Der Unrat setzt sich nach Vereinsangaben aus zurückgelassenem Müll, Erbrochenem sowie menschlichen Exkrementen zusammen. Die Beseitigung dieser Hinterlassenschaften werde häufig von ehrenamtlich engagierten Vereinsmitgliedern übernommen. Die Debatte war durch ein am Ratinger Tor angebrachtes Schild mit der Aufschrift „Privatgrundstück – Lagern unter den Ratinger Tor-Arkaden ist verboten“ in Gang gekommen. Die Obdachlosenorganisation „fiftyfifty“ kritisierte die Maßnahme. Man warf dem Heimatverein vor, vorab nicht das Gespräch mit sozialen Trägern gesucht zu haben.
„Als Mieter des Ratinger Tores fühlen wir uns dem Erhalt und einem gepflegten Erscheinungsbild des historischen Bauwerks verpflichtet“, so die Jonges in einem Statement. Die aktuellen Reaktionen auf die Hinweistafel machten jedoch deutlich, dass diese Maßnahme unterschiedlich wahrgenommen würden und „Missverständnisse entstanden sind“. Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege: „Die Diskussion hat einen Eindruck entstehen lassen, den wir bedauern und der nicht unserer Haltung entspricht. Es wird unserem Selbstverständnis und unserem langjährigen Engagement für die Menschen in Düsseldorf nicht gerecht. Als Heimatverein engagieren wir uns seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Menschen in unserer Stadt.“ So unterstütze etwa die Tischgemeinschaft „Ächte Frönde“ regelmäßig die Armenküche, die Tischgemeinschaft „Medde d’rzwesche“ engagiert sich beim Malteser Wohlfühlmorgen und die „Scholljonges“ haben zuletzt mit einer Reibekuchenaktion am Bolker Stern in der Altstadt Spenden gesammelt, die unter anderem dem GuteNachtBus zugutekamen. Erst im vergangenen Winter seien am Ratinger Tor außerdem Decken und Getränke an wohnungslose Menschen verteilt worden.
Mit einer symbolischen Aktion machte „fiftyfifty“ jetzt am Ratinger Tor auf die Situation wohnungsloser Menschen aufmerksam und brachte eine eigene Hinweistafel an, die für mehr Solidarität wirbt. Vertreter der Jonges und der Wohnungsloseninitiative nutzen die Gelegenheit zum Dialog. Im Gespräch wies fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf darauf hin, dass soziale Träger und Streetworker bei vergleichbaren Situationen als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung stehen. „Wenn es Probleme gibt in der Stadt, dann kann man sich bei uns melden. „Wir sind durchaus in der Lage, mit den Personen zu reden.“
Die Düsseldorfer Jonges begrüßen dieses Angebot ausdrücklich. Dass diese Unterstützungsangebote auch in Situationen wie am Ratinger Tor unmittelbar eingebunden werden können, sei vielen Beteiligten bislang nicht bewusst gewesen.
„Beide Seiten waren sich darüber einig, dass die Herausforderungen rund um Wohnungslosigkeit nicht durch Schilder gelöst werden können, sondern nur durch Dialog, soziale Unterstützung und konkrete Hilfsangebote“, so Baas Dr. Reinhold Hahlhege.