Miet-Sorgen in Düsseldorf: Kein Grund zur Beruhigung

Miet-Situation in Düsseldorf : Kein Grund zur Beruhigung

Die Mieten in Düsseldorf sind in den vergangen zehn Jahren um durchschnittlich 40 Prozent gestiegen. In erster Linie in den citynahen Stadtteilen. Von diesem Ergebnis einer eigenen Untersuchung zeigte sich der Ring Deutscher Makler Düsseldorf Ende September „völlig überrascht“. Man hatte höhere Steigerungen erwartet. Eine Einschätzung, die Hans-Jochem Witzke und Michaelo Damerow vom Mieterverein Düsseldorf keineswegs beruhigt. Zwar wohne man an den Stadträndern, beispielsweise im Süden, noch relativ preiswert, doch zöge man auch hier mit den Mietkosten der Innenstadt nach.

Im Gespräch mit dem Düsseldorfer Anzeiger geben der 1. Vorsitzende Hans-Jochem Witzke und Geschäftsführer und Rechtsanwalt Michaelo Damerow vom Mieterverein Düsseldorf ihre Einschätzung zur Miet- und Wohnungssituation in Düsseldorf ab.

Die Lage

Der Märkte in Düsseldorf sind unterschiedlich. Es gibt Stadtteile mit sehr hohen Mieten und Bereiche, die noch relativ preiswert sind - beispielsweise im Süden der Stadt, etwa in Lierenfeld oder Garath. Doch auch hier zieht man bei den Miet-Kosten nach und das Niveau, was vielfach mittlerweile erreicht worden ist, ist für viele Normalverdiener, Familien und insbesondere für Bezieher des Mindestlohns in Düsseldorf nur noch schwer zu stemmen. Und die relevanten Zahlen für die Stadt illustrieren die Situation recht deutlich: Etwa 85 Prozent der Einwohner Düsseldorfs leben zur Miete.

Die Grund-Problem

Die Knappheit auf dem Wohnungsmarkt bestimmt den Preis und auch alle Bemühungen, dies in den Griff zu bekommen, etwa durch Mietpreisbremse bei Neuvermietungen oder der Kappungsgrenze in bestehenden Mietverhältnissen gehen offensichtlich alle ins Leere.

Die Realität:

Witzke: „Der Jurist ist ein bisschen vorsichtiger als ich - aber ich meine behaupten zu können, dass etwa gegen die Mietpreisbremse systematisch und regelmäßig verstoßen wird. Diese lässt ja nur zu, dass man höchstens bis zu 10 Prozent mehr Miete nehmen darf, als der örtliche Mietspiegel hergibt. Und wenn der Mietspiegel bei 7 Euro liegt, ist bei 7,70 Euro eben Schluss. Aber es wird für 9,50 Euro oder gar zehn Euro vermietet. Immerhin ist man im Moment im Gesetzgebungsverfahren, dass Mieter sich das hier zu viel gezahlte Geld innerhalb von 30 Monaten zurückerstatten lassen kann. Wir stellen zudem grundsätzlich bei unserer Arbeit fest, dass viele Mieter hinsichtlich der Rechtslage keine oder kaum Kenntnis besitzen. Viele Mieter scheuen sich auch, bei 50 oder mehr Bewerbern um die erworbene Wohnung, das junge Mietverhältnis direkt zu belasten. Und: Viele finden den Weg zu uns als Mieterverein nicht. Zumindest sind wir im Vergleich weit von den rund 20 Millionen ADAC-Mitgliedern entfernt. Dabei kann in einen Mietverhältnis mehr Geld auf dem Spiel stehen als wenn man mal für 450 Euro abgeschleppt wird.

Mögliche Lösungen

Zumindest die Beibehaltung des hohen Niveaus bei der Neuerrichtung von Wohnungen in Düsseldorf. Zuletzt ist es gelungen, jährlich 3000 Wohnungen in der Stadt zu realisieren. Wenn man es vernünftig macht, auf Sauberkeit und Funktionalität seitens der Bauherren achtet, kann man sich auch wieder Gedanken in Richtung Hochhausbau machen. Natürlich sind hier Vorkommnisse wie etwa in der Siedlung in Hassels-Nord ein abschreckendes Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Dringend notwendig war zudem die jüngst von der Stadt verabschiedete Wohnraumschutzsatzung. Die Diskussion um Zweckentfremdung von Wohnraum war in Düsseldorf bereits schon im Hinblick auf die so genannten Showrooms in Golzheim vor einigen Jahren als Zweckentfremdungs-Verordnung ein Thema - und absolut sinnvoll, weil es der Stadt aufgrund von Zwangsgeldern bei Zuwiderhandlungen auch Geld brachte. Eine aktuelle Forderung von uns, das sind in diesem Fall u. a. die Mietervereine der großen Städte in NRW, ist , dass die Landesgesetzgebung darauf hinarbeitet, das Wohnungsaufsichtsgesetz so zu ertüchtigen, dass die Internet-Firmen, etwa Airbnb, verpflichtet werden, ihre Kundschaft preiszugeben.

Die Hürden

Schwierig ist hier natürlich, dass Grund und Boden, Baumaterialien und die Kapazitäten der Bauunternehmen knapp und teuer sind. Häufig liegt es auch an der Nachbarschaft, wenn Wohngebiete neu ausgewiesen werden - man denke an die Streitigkeiten um die alte Waldschänke in Vennhausen oder zuletzt die Unstimmigkeiten in der Paulsmühle in Benrath. Überall wo neu gebaut werden soll, sind die Menschen, die schon versorgt sind, dagegen und verbergen ihre individuellen Interessen hinter Gemeinwohl. Eine Stadt ist dadurch geprägt, dass es eine gewisse Dichte gibt, sicherlich keine Enge. Was aber auch richtig ist - grundsätzlich wird man gegen den Zuzug nach Düsseldorf nicht anbauen können.

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