Stadt stoppt Opern-Neubau - „Herzensprojekt“ wird eingespart Aus der Traum!

Düsseldorf hat die weitere Planung für das neue Opernhaus gestoppt. Angesichts einer zunehmend schwierigeren Haushaltslage hat man sich ehrlich gemacht und sieht von der hohen Investition für das Musikspielhaus, dass am Wehrhahn entstehen sollte, ab. „Gleichwohl“, sagt Oberbürgermeister Stephan Keller, „ist die Entscheidung alles andere als leicht gefallen.“

Es bleibt nur beim Modell - OB Keller (2. v. l.) bei der Vorstellung des Siegerentwurfs der neuen Oper im November 2025.

Foto: Stadt Düsseldorf/Claus Langer

Keller weiter: „Angesichts eines wachsenden Defizits in unserem Haushalt sind auch schmerzhafte Maßnahmen unumgänglich. Die Verwaltung ist insgesamt angehalten, Einsparpotenziale zu heben. Dazu gehören in letzter Konsequenz auch Herzensprojekte, wie es die neue Oper für mich war.“ Aus der Traum!

Man richte die städtische Investitionsplanung an den aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen aus. Oberste Priorität habe die Wahrung der kommunalen Entscheidungshoheit. Ziel ist demnach ein Haushalt, der so solide aufgestellt ist, dass er langfristig tragfähig bleibt.

„Wir stehen vor großen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. Aktuell ist nicht erkennbar, dass die kommunalen Haushalte durch Entscheidungen der Landes- und Bundespolitik substanziell entlastet werden“, so der Oberbürgermeister. Gleichzeitig bleibe die gesamtwirtschaftliche Dynamik aus, die auch in Düsseldorf zu einer positiven Entwicklung der Steuereinnahmen führen könnte. Keller: „Vor diesem Hintergrund müssen wir uns zwingend auf die unabweisbaren Investitionsbedarfe konzentrieren, insbesondere im Bereich der Infrastruktur.“

Die Entscheidung gegen eine neue Oper bedeutet demnach jedoch keineswegs einen Abschied von der Kunstform in Düsseldorf. Der Standort an der Heinrich-Heine-Allee soll ertüchtigt werden. Diese Maßnahmen seien ohnehin vorgesehen gewesen, um den Betrieb bis zu einer möglichen Neueröffnung sicherzustellen.

Zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs wurde eine entsprechende Beschlussvorlage in den Gremienlauf gegeben, die am 18. Juni dem Rat als Grundsatzbeschluss vorgelegt wird. Die baulichen Maßnahmen beginnen dann voraussichtlich im dritten Quartal 2027.

Parallel dazu werden Untersuchungen zur Aufrechterhaltung des Opernbetriebs auch über die 2030er Jahre hinaus beauftragt. Dabei werde es darum gehen, den Betrieb unter Verzicht auf viele Verbesserungen, die mit einem Neubau einhergegangen wären, zu organisieren. Die Transformation der Oper soll im laufenden Betrieb fortgesetzt werden. Begleitet wird sie von Generalintendantin Ina Karr und Generalmusikdirektor Evan Rogister als neues Führungsduo.

Die kommende Zeit will die Stadt zudem für die Prüfung alternativer städtebaulicher Maßnahmen für das erstandene Grundstück am Wehrhahn nutzen. So könnte ein urbanes Quartier, etwa aus Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen, entstehen.

Aus für Düsseldorfs neue Oper. Wie reagiert man in Politik und Wirtschaft in der Stadt?

„Der Oberbürgermeister hat die Notbremse bei seinem wichtigsten Prestigeprojekt gezogen“, heißt es vonseiten der SPD/ Volt-Fraktion im Rathaus. „Es hat sich gezeigt: Für die Finanzierung gab es nie eine belastbare Grundlage. Das ist vor allem ein Scheitern der Finanz- und Haushaltspolitik von CDU und Grünen.“ Während bei der Oper immer neue Visionen präsentiert worden seien, warteten viele Stadtteile bis heute auf konkrete Fortschritte bei Projekten, die für das gesellschaftliche Leben vor Ort von zentraler Bedeutung sind. „Wenn der Neubau nun nicht kommt, muss die Stadtspitze offenlegen, welche Perspektive sie für die Oper hat - auch wenn das eine geordnete Schließung des Hauses bedeuten kann“, so SPD-Vorsitz Adis Selimi. „Beschäftigte, Publikum und Kulturschaffende haben ein Recht auf Klarheit.“

Er sieht große Ankündigungen, aber keine belastbaren Antworten auf die zentralen Zukunftsfragen unserer Stadt. „Wer Wohnen zur Dauerkrise werden lässt, bei wichtigen Infrastruktur- und Stadtteilprojekten nicht vorankommt und jetzt auch noch hier scheitert, muss sich die Frage gefallen lassen, wo eigentlich die Zukunftsstrategie für Düsseldorf geblieben ist.”

Ganz anders die Einschätzung des Fraktionsvorsitzenden der FDP Düsseldorf, Mirko Rohloff. Er betont die große Bedeutung der Deutschen Oper am Rhein: „Mit dieser Entscheidung verspielt die Stadt eine historische Chance für ihre kulturelle und städtebauliche Entwicklung. Es ist ein schwerer Fehler. Die Kultur darf nicht zum ersten Opfer werden. Jetzt braucht unsere Stadt eine grundlegende finanzpolitische Kehrtwende.“ Der Kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Ulf Montanus, ergänzt: „Für den Kauf des Grundstücks und den Planungswettbewerb wurden bereits Millionenbeträge an Steuergeld investiert. Das derzeitige Gebäude ist baufällig, eine Sanierung des derzeitigen Standorts ist finanziell ein Fass ohne Boden.“

Für Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, hat der Oberbürgermeister „angesichts der Haushaltslage verantwortungsbewusst und richtig“ gehandelt. Entscheidend sei jetzt: „Wie geht es weiter? Der östliche Cityeingang ist eine der letzten stadtentwicklungspolitischen Schlüssellagen Düsseldorfs – zu wertvoll für eine erneute Warteschleife. Die Zukunft der Innenstadt liegt in Handel, Gastronomie und attraktiven Erlebnisorten. Das Areal am Wehrhahn sollte im Sinne unseres Rheinboulevard-Konzepts genau das werden: ein lebendiger Stadtraum, der diese Qualitäten bündelt und die Menschen länger in der City hält.“ Zugleich sei die Oper ein Wirtschaftsfaktor. „Düsseldorf verfügt mit ihr, Tonhalle und Museen über ein kulturelles Profil, das im Standortwettbewerb seinesgleichen sucht, touristisch aber noch zu wenig genutzt wird. Eine zukunftsorientierte Sanierung, die neue Formate ermöglicht, und ein integriertes Kulturkonzept für den Tourismusstandort – das wären die richtigen Antworten.“

Weitere Stimmen: „1,8 Milliarden Euro für ein Prestigeprojekt auszugeben war von Anfang an unverantwortlich“, so Linken-Fraktionssprecher Chris J. Demmer. „In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie die Stadt Ausgaben bei Sozialprojekten gekürzt hat; die Entscheidung gegen den Opernneubau war überfällig.“

Und Torsten Lemmer, Geschäftsführer der Ratsgruppe Freie Wähler/ Tierschutz/ Die Partei, findet: „Wir haben immer darauf hingewiesen, dass dieses Projekt finanziell aus dem Ruder laufen kann und die Risiken für den städtischen Haushalt enorm sind. Kulturpolitik darf nicht von Prestige und Symbolpolitik bestimmt werden, sondern muss sich an den tatsächlichen Möglichkeiten der Stadt orientieren.“

Aus der Traum!
Stadt stoppt Opern-Neubau - „Herzensprojekt“ wird eingespart Aus der Traum!