Mit Rendite zur Energiewende Markus Baumann über das neue Denken im Investmentmarkt

Wer Markus Baumann fragt, ob man mit gutem Gewissen Geld verdienen kann, bekommt keine ausweichende Antwort.

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Der Gründer und Geschäftsführer von AURIVOLT sagt schlicht: Ja. Und er hat ein Geschäftsmodell gebaut, das genau das beweisen soll. Dabei geht es nicht um grünes Marketing oder vage ESG-Versprechen, sondern um handfeste Zahlen, physische Infrastruktur und eine These, die er mit drei Jahrzehnten Unternehmererfahrung untermauert. Baumann ist kein Idealist, der zufällig in die Energiebranche gestolpert ist. Er kommt aus der Umwelt- und Wassertechnik, hat sich in der Photovoltaikbranche einen Namen gemacht und kennt dezentrale Energiesysteme nicht aus dem Businessplan, sondern aus dem Betrieb. Das prägt seinen Blick auf das, was Energiewende wirklich bedeutet: nicht als politisches Schlagwort, sondern als physische Transformation von Infrastruktur, die jemand finanzieren, bauen und betreiben muss.

650 Milliarden Euro und ein Staat, der allein nicht weiterkommt

Der Ausgangspunkt seiner Argumentation ist ernüchternd konkret. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung beziffert den deutschen Investitionsbedarf in Stromnetze bis 2045 auf über 650 Milliarden Euro. Das sind rund 34 Milliarden pro Jahr, mehr als doppelt so viel wie heute fließt. Allein bis 2030 werden 102 Milliarden Euro gebraucht. Staatliche Kassen können das nicht stemmen, da sind sich Ökonomen und Energieexperten weitgehend einig.

Schon heute zeigt sich, wie die Lücke zwischen Bedarf und Realität wächst. Die sogenannten Redispatch-Kosten, also die Kosten für Noteingriffe ins Stromnetz bei Überlastung, stiegen zwischen 2019 und 2023 von 1,3 auf 2,4 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von über 80 Prozent in nur vier Jahren. Jedes Mal, wenn in Schleswig-Holstein der Wind stark weht und die Leitungskapazitäten erschöpft sind, müssen Windräder abgeregelt werden, während gleichzeitig in Bayern fossile Kraftwerke hochgefahren werden. Das kostet nicht nur Geld, es ist auch energiepolitisch absurd. Baumann nennt solche Situationen gerne ein Symptom eines Systems, das auf Kante genäht ist, ohne das nötige Sicherheitsnetz zu haben.

Und genau hier setzt er an: Wenn der Staat an seine Grenzen stößt, muss privates Kapital einspringen. Aber wie bringt man Investoren dazu, ihr Geld in Infrastruktur zu stecken, die sich nicht so glamourös anfühlt wie Tech-Aktien oder Immobilien in guten Lagen?

Batteriespeicher als systemrelevante Infrastruktur

Die Antwort liegt für ihn in der Kombination aus echtem Nutzen und echter Rendite. AURIVOLT betreibt dezentrale Batteriespeicher, die dort platziert werden, wo Netzbetreiber sie tatsächlich brauchen. Nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern an konkreten Engpässen im Verteilnetz. Diese Speicher kaufen Strom günstig ein, wenn viel Energie aus Wind und Sonne ins Netz drückt, und geben ihn ab, wenn Knappheit und hohe Preise eintreten. Arbitragehandel nennt sich das.

Man kann sich das vorstellen wie einen cleveren Einkäufer auf dem Wochenmarkt, der morgens früh kauft, wenn das Angebot groß und die Preise niedrig sind, und nachmittags verkauft, wenn die Nachfrage anzieht. Nur dass hier nicht Gemüse, sondern Kilowattstunden gehandelt werden, und der gesellschaftliche Nebeneffekt erheblich ist: Jeder klug platzierte Speicher kann teure Netzeingriffe reduzieren und hilft dabei, Strom aus erneuerbaren Quellen sinnvoll zu nutzen, statt ihn ungenutzt abzuregeln.

Was Baumann dabei von vielen anderen Akteuren im Markt unterscheidet, ist sein Beharren auf dem Standortprinzip. Er spricht gerne von "Blindflug", wenn Speicher ohne Abstimmung mit Netzbetreibern gebaut werden und dann zwar technisch funktionieren, aber systemisch nirgendwo helfen. Bei AURIVOLT gibt das Netz vor, wo investiert wird. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber strukturell entscheidend: Nur netzdienlich platzierte Speicher schaffen volkswirtschaftlichen Mehrwert, der sich letztlich auch in stabilen Erlösen für Investoren niederschlägt. Ein Speicher, der am falschen Ort steht, mag Strom speichern, hilft dem Gesamtsystem aber so viel wie ein Feuerwehrauto, das zehn Kilometer vom Brand entfernt geparkt ist.

Wer hier eigentlich investiert und warum das relevant ist

Sein Investmentmodell richtet sich bewusst nicht nur an institutionelle Großinvestoren. Der Einstieg ist ab rund 12.600 Euro möglich, wobei der steuerliche Investitionsabzugsbetrag den tatsächlichen Kapitaleinsatz erheblich reduziert. Der Staat fördert also indirekt, was er direkt nicht finanzieren kann. Eine Konstruktion, die Baumann pragmatisch nutzt, ohne sie ideologisch zu überhöhen.

Wer investiert, erwirbt Eigentumsanteile an realen Geräten mit realen Erlösen. Keine Fondsanteile, keine Beteiligungen an Holdingkonstrukten, keine abstrakten Zertifikate. Das spricht eine Zielgruppe an, die in den vergangenen Jahren genug von intransparenten Finanzprodukten gesehen hat und verständlicherweise wissen möchte, was mit dem eigenen Geld passiert. Ein Batteriespeicher steht irgendwo im Gewerbegebiet, hat eine Seriennummer und produziert messbare Erlöse. Das ist eine andere Sprache als die üblichen Fondsprospekte.

Gleichzeitig schaffen genau diese Investoren etwas, das der Staat allein nicht leisten kann: dezentrale Energieinfrastruktur ohne öffentliche Mittel. Baumann beschreibt das gerne als eine Art stille Kofinanzierung der Energiewende durch den Privatsektor, die niemanden zwingt, aus Idealismus auf Rendite zu verzichten. Wer sein Kapital in einen Batteriespeicher steckt, hilft dem Stromnetz und sich selbst gleichzeitig. Das ist das Kernanliegen hinter dem Modell.

Was die Zahlen versprechen und was sie nicht garantieren

Natürlich stellt sich die Frage, ob das zu schön klingt, um wahr zu sein. Wo Renditeprognosen von über 20 Prozent im Raum stehen, sind Skepsis und sorgfältige Prüfung angebracht. Baumann selbst betont, dass diese Zahlen Prognosen auf Basis realer Strommarkterlöse sind und je nach Marktumfeld variieren können. Der Strommarkt ist volatil, regulatorische Rahmenbedingungen können sich ändern, und dezentrale Infrastruktur ist kein risikofreies Investment. Das gehört zur Wahrheit dazu und verdient mehr Aufmerksamkeit als es in manchem Verkaufsgespräch bekommt.

Dennoch zeigt das Modell etwas Wichtiges: Die oft beschworene Unvereinbarkeit von wirtschaftlichem Eigeninteresse und gesellschaftlichem Nutzen ist zumindest bei Energiespeichern keine Naturkonstante. Sie ist eher eine Frage des richtigen Designs. Wenn Investoren dann am meisten verdienen, wenn ihre Anlage dem Netz am meisten nützt, sind die Anreize richtig gesetzt. Das klingt simpel, ist in der Praxis aber selten so konsequent umgesetzt wie Baumann es beschreibt.

Ein neues Verhältnis zwischen Kapital und Infrastruktur

Was Markus Baumann letztlich fordert, ist ein Umdenken im Investmentmarkt. Nicht das Aufgeben von Renditeerwartungen zugunsten grüner Wohlfühlgefühle, sondern die Erkenntnis, dass bestimmte Infrastrukturinvestitionen beides liefern können, wenn sie klug strukturiert sind. Privates Kapital und Infrastrukturbedarf müssen zusammengebracht werden, statt gegeneinander ausgespielt zu werden. Diese These ist schwer zu widerlegen, gerade weil die Alternative, nämlich darauf zu warten, dass der Staat das Problem allein löst, angesichts der Zahlen keine realistische Option ist.

Ob das Modell in der geplanten Breite skaliert, ob die Regulierung mitspielt und ob der Markt die Versprechen auf Dauer einhält, wird sich zeigen. Aber dass ein Unternehmer aus Ostwestfalen mit Batteriespeichern und einem klaren Standortprinzip versucht, den alten Gegensatz zwischen Rendite und Verantwortung neu zu verhandeln, ist zumindest ein Ansatz, über den nachzudenken sich lohnt. Nicht weil er alle Antworten hat, sondern weil er die richtigen Fragen stellt.