Kommission empfiehlt Umbenennung von 12 Düsseldorfer Straßen

Kommission empfiehlt, belastete Straßennamen zu ändern : Spitzname „Hänge-Peters“

Ein wissenschaftlicher Beirat hat dem Kulturausschuss bei der Sitzung am vergangenen Donnerstag eine Liste mit zwölf Straßennamen vorgelegt, bei denen er eine Umbenennung empfiehlt.

Das Dutzend Namen, darunter etwa die Porschestraße in Flingern, die Pfitznerstraße in Benrath oder die Petersstraße in Urdenbach, sind auf Personen aus dem Kolonialismus, dem Antisemitismus und dem Nationalsozialismus zurückzuführen, „die dem Wesen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung widerspechen“, so Kommissons-Mitglied Bastian Fleermann von der Mahn- und Gedenkstätte. Der Kolonialpolitiker Dr. Carl Peters etwa habe den Spitznamen „Hänge-Peters“ gehabt, weil er in deutschen Kolonien in Afrika Tausende Menschen hinrichten ließ. Die Umbenennungen beschließen kann nur der Stadtrat.

Im März 2018 hatte der städtische Kulturausschuss die Mahn- und Gedenkstätte und das Stadtarchiv damit beauftragt, zusammen mit einem mit Historikern und weiteren Experten besetzten wissenschaftlichen Beirat all jene Straßennamen zu überprüfen, deren Namensgeber nach 1870 gestorben sind. Der Schwerpunkt der Untersuchungen sollte in den Bereichen Kolonialismus, Militarismus, Nationalismus und Antisemitismus liegen.

Als Benedikt Mauer vom Stadtarchiv und Gedenkstättenleiter Bastian Fleermann den über 300 Seiten starken Abschlussbericht der Presse vorstellen, stellen sie klar: „Unser siebenköpfiger Beirat hat lediglich Empfehlungen ausgesprochen, die Entscheidung über die tatsächliche Umbenennung der Straßen obliegt jetzt dem Stadtrat.“

Der Bericht enthält Gutachten über letztlich 79 Persönlichkeiten - übriggeblieben aus fast 3.500 mit Namen versehenen Düsseldorfer Straßen, ausgesiebt aus anfangs 650, dann nur noch 99, die den Untersuchungskriterien allgemein entsprachen. „Für die 79 Gutachten sind wir intensiv in die Archiv-Recherche sowie das Quellenstudium, etwa Biografien, Tagebücher, Zeitzeugenberichten, eingestiegen“, sagt Benedikt Mauer.

Für die Einteilung in die Kategorien A (schwer belastet/nicht haltbar), B (diskussionswürdig) und C (unbelastet) wurde im Beirat abgestimmt. Die einfache Mehrheit genügt. „In der Kategorie A“, sagt Mauer, „gab es jedoch kein einziges Mal ein knappes Ergebnis.“ Für die Einordnung war laut Bastian Fleermann wichtig, ob es im Laufe der Zeit eine Form von Reflexion bei den Betroffenen gegeben habe, sei es durch Distanzierungen über schriftliche Veröffentlichungen oder den Mitaufbau von demokratischen Strukturen, etwa mit der Geburt der Bundesrepublik.

Bei Adolf Hitlers führendem Autokonstrukteur Ferdinand Porsche gab es das nicht: „Porsche hofierte das NS-Regime von Beginn an“, erzählt Fleermann, „und er wurde hofiert. In den Volkswagen-Werken bei Wolfsburg ließ er wissentlich Zwangsarbeiter aus Polen oder Rumänien, später auch KZ-Häftlinge, etwa auch aus Auschwitz schuften.“ Porsche starb sechs Jahre nach Kriegsende. Fleermann: „Eine Distanzierung gab es von ihm nie.“

Der 1949 gestorbene Komponist und Autor Hans Erich Pfitzner war „glühender Antisemit“ in der Zeit, als die Nazis sechs Millionen Juden ermordeten...“ (Fleermann). Demgegenüber wurde etwa Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg, Schauspieler Gustaf Gründgens und auch Joseph Beuys, der Ende vergangenen Jahres im Zuge der zwischenzeitlichen Berichterstattung über die Straßennamen-Prüfung auftauchte, in die C-Kategorie eingestuft. Fleermann: „Bei Beuys dauerte das weniger als eine Minute.“

Bei ihren Erwartungen hinsichtlich der Entscheidungsfindung des Stadtpolitiker geben sich Mauer und Fleermann unisono „leidenschaftslos“. Fleermann: „Wir geben Empfehlungen und gehen davon aus, dass die Politik verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen wird. Und - sie allein sind Statement genug.“