Donots: Jubiläumstour und Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk

25 Jahre Donots : Jubiläumstour und Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk

Gegründet 1993, spielte die Band Donots aus Ibbenbüren in Westfalen im April 1994 ihr erstes Konzert in der Scheune, einem Jugendkulturzentrum der Stadt. Heute, elf Alben später, feiert die Band ihr 25-jähriges Bestehen mit einer ausgedehnten Jubiläumstour und einem Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk.

Wir sprachen mit Ingo Knollmann, Sänger, Keyboarder und Frontmann der Donots.

Herr Knollmann, ich habe Sie mit Ihrer Band aber auch solo in der jüngsten Vergangenheit gleich mehrfach in Düsseldorf erlebt. Als Vorband der Düsseldorfer Band Broilers waren Sie 2017 im ISS Dome dabei, mit der Band Male traten Sie im Rahmen des Lieblingsplatte-Festivals im vergangenen Dezember im Zakk auf. Und auch mit den Toten Hosen arbeiten Sie oft zusammen. Wie kommt es zu dieser engen Bande ihrer Bands?
Besonders mit den Hosen pflegen wir mittlerweile eine sehr gute Freundschaft. Die nahmen uns Anfang der 2000er Jahre erstmals mit auf ihre Tour und ich bin über die Platten meines großen Bruders bereits seit den 1980er Jahren selbst riesengroßer Hosen-Fan. Mittlerweile leihen wir uns gegenseitig auch mal Musiker aus: Ich mache zum Beispiel mal einen Gastauftritt bei den Hosen, Kuddel oder Vom spielen hin und wieder bei uns.

Mit Schlagzeuger Vom und gemeinsam mit der ersten Düsseldorfer Punk-Band Male um Frontmann Jürgen Engler sangen Sie kürzlich auch einen Buzzcocks-Klassiker im Rahmen des Lieblingsplatte-Festivals im Zakk. Wie kam es denn dazu?
Neben den Toten Hosen haben auch wir im vergangenen Jahr in Österreich ein Konzert gespielt und Vom erzählte mir beim Frühstück, dass er im Dezember mit Male im Zakk ein Konzert geben würden. Geplant war, ein Cover als Hommage an die Buzzcocks zu spielen und ich wurde eingeladen, den Song zu singen. Was für ein Ritterschlag, einmal gemeinsam mit der Band Male spielen zu dürfen! Und gleichzeitig sind das genau die Momente, die uns in diesem Zirkus seit 25 Jahren frisch halten…

… denn ihre eigene Band Donots gibt es mittlerweile auch schon seit einem Vierteljahrhundert. Rechnet man, wenn man eine Band wie die Donots in Ibbenbüren gründet, mit einer derart langen und erfolgreichen Karriere?
Ganz ehrlich? 25 Stunden hätten damals schon gereicht. Wir spielten unser erstes Konzert am 16. April 1994 in der Scheune in Ibbenbüren. Damals war das eine Zweckgemeinschaft von ein paar Ibbenbürener Teens, die Kleinstadtzeit totschlagen wollten. Wir wollten irgendetwas tun, am besten mit einem Dach über dem Kopf Bier trinken und dabei Krach machen. Es war nie angedacht, dass es derartige Dimensionen annehmen könnte. Irgendwie bleibt man aber dabei, wenn einem das Ganze etwas bedeutet. Wir erhielten zum Beispiel schon in der Anfangszeit tolles Feedback, und das hat uns zusätzlich angespornt. Und auch, wenn wir in den ersten Jahren überwiegend im Ibbenbührener Raum gespielt haben - irgendwann spielten wir auch in anderen Städten und durften die Support-Shows für größere Bands spielen. Man leckt dann Blut, man steckt sich kurz- bis mittelfristige Ziele und auf einmal hat man einen Plattenvertrag in der Tasche. Ende der 1990er Jahre überlegten wir dann, einmal ein Jahr lang Halli Galli zu machen, vielleicht auch mit der Aussicht, danach erneut das Studium aufzunehmen. Dabei ist es aber geblieben, wir haben seitdem das Glück, damit unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Es gibt also nach einem Englisch-Studium für Sie auch keine Rückkehr mehr in ein bürgerliches Leben?
Wer heute einen bis an den Hals tätowierten, abgehalfterten Englischlehrer einstellen würde, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Die Musikerkarriere ist also ein One-Way-Ticket?
Ich glaube schon. Natürlich haben wir ein Schloss auf Sand und Moor gebaut, man kann sich nie sicher sein, was morgen ist. Kopfschüttelnd stehen wir immer noch vor dieser Werkschau von mittlerweile elf Alben und 1100 Konzerten in 21 Ländern, die wir bisher gespielt haben. Eine total glückliche Fügung. In all den Jahren habe ich aber immer auch gemerkt, dass man darauf vertrauen muss, nach vorne zu fallen. Man muss Kampfgeist besitzen in der Selbstständigkeit und mit einem eigenen Label. Wenn man dieses Gambling-Gefühl nicht hat, dann ist man besser beraten, bei einer Bank anzufangen. Ich glaube, dass ich am Ende des Tages wie eine Katze auf alle Viere fallen würde. Und wenn es Pizza-Ausfahren und in einer Kneipe zu arbeiten ist, dann wäre das auch okay.

2008 hatten die Donots mit "Stop the Clocks" einen derart großen Hit, dass die Band auf einmal in aller Munde war. Das hatte dann kaum noch etwas mit Punk zu tun, oder?
Wir haben uns irgendwann gelöst von dieser jugendlichen Definition von Punk und dem Korsett, von dem wir dachten, was Punk sein muss. Wir haben uns mittlerweile so frei geschwommen und denken, dass alles, was wir machen irgendwie Punk ist. Letzten Endes müssen das nicht immer verzerrte Gitarren sein, es ist vor allem das Lebensgefühl, aus eigenem Stand etwas hinzubekommen, sich nicht reinquatschen zu lassen und kompromisslos sein Ding zu machen. Mit der Platte "Coma Chameleon" haben wir 2008 ein Reboot der Band vollzogen und fortan andere Sachen ausprobiert. Mittlerweile sind wir in der dritten Reinkarnation der Band angekommen und singen in deutscher Sprache. Für den jeweiligen Moment hat sich alles richtig angefühlt. Verrückt, was einem alles passieren kann.

Gibt es in Deutschland denn mittlerweile eine echte Akzeptanz der deutschen Sprache in der Musik?
Absolut. Dennoch haben wir uns eine sehr lange Zeit dagegen gesträubt, selbst deutsch zu singen. Ganz oft wurde uns in den vergangenen Jahren von Labels, bei denen wir unter Vertrag waren, gesagt, dass wir doch bitte auch deutsche Texte singen sollten. Aktuell waren damals jeweils Bands, die deutsch sangen, Juli etwa oder Silbermond. Wir haben uns dennoch nie danach gefühlt, weil es sich immer nach Auftragsarbeit angefühlt hatte. Tatsächlich mussten wir erst auf eine einmonatige Tour durch die USA gehen, bis uns bei einer Pinkelpause in Nevada klar wurde, dass wir auch wirklich mal was auf Deutsch machen könnten. Und natürlich ist die Akzeptanz der deutschen Sprache mittlerweile auch da, weil im Radio deutsche Musik gespielt wird. Diese Musik kann man aber auch unglaublich gut ignorieren. Manchmal tut es einfach so wenig weh, dass man noch nicht einmal auf die Idee kommt, umzuschalten und den Sender zu wechseln.

Stellt Sie das Texten auf Deutsch als Komponist und Texter vor eine besondere Herausforderung oder ist das Deutsche, weil es Ihre Muttersprache ist, in Fleisch und Blut?
Genau das Gegenteil. Die englische Sprache ist sehr ergiebig, was das Songwriting angeht. Es fließt alles gut, es klingt alles gut. Man muss aber auch sagen, dass die englische Sprache unglaublich viel verzeiht. Und wenn man sich zum Beispiel mal einige Ramones-Songs ins Deutsche übersetzt, dann klingt das zum Teil nach Roland Kaiser und Schlager. Man denkt darüber aber verrückter Weise nicht nach. Im Deutschen ist das etwas ganz anderes. Die Worte haben mitunter sehr unterschiedliche Bedeutungen, klingen beschissen oder lassen sich nicht gut singen. Und es gibt natürlich auch Worte, die unglaublich kitschbeladen sind, dass man sie unbedingt vermeiden muss. Man muss also zunächst seinen eigenen Sprech finden, bei dem man nicht rot wird, wenn man es Leuten vorsingt.

Auch die Donots sind politisch aktiv. Ähnlich wie zum Beispiel Die Toten Hosen, die Broilers, Fettes Brot oder Casper sprechen auch Sie auf Ihren Konzerten aus, dass Rechts nicht okay ist. Aber treffen Sie dort tatsächlich die, denen man sagen muss, dass rechte Gewalt nicht sinnvoll ist?
Natürlich ist es kokett, das auf Punk-Shows zu machen. Es ist "preaching to the choir", weil ich nicht glaube, dass auf Punk-Konzerten Leute stehen, denen man das sagen muss. Im Gegenteil. Weil wir aber mittlerweile ein sehr breit gefächertes Publikum haben — Fans verschiedener Genre und unterschiedlicher Altersstufen — sehe ich es als unsere Aufgabe, insbesondere den ganz jungen Kids das Gefühl zu geben, dass es das coolste ist, was sie jemals gesehen haben. Sie sollten das Gefühl bekommen, dass das — auch politisch — ihre neue Heimat werden könnte. Ein Spot, wo man mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten so sein darf, wie man ist und dabei friedlich aufgenommen wird. Zudem arbeiten wir auch mit Initiativen wie "Kein Bock auf Nazis" zusammen. Die haben Infostände auf unseren Konzerten und auch so machen wir einen Unterschied zwischen deutschem Mainstreampop und Musik mit Haltung.

(Sven-André Dreyer, sdr)
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