Abschied bei Gerresheimer Schützen: Wolfgang Koch geht in Ruhestand

Abschied bei den Gerresheimer Schützen : Oberst Wolfgang Koch steigt vom Pferd

40 Jahre lang hat Oberst Wolfgang Koch das Schützenregiment geführt – ein Rekord! Nach dem Gerresheimer Schützenfest vom 21. bis 24. Juni wird der 70-Jährige in den Ruhestand gehen.

Niemand in Düsseldorf ist so lange Schützen-Oberst wie der Gerresheimer Wolfgang Koch. 40 Jahre lang hat er organisiert, geführt und zu Pferde dem Chef sonntags am Alten Markt gemeldet: „Regiment zur großen Parade angetreten!“

Oberst Wolfgang Koch meldet dem Schützenchef am Alten Markt: „Regiment zur großen Parade angetreten!“. Foto: schröDer Moment vor dem Beginn der Parade: Wolfgang Koch wird im Kölner Tor gleich das Regiment losmarschieren lassen.Iris Becker, Kochs Ehefrau, leitet den Spielmannszug.

Nach dem Gerresheimer Schützenfest vom 21. bis 24. Juni wird der 70-Jährige salutieren, von seinem Wallach Atmaro steigen „und bestimmt ein paar Tränchen vergießen“, wie er dem „Gerresheimer“ prophezeit.

Schon in Zivil: Wolfgang Koch. Foto: Klaus Schröder

Im Zwiegespräch auf dem Schießplatz an der Gerricusstraße will Wolfgang Koch zunächst eigentlich gar nicht so viel über seine Jahrzehnte reden. Er hat ein paar Zeilen vorbereitet, kaum mehr als eine DIN-A-4-Seite, große Handschrift. Aber dann formt sich doch ein buntes Bild dieses einzigartigen Mannes – inklusive kleiner Sünden in vergangenen Schützennächten.

Bevor das Regiment zur Parade antritt: Oberst Koch im Kölner Tor.

Wolfgang Koch kam in Gerresheim auf der 1. Etage der Dreherstraße 6 zur Welt. War er danach jemals weg aus Gerresheim? „Nö.“

Seine Laufbahn startete früh: Mit zwölf Jahren trat Koch ins Gerresheimer Schützenregiment ein. Schon damals schlug er gerne die Trommel, „das Schlagwerk“, wie es korrekt heißt. „Da haben wir in Claire Peters’ Bierkeller geprobt.“ Ansonsten lernte er später Kfz-Schlosser, leistete seinen Grundwehrdienst in Hubbelrath und kam 1967 zur Firma Henkel.

Dann beginnt sein Aufstieg bei den Schützen, 1976 als Schützenkönig, 1977 als Oberstleutnant und am 19. Juni 1979 ernennt man ihn zum Oberst. Seitdem ist er in der Schützensaison jede Woche unterwegs. Der Vollblut-Schütze spielt seit 32 Jahren in der Stadtkapelle Werner Bendels, ritt einige Zeit als Bischof beim St. Martins-Umzug und wirkte im Regenbogenland. Das Soziale war ihm stets wichtig. „Wir haben Waisenkinder im Käthe-Kollwitz-Heim beschenkt, Klassen der Katholischen Grundschule eingeladen, später Kindertagesstätten, und Seniorennachmittage organisiert.“ Auch deshalb hat ihm die Gerresheimer Bürgerwehr die Gerricusplakette verliehen, für Verdienste um das Brauchtum.

Immer ist ihm seine Frau dabei zur Seite gestanden: Iris Becker leitet schließlich den Spielmannszug Gerresheim als Majorin.

Das Gegenteil der Ehrung, einen Rüffel, setzte es für Oberst Koch 1982 durch den Schützenchef Josef Tillmanns. Was war passiert? „Ich bin mit Herbert Kabus, dem Goldenen Mösche-Träger, zu einem feucht-fröhlichen Umzug aufgebrochen.“ Dazu muss man wissen, die Goldene Mösch ist ein stilisierter Vogel auf einer mit Blumen und Bändern geschmückten Stange; der Bildhauer Bernd Bodechtel hat Träger und Mösch sogar für den Garten am Alten Pfarrhaus verewigt. Wie auch immer. An diesem Abend fielen Oberst Koch, der Mösche-Träger Kabus und der mit Blattgold überzogene Vogel an der Berthastraße aus ungeklärten Gründen in die Düssel. „Und weg war die Mösch.“ Eine Kinderärztin aus der Nähe versorgte die beiden nassen Schützen; die Mösch wurde später vor einem Gitter der Düssel am Staufenplatz wiedergefunden. Neben der Strafpredigt kam später auch noch ein Wink mit dem Zaunpfahl hinzu: „Man schenkte uns Seemannsmützen.“

Das öffentliche Bad blieb ein Einzelfall, dafür kam ein anderes Mal die Polizei. „Montagabends war mit dem Großen Zapfenstreich für uns noch nicht alles vorbei. Wir dachten, wir sollten den amtierenden König um 4 Uhr nachts noch mal wecken, und sind mit klingendem Spiel zur Hasselbeckstraße gezogen.“ Was Anwohner und Ordnungshüter nicht ganz so spaßig fanden.

Freude und Trauer liegen auch im Schützenwesen nah beieinander. „Ich bin ja bei allen Beerdigungen dabei, und am offenen Grab bekomme ich schon zittrige Hände.“ Zuletzt ist sein guter Freund, der ehemalige 2. Chef Harry Spiecker, „einfach umgekippt“. Diesen Aderlass, auch beim Publikum, merken die Schützen seit vielen Jahren. „Früher standen die Menschen am Schützensonntag in Fünfer-Reihen vor dem Rathaus.“ Über die schwindende Beteiligung „macht sich natürlich jeder seine Gedanken.“

Was die Gerresheimer Schützen an seinem Abschiedstag mit ihm vorhaben? Er weiß es nicht. „Einen Nachfolger gibt es ja schon, Horst Cönen.“ Was er vermissen wird? „Nix, es geht ja weiter.“ Den Schützen bleibt er erhalten, und zwar nach wie vor in der Tell-Kompanie von 1881. Das wissen alle zu schätzen. Gerade erst hat er wieder ein paar Dutzend Stühle für die Container auf dem Schießplatz organisiert, „fast wie neu“ - aber eine Schule darf sie aus Sicherheitsgründen in langen Reihen nicht mehr verwenden. „Das unterscheidet uns hier in Gerresheim schon von anderen Orten: Nach wie vor kennt hier jeder jeden.“

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