1. Düsseldorf

Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf Ulmer Höh Gefängnis

Neue historische Dokumentation der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte erschienen : Die „Ulmer Höh’“ in der Nazi-Zeit

Unter dem Titel „Ulmer Höh‘. Das Gefängnis Düsseldorf-Derendorf im Nationalsozialismus“ - hat die Mahn- und Gedenkstätte ein neue historische Dokumentation herausgebracht.

Das von Institutsleiter Dr. Bastian Fleermann verfasste Werk ist im Droste-Verlag erschienen. Das 488 Seiten starke Buch erzählt die Geschichte des Gefängnisses und der Männer und Frauen, die dort in den Jahren 1933 bis 1945 aus politischen oder „rassischen“ Gründen inhaftiert waren.

Zum historischen Hintergrund: Tausende Menschen waren zwischen 1933 und 1945 im Gefängnis in Derendorf inhaftiert – ein Großteil von ihnen waren politische Gefangene, Regimegegner oder aus rassistischen Gründen Verfolgte. Die „Ulmer Höh‘“, wie das Gefängnis im Volksmund genannt wurde, war für viele Häftlinge nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Konzentrationslager. Hinzu kamen die regulären Straftäter.

Die Quellen deuten jedoch darauf hin, dass während der NS-Herrschaft die Grenzen dieser Häftlingskategorien zunehmend unschärfer wurden: Einfache Diebe galten nun in politisierter Form als „Volksschädlinge“ oder „Reichsfeinde“. Zu den bekanntesten Häftlingen gehörten unter anderem Oberbürgermeister Dr. Robert Lehr oder der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff. Nach 1939 internationalisierte sich die Gefangenengesellschaft massiv durch die Inhaftierung von ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Das Haus war vor allem wegen seines „Bezirkskrankenhauses“, berüchtigt, da hier massenhaft Medizinverbrechen verübt wurden (Kastrationen und Sterilisationen).  

  • Eröffnung der Ausstellung mit (v. l.)
    Sonderausstellung bis 19. Dezember in der Mahn- und Gedenkstätte : Kinder erfahren etwas zur überlebenden Cellistin
  • Bis 6. Juni läuft in der
    „Vergessene Opfer“ in Gedenkstätte : Unter Zwang
  • Das Ehepaar Berta und Max Back,
    Die Rückkehr der Gedenksteine für Berta und Max Back : Opfern Namen geben

Die Studie gleicht die amtliche und bürokratische Überlieferung mit den persönlichen Erinnerungen von Überlebenden, mit persönlichen Nachrichten, Tagebucheinträgen und Briefen ab. Insgesamt entsteht so ein vergleichsweise dichtes Bild einer deutschen Strafanstalt während der NS-Diktatur.

Das 1893 erbaute Gefängnis wurde bis Februar 2012 als JVA genutzt und in den Folgejahren fast vollständig abgerissen. Am Platz entsteht ein neues Stadtquartier.