„Fortuna für alle“ - der Klub will den Eintritt zu Profispielen abschaffen „So geht es nicht weiter“

Die bundesweit aufsehenerregendste Sportmeldung kam in dieser Woche aus Düsseldorf - Fußball-Zweitligist Fortuna will in der kommenden Saison zunächst probeweise und dann langfristig ihre Heimspiele für Zuschauer gratis anbieten. Die dadurch anfallenden Einnahmenverluste von rund 10 Mio. Euro im Spieljahr soll durch das Engagement mehrerer Sponsoren ausgeglichen werden.

Kritische Anhänger im Fortuna-Block.

Kritische Anhänger im Fortuna-Block.

Foto: Ja/HORSTMUELLER GmbH

Läuft alles nach Plan, dann werden in spätestens fünf Jahren zu Heimspielen von Fortuna Düsseldorf weder Ultras, noch Dauerkarteninhaber, noch unregelmäßige Stadionbesucher, noch Gästefans Eintritt zahlen müssen. In der Woche haben die Klub-Verantwortlichen ihre neue strategische Ausrichtung vorgestellt. „Wir wollen deutlich machen, wofür Fortuna Düsseldorf steht. Deshalb machen wir mit ‚Fortuna für alle‘ Dinge anders und gehen neue Wege”, erklärt der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst. „Die TV-Erlöse im Fußball sinken, die Schere zwischen den Klubs geht weiter auseinander. So geht es für uns nicht weiter.“

In der kommenden Saison werden in einem Pilotprojekt zunächst drei ausgewählte Partien in der Arena in Stockum kostenlos zugänglich gemacht. „Das soll sich im besten Fall“, so Fortuna-Finanzchef Arndt Hovemann, „sukzessive auf die angestrebten 17 Heimspiele einer Saison ausdehnen.“ Für die notwendige Kompensation der ausfallenden Zuschauereinnahmen - das sind bis zu 10 Mio. Euro auf Basis des aktuellen Schnitts - soll eine Anschubfinanzierung über 45 Mio. Euro in fünf Jahren von vier strategischen Partnern sorgen. Mit der Targobank, der Provinzial, Hewlett Packard Enterprise und der Initiative Common Goal (siehe Kasten) hat Fortuna vier solche Begleiter gefunden. Hovemann: „Das gibt uns Planungssicherheit und ein Fundament, auf dem wir in den nächsten Jahren aus eigener Kraft wachsen können.” Eventuelle juristische oder steuerlich Fallstricke haben man Stand heute dabei umgangen.

Beim Klub ist man überzeugt, dass „die Unternehmen aus der Region dieses Konzept aus Überzeugung mittragen, um den Fußball in Düsseldorf nachhaltig zu verändern. Das Geld fließe gemäß der transparenten Mittelverwendung lediglich zur Hälfte in die Profiabteilung, 20 Prozent gingen in den Nachwuchs- und Frauenfußball, 20 Prozent in digitale Infrastruktur und 10 Prozent in nachhaltige und soziale Projekte.

Auch die Merkur Spiel Arena soll zu einem „rot-weißen Zuhause“ werden. Jobst, neben ihm steht Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, sagt: „Deshalb gehen wir das Thema nun gemeinsam mit der Stadt an.“ Über Themenkomplexe wie etwa den Erlass der üppigen Stadionmiete für die Fortuna wollen alle Beteiligten nicht spekulieren.

Wer künftig an Gratis-Tickets kommen will, wird sich online auf einer Plattform bewerben müssen. Nach Vereinsangaben hätten Dauerkarteninhaber und Klubmitglieder einen zeitlichen Vortritt. Die Verteilung wird dann nach dem Verlosungsprinzip erfolgen, „da die Nachfrage das Angebot wohl übersteigen wird“, so Jobst.

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