Düsseldorf: Eine Grundschülerin als Mülltrennungsbeauftragte

Überzeugungstäterin : Veni Dreyer ist Mülltrennungsbeauftragte

Ein sonniger Vor-Frühlingstag in Bilk. Auf dem Schulhof der Martin-Luther-Schule wird Fußball gespielt. Vor dem Sekretariat wartet Veni Dreyer in Begleitung ihres Klassenlehrers Philipp Meuschke.

Die Achtjährige trägt das hellrote Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, um den Hals ein dunkelblaues Tuch mit Sternenmuster. Ein bisschen aufgeregt ist sie. 15 Uhr. Eigentlich hätte Veni jetzt Yoga-AG. Stattdessen hat sie sich bereiterklärt, über die wichtige Aufgabe zu erzählen, die sie vor einem halben Jahr übernommen hat. Veni ist die Mülltrennungsbeauftragte der Klasse 3a, die einzige überhaupt an der ganzen Schule.

"Der Müll wird in allen Klassen getrennt", erklärt Herr Meuschke, "aber normalerweise übernehmen die Lehrer Venis Aufgabe." Der Klassenraum der 3a liegt im zweiten Stock des Schulgebäudes. Direkt an der Eingangstür, unter dem Waschbecken, stehen drei Eimer. Einer für Altpapier. Einer für Restmüll. Und eine gelbe Tonne. Was aber gehört wo rein? Eine Frage, die vermutlich manchen Erwachsenen ins Grübeln bringen würde. Veni hingegen gibt sich fachkundig: "Die gelbe Tonne ist zum Beispiel für Pappe und Joghurtbecher, Restmüll für Bananen- oder Orangenschalen und Altpapier eben für Papier."

Papiermüll fällt in der 3a am meisten an. Dabei versuche man durchaus, die Schüler zum sparsamen Umgang mit dem Rohstoff zu erziehen, so Meuschke: "Man muss ja nicht für jedes neue Thema gleich eine neue Seite beginnen." Veni weiß das. Das Mädchen hat viel von ihrem Wissen im Elternhaus erworben. Dort werden Fernsehbeiträge rund um das Thema Umweltschutz gerne gemeinsam geschaut. Mittels Büchern hat die Tochter ihr Wissen weiter vertieft.

Als im Sachkunde-Unterricht vor einiger Zeit das Thema Mülltrennung behandelt wurde, fiel Veni auf, dass manch ein Mitschüler Wissenslücken aufwies. So wurde sie letzten Endes, was sie ist. In ihrer Funktion als Mülltrennungsbeauftragte gibt sie ihr Wissen an ihre Klassenkameraden weiter. Und sie kontrolliert regelmäßig die drei Eimer unter dem Waschbecken, um zu schauen, ob alles ordnungsgemäß entsorgt wurde.
Das Leeren der Eimer gehört hingegen nicht zu ihrem Aufgabenbereich. Das macht der wöchentlich wechselnde Mülldienst. Diese Woche sind Amira und Adam dran, so steht es auf dem Plan an der Wand. Und Veni? Deren Sinn für Umweltschutz hört bei Mülltrennung noch lange nicht auf. Zur Schule wird sie nicht mit dem SUV gebracht, nein: "Ich komme zu Fuß." Zum Tanzunterricht nimmt sie das Rad. "Und ich versuche, Plastik zu vermeiden", sagt sie.

Um ihr letzteres zu erleichtern haben ihre Eltern Veni eine silberne Aluflasche geschenkt. So weit sind in der 3a noch längst nicht alle. Auf einem Tisch zwei Reihen vor Lenis Platz liegt eine Butterbrotdose aus Kunststoff. Und eine halbvolle Plastikflasche. Untrügliche Zeichen dafür, dass Veni noch viel Arbeit vor sich hat.

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