1. Düsseldorf

In Düsseldorf wurde eine Gedenktafel für die Opfer des Wehrhahn-Anschlags eingeweiht

Gedenktafel : Erinnerung an die Opfer des „Wehrhahn-Anschlags“

Ab sofort gibt es ein Erinnerungszeichen für den "Wehrhahn-Anschlag", bei dem im Juli 2000 zwölf Menschen aus rassistischen und antisemitischen Motiven durch eine Bombe am S-Bahnhof Wehrhahn zum Teil schwer verletzt wurden.

Im Rahmen einer kleinen Zeremonie wurde am Montag, 11. Mai, vor Ort eine Gedenktafel eingeweiht. Oberbürgermeister Thomas Geisel nahm sie gemeinsam mit den Bezirksbürgermeistern der Stadtbezirke 1 und 2, Marina Spillner und Dr. Uwe Wagner, sowie der Vorsitzenden des Arbeitskreises Erinnerung, Annette Klinke, vor Ort entgegen.

Der Text der Tafel lautet: "Gedenken an die Opfer rassistischer Gewalt am Wehrhahn." Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Fast 20 Jahre nach der Tat haben wir nun endlich einen Erinnerungsort am S-Bahnhof Wehrhahn. Rassismus und Antisemitismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Die Gedenktafel ist hierfür ein wichtiges Zeichen und ein klares Bekenntnis gegen jede Art von Gewalt."

Marina Spillner: “Erinnerungszeichen zu schaffen, das ist eine wichtige Aufgabe der Bezirksvertretungen. Damit bleibt auch Vergangenes im Stadtteil präsent, auch die dunklen Seiten unserer Stadtgeschichte sollen nicht vergessen werden und uns mahnen, rassistischen und antisemitischen Tendenzen entgegenzutreten.“

Dr. Uwe Wagner: "Mit dieser Tafel wollen wir der Gruppe junger Menschen gedenken, die vor bald 20 Jahren Opfer eines feigen Anschlags wurden, unter dem sie bis heute leiden. Der Täter konnte bislang nicht zur Verantwortung gezogen werden und so wollen wir mit diesem Mahnmal auch einen Beitrag dazu leisten, dass diese verabscheuungswürdige Tat nicht in Vergessenheit gerät."

Annette Klinke: "Hier vor Ort bekommen wir eine Idee, wie niederträchtig dieser Anschlag geplant war. Mitten in unserem Alltag werden diese Tafeln uns erinnern, dass wir uns jeden Tag für unseren sozialen demokratischen Rechtsstaat einsetzen müssen. Ich hoffe, dass die Mahnung den Opfern etwas von ihrer Würde zurückgibt.“

Die Bezirksvertretungen 1 und 2 haben gemeinsam das Vorhaben in die Tat umgesetzt, die Texttafel wurde mit Unterstützung des Erinnerungsorts "Alter Schlachthof“ und der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs gestaltet. Die Deutsche Bahn hat ihre Zustimmung gegeben, auf ihrem Gelände den Explosionsort durch die Tafel zu kennzeichnen. Der Opferverband Rheinland hat die Bezirksvertretungen unterstützt und die Kommunikation mit den Betroffenen geführt. Die neue Gedenktafel konnte aufgrund der Corona-Krise nur im kleinen Kreis eingeweiht werden.

Die Beteiligten hoffen, dass sie am 27. Juli, dem 20. Jahrestag des Anschlags, eine große Gedenkveranstaltung mit allen Verbänden und Interessierten am S-Bahnhof Wehrhahn gestalten können.

Hintergrund: Am 27. Juli 2000 explodierte am Eingang zur S-Bahn-Station Wehrhahn an der Ackerstraße eine Bombe. Es war ein heimtückischer, rassistisch und antisemitisch motivierter Anschlag auf zwölf Menschen, die aus Russland, der Ukraine, Aserbaidschan und Kasachstan nach Düsseldorf zugewandert waren. Zehn von ihnen wurden bei dem Anschlag verletzt, einige lebensgefährlich, eine Frau verlor ihr ungeborenes Kind.

Viele von ihnen wurden traumatisiert und leiden bis heute unter den Folgen des Anschlags. Sie kamen gerade von ihrer Sprachschule. Der oder die Täter hatte(n) sie gezielt ausgesucht. Der Anschlag rief im Jahr 2000 eine Welle des Protests gegen rassistische Gewalt und Antisemitismus hervor.

Doch niemand wurde für die Tat verurteilt. Ein Anfang 2018 eröffneter Strafprozess wegen 12-fachen Mordversuchs gegen einen schon im Sommer 2000 Verdächtigten endete mit einem Freispruch. Die Strafkammer stellte zwar die rassistische Motivation des Anschlags fest, hatte aber Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Im Prozess wurden Versäumnisse bei den Ermittlungen nach dem Anschlag deutlich, die nicht mehr wettgemacht werden konnten.

Ein Video zu diesem Thema ist auf YouTube unter youtube.de/stadtduesseldorf zu sehen.