamkeit und die Funktion einer freien Presse wurde durch den Kommentar zum Thema“, erklärt Beitelsmann im Gespräch.

Nach seinem Abitur im Jahr 2018 schreibt er bis heute eine Gastkolumne für das Lologramm und beweist nicht nur damit seine anhaltende Verbundenheit mit dem Magazin: „Die flachen Hierarchien in der Redaktion und die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern erlaubt uns eine breite, inhaltlich demokratisch zusammengestellte Themenvielfalt“, sagt Beitelsmann.

Und so finden sich neben einer festen Rubrizierung, wie etwa den überaus beliebten Lehrerporträts, gesammelten Sprüchen, Literarischem und einer Seite zum Thema Kochen und Backen eben immer wieder auch aktuelle Schwerpunktthemen, zu denen die Schülerinnen und Schüler Beiträge einreichen können. Das Besondere: Neben einem festen Redaktionsteam von rund zehn Schülern sowie den sie begleitenden Lehrern Claudia Vosse, Maxi Duis und Nils Thiermann können auch alle übrigen Schüler der Lore-Lorentz-Schule für die Zeitung kreativ werden. „Nicht nur redaktionelle Beiträge, sondern auch Fotos, Grafiken und weitere neue Themenideen sind stets willkommen“, erklärt Redakteurin Paula Scholz (17). Impulse, die durchaus unterschiedliche Schwerpunkte setzen können.

Denn weil das Berufskolleg in Eller zahlreiche unterschiedliche Bildungswege anbietet – darunter zum Beispiel Abitur und Berufsabschluss zum Erzieher, Umwelttechnischen Assistenten oder Fremdsprachenkorrespondenten –, ist das Themenspektrum vielfältig. Besonders aber Schülerinnen und Schüler der Bildungswege Sprache und Literatur sowie Gestaltungstechnische Assistenten sind an der Fertigstellung der Schülerzeitung beteiligt. „Insbesondere die Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung hat es dabei geschafft, die unterschiedlichen Disziplinen gut miteinander zu verbinden“, erzählt Tristan Tücking (20), der nach bestandenem Abi aktuell ebenfalls an der Uni Wuppertal studiert und an der kürzlich im Bundesrat ausgezeichneten Ausgabe mitgearbeitet hat. „So arbeiten die unterschiedlichen Bildungsgänge Hand in Hand“, erzählt die Ausbildungsbeauftragte und Lehrerin für Gestaltungstechnik Maxi Duis und erklärt damit das hohe Niveau sowohl redaktioneller als auch grafischer Inhalte.

Und parallel zu einer rein redaktionellen Arbeit bietet eine Teilnahme an der Zeitungs-AG den Schülern überdies weitaus mehr, als nur einen Einblick in den ohnehin komplexen Gestaltungsprozess einer Zeitung: etwa den Weg von der Redaktionssitzung und Beitragsdiskussion über die grafische Gestaltung von Beiträgen bis hin zur Finanzierung durch den Gewinn von Werbepartnern und dem Vertrieb des eigenen Blattes. Von den Lehrern organisierte Exkursionen zu Redaktionen aus Print-, Funk- und TV-Medien, zu Verlagen und Verlegern sowie organisierte Gespräche mit Experten wie etwa Journalisten und Autoren erlauben den AG-Teilnehmern auch, einen Einblick in die unterschiedlichen Berufsfelder des Journalismus zu erhalten. So soll zum Beispiel im kommenden Jahr mit dem Bildungsgang Sprache und Literatur sowie der Schülerzeitung Lologramm ein „Journalismus-Gipfel“ an der Schule stattfinden. Zu dem sollen dann Journalisten zu einer Podiumsdiskussion eingeladen werden, um mit ihnen über aktuelle journalistischen Themen, wie etwa die Zukunft des Journalismus oder Fake News, zu sprechen.

Und auch, wenn die Berufswünsche der Schülerinnen und Schüler, die derzeit an der Zeitung mitarbeiten, noch nicht eindeutig entschieden sind: „Die Mitarbeit an der Schülerzeitung ist viel, viel mehr als nur Schreiben“, erklärt Tristan Tücking, „und hat uns ein breites Netzwerk in der Schülerschaft und zahlreiche neue Perspektiven ermöglicht.“

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